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Potsdam Das können Besucher in Potsdams neuer Begegnungsstätte lernen
Lokales Potsdam Das können Besucher in Potsdams neuer Begegnungsstätte lernen
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00:23 19.06.2019
Das Alexander-Haus in Groß Glienicke öffnete am Sonntag seine Türen für die Öffentlichkeit : Thomas Harding, Vorsitzender des Vereins Alexander-Haus, und die neue Direktorin Yasmeen Akhtar. Quelle: Bernd Gartenschläger
Groß Glienicke

Ein ganz besonderes Haus hat seit Sonntag in Groß Glienicke in unmittelbarer Nähe zum See am Gutspark seine Pforten geöffnet: Das Alexander-Haus – 1927 erbaut von der deutsch-jüdischen Familie Alexander, die 1936 vom Nazi-Regime in die Emigration gezwungen wurde – wird von nun an als Bildungs- und Begegnungsstätte mit einer musealen Ausstellung öffentlich zugänglich sein. Vorerst nur sonntags von 15 bis 17 Uhr; auch Führungen für geschlossene Gruppen werden in dem denkmalgeschützten Bau nach Vereinbarung möglich sein. Perspektivisch soll auf einem nicht weit entfernten Gelände auch ein kleines Seminargebäude entstehen. Dessen genauer Baustart ist allerdings derzeit noch nicht klar, da noch ein Bebauungsplan erstellt werden muss.

Blick ins Innere des Hauses mit der neuen Ausstellung. Quelle: Bernd Gartenschläger

Unter der Ägide der neuen Direktorin Yasmeen Akhtar wird man das Alexander-Haus auch für Schulbesuche im Rahmen seines „Young Ambassadors“-Programms („Junge Botschafter“-Programm) nutzen. Internationale Bekanntheit hat das Anwesen durch den Alexander-Nachfahren Thomas Harding erlangt, der in seinem Buch „Sommerhaus am See“ die Jahrhundertgeschichte nachgezeichnet hat. Harding lebt in England, hat aber wegen des Brexit mittlerweile einen deutschen Pass. Er schrieb mit dem „Sommerhaus“ nicht nur einen Bestseller – auch den Erhalt des ehemaligen Familienferiendomizils hat er sich auf die Fahnen geschrieben. Seit 2013 retteten Angehörige der Familie Alexander und aktive Bürger aus Groß Glienicke, Potsdam und Berlin das zwischenzeitlich komplett heruntergekommene, verwahrloste Haus.

Bei der Eröffnung am Sonntag war Harding die Rührung über das Erreichte dann auch deutlich anzumerken. Noch deutlich stand ihm der desolate Zustand des leerstehenden Hauses vor Augen, als er es vor ein paar Jahren sah: „Es war in einem erbärmlichen Zustand, alles überwuchert, zerbrochene Fensterscheibe. Das Zimmer, in dem meine Urgroßeltern einst schliefen, war eine Drogenhöhle gewesen.“

Tatsächlich ist die Verwandlung des Hauses, bei dem es sich eher um einen einfachen Bungalow von sehr überschaubaren Ausmaßen handelt, fast atemberaubend. Nach mehr als dreijähriger Restaurierung – finanziert mit Mitteln des Bundes, des Landes und aus Privatspenden – ist die dunkle Holzfassade wieder in strahlendem Weiß-Blau eingefasst. Im buntgetäfelten Inneren erinnert eine Ausstellung an die Geschichte. Als erstes Wochenendhaus läutete es die Entwicklung des Dorfes zur modernen Siedlung und zum beliebten Feriendomizil ein. Alfred Alexander und seine Familie empfingen hier Gäste wie Albert Einstein oder Max Reinhardt. Zu sehen sind dort jetzt unter anderem das 1936 nach England gerettete Zinngeschirr der Familie oder ein Album über Glienicke, das Tochter Bella ihren Eltern zur Silberhochzeit schenkte.

Ansicht des Alexander-Hauses. Quelle: Bernd Gartenschläger

Nachdem die Alexanders flüchten mussten, lebte der Komponist Will Meisel in dem Haus. Auch zu DDR-Zeiten war der Holzbungalow – nun in unmittelbarer Nähe zur Grenzmauer – weiter bewohnt.

Mittlerweile gehört das Grundstück der Stadt, die einen langfristigen Nutzungsvertrag mit dem Verein Alexander-Haus geschlossen hat. „Von Anfang an war es das Ziel, dass Menschen über die Geschichte und aus der Geschichte lernen, um eine bessere Zukunft zu ermöglichen“, betonte Thomas Harding in seiner Rede. Auch Staatskanzleichef Martin Gorholt, Bürgermeister Burkhard Exner (beide SPD) und Ortsvorsteher Winfried Sträter unterstrichen die unverzichtbare Bedeutung der neuen Bildungs- und Begegnungsstätte. Bislang fanden die Projekte des Vereins – auch mit ortsansässigen Flüchtlingen – an wechselnden Orten in Groß Glienicke statt. 2018 erhielt der Alexander-Verein den Integrationspreis der Landeshauptstadt.

Piano des Komponisten Will Meisel. Quelle: Bernd Gartenschläger

Nächstes bauliches Projekt, das der Verein im Fokus hat, ist die Rekonstruktion des historischen Gartens. Kostenpunkt: 70 000 bis 100 000 Euro. Gäste des Eröffnung konnten übrigens ihr ganz persönliches Stück Alexander-Haus zum Andenken kaufen – allerdings nur ein winziges und zum Schnäppchenpreis von fünf bis zehn Euro. „Das sind Teile der historischen Terrasse, die nicht mehr verwendet werden konnten“, erklärte Vorstandsmitglied Moritz Gröning.

Von Ildiko Röd

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