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Potsdam Das Rätselraten nach dem Schuss
Lokales Potsdam Das Rätselraten nach dem Schuss
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11:39 11.08.2017
Der Angeklagte zum Prozessauftakt am 15. Juni 2017 vor dem Landgericht. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam/Glindow

Nach zwölf Verhandlungstagen vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts wird heute das Urteil im Glindower Kopfschuss-Prozess erwartet. Der Mord an dem Brunnenbauer Joachim L. liegt inzwischen mehr als acht Jahre zurück. Verwertbare Spuren gibt es so gut wie keine. Dafür eine Menge Indizien. Aber wiegen sie so schwer, dass der Angeklagte als Mörder identifiziert und lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt werden kann?

Egal, wie der Urteilsspruch des Schwurgerichts um den vorsitzenden Richter Theodor Horstkötter heute ausfällt – eines ist schon jetzt sicher: Der Fall bleibt rätselhaft und wird wohl nie bis ins letzte Detail aufzuklären sein.

Die Anklage

Hans-Dieter V. (60) ist wegen Betrugs und Mordes angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, am 10. Juni 2009 seinen langjährigen Geschäftspartner Joachim L. auf einer Geschäftsreise in Tschechien zwischen Ostrava und Suchá Rudná mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet und die Leiche in einem Waldstück versteckt zu haben. Motiv: Habgier. Der Angeklagte habe laut Staatsanwaltschaft immer wieder Geldnöte gehabt und soll spielsüchtig gewesen sein. Er soll Joachim L. unter Vortäuschung falscher Tatsachen dazu gebracht haben, ihm mehrere zinslose Darlehen über insgesamt 330 000 Euro zu gewähren. Im Verlaufe des Prozesses kam der Vorwurf der Untreue dazu. In dieser Hinsicht machen ist eine Verurteilung möglich, selbst wenn V. nicht des Mordes überführt wird.

Der Angeklagte

Hans-Dieter V. ist in Potsdam geboren und aufgewachsen. Ende der 70er flieht er nach West-Berlin, wo er fortan lebt. Nach der Wende kehrt V. nach Potsdam zurück. Er lernt eine Glindowerin kennen und gründet mit ihr 1990 einen Werkzeughandel. Die Firma ist auf den Namen der Frau eingetragen, eine weitere Firma folgt. In dieser Zeit lernen sich V. und das spätere Opfer Joachim L. kennen. 1997 brechen beide Unternehmen des Angeklagten zusammen, V. setzt sich mit der Insolvenzmasse nach Polen ab, wo er seine heutige Frau kennenlernt. Auch mit der 20 Jahre jüngeren Kasachin gründet er eine Firma nach bewährtem Muster – das Unternehmen läuft auf ihren Namen, die Geschäfte führt er. Der Angeklagte gründet mit zwei Bekannten eine weitere Firma mit Sitz in Birmingham. Als einer der Gründer stirbt, springt Joachim L. mit Kapital ein. Er hat keinen Einfluss, soll aber am Umsatz beteiligt werden – laut Staatsanwalt „ein Luftgeschäft“. Bekannte beschreiben V. als redegewandt: „Er hat alle besoffen gequatscht. Er kann Menschen beeinflussen, dass sie tun, was er möchte.“ In den 90ern gründet er den Glindower Schützenverein mit. Er ist wegen Betrugs und falscher Versicherung an Eides statt vorbestraft.

Das Opfer

Joachim L. stammt aus Glindow, wo er im Brunnenbaubetrieb des Vaters arbeitete und zeitlebens im Elternhaus wohnte. Familie und Freunde beschreiben ihn als gutgläubig, er habe sich seit der Scheidung zurückgezogen, sei aber stets auf der Suche nach einer neuen Partnerin gewesen. Auch von Alkoholproblemen ist mitunter die Rede, so soll L. Kontakt zu den Anonymen Alkoholikern gesucht haben. Er war seit dem Tod der Eltern und der Erbschaft vermögend, prahlte aber nicht und lebte sparsam. Was er sich gönnte, waren Reisen.

Die gemeinsame Firma

Der Angeklagte und das Opfer gründeten im August 2008 eine Firma in Polen, sie entwickelte keine wirtschaftliche Tätigkeit. Der Angeklagte behauptet, dass Joachim L. damit Geld am Fiskus vorbeischleusen wollte. Tatsächlich lagerte L. rund eine halbe Million Euro auf Firmenkonten ein. Ermittlungen der Finanzbehörde hat es gegen ihn aber nicht gegeben.

Die Geschäftsreise

Am 9. Juni 2009 reisten der Angeklagte und Joachim L. nach Tschechien, um Geschäfte anzubahnen. Sie besuchten am 10. Juni eine Eisenhütte bei Ostrava. Der Termin ist belegt: Sie verließen das Betriebsgelände um 10.45 Uhr, etwa eine Stunde später beglich V. die Rechnung im Hotel „Imperial“. Der Angeklagte behauptet, dass L. ihm dann eröffnete, nicht mit nach Deutschland zurückzufahren, weil er in einer Bar eine Frau kennengelernt habe. Demnach soll sich L. für 14 Uhr mit der Unbekannten am Bahnhof in Ostrava verabredet haben. Er habe ihn dorthin gefahren, sagt V. Man habe gemeinsam einen Imbiss genommen und sich um 13.30 Uhr getrennt. Er sei dann über Breslau zurückgereist, wo er eine Bekannte besucht habe – sie bestätigt seine Ankunft für 16.30 Uhr. Beide Wege – sowohl der über das Waldstück als auch der über die Autobahn – sind laut Staatsanwaltschaft innerhalb des Zeitfensters möglich. Was den Verdacht gegen den Angeklagten schürt: Nur wenige Tage nach L.s Verschwinden löst er alle Firmenkonten auf, überweist das Geld auf das im Minus stehende Firmenkonto seiner Frau und hebt es bis zum 15. Juli in mehreren Beträgen ab. Der Angeklagte sagt, das war mit L. abgesprochen, er habe das Geld für ihn verwahren sollen.

Die Tat

Joachim L. wurde aus nächster Nähe mit einem Genickschuss hingerichtet. Der Täter versteckte die Leiche in einem an der wenig befahrenen Landstraße von Ostrava nach Suchná Rudná gelegenen Waldstück in einer Kuhle und bedeckte sie mit Zweigen. Ein Pilzsammler findet die Leiche am 2. Juli 2009. Der Tote hat keinerlei Papiere bei sich und kann nicht identifiziert werden. Weil die Ermittler bei ihm tschechische Kronen finden, gehen sie davon aus, dass es sich um einen Tschechen handelt. Erst zwei Jahre später wird die in Deutschland erstattete Vermisstenanzeige mit dem Leichenfund in Tschechien in Verbindung gebracht – eine lange Zeit, in der Spuren verblassten oder gar verschwanden. So konnten die Ermittler nicht klären, ob die Leiche zum Fundort transportiert wurde oder ob der Fundort auch der Tatort ist. Als sicher gilt, dass Joachim L. zum Todeszeitpunkt stark alkoholisiert war: Die Gerichtsmediziner gehen von 2,5 bis 3,5 Promille aus. Joachim L. wurde 55 Jahre alt.

Von Nadine Fabian

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