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Potsdam Das Theater kommt zu den Menschen – direkt auf die „Brandenburger“
Lokales Potsdam Das Theater kommt zu den Menschen – direkt auf die „Brandenburger“
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22:08 10.08.2019
Das HOT präsentierte Szenen aus dem Spielplan der kommenden Saison. „Die Nashörner“ mit Jan Hallmann. Quelle: Varvara Smirnova
Innenstadt

Preisfrage: Warum sitzt Brandenburgs ehemaliger Kulturminister Hinrich Enderlein (FDP) an einem Samstagmittag auf einem Plastikstuhl an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße/Brandenburger Straße und schaut gebannt auf das Schaufenster vom „Internationalen Buch“, wo ein Herr im Anzug eine Rede vom Stapel lässt, die alle Politiker-Klischees erfüllt? Und weshalb turnt in einem Laden, der wohlgemerkt keine Zoohandlung ist, sondern der Intersport-Shop, ein großer grüner Frosch herum?

Und weshalb sitzen im Karstadt hinter der Glasscheibe plötzlich zwei „Cabaret“-Mimen mit Bubikopf und viel Blingbling vor einem Schminktischchen? Antwort: Weil das Hans-Otto-Theater einmal im Jahr ganz nah dran ist an den Menschen; an den Wochenendeshoppern und den Flaneuren auf der Brandenburger Straße. Unter dem Motto „Schauspielfenster. Eine Entdeckungsreise in die Welt des Theaters“ macht sich die Belegschaft aus dem Haus am Tiefen See auf, dem potenziellen Publikum das Programm der neuen Spielzeit nahe zu bringen. Und zwar nicht theoretisch, sondern ganz praktisch in Form von „Appetithäppchen“ aus den neuen Produktionen – was sichtlich Anklang fand.

„Der Diener zweier Herren“ mit Katja Zinsmeister, Guido Lambrecht und Andreas Spaniol. Quelle: Varvara Smirnova

„Eine wunderbare Idee“, sagte Enderlein, nachdem Jon-Kaare Koppe – der Schauspieler im „Internationalen Buch“-Schaufenster – seinen Loriot’schen Politikermonolog als Teil von „Die Stützen der Gesellschaft“ geendet hatte. Der ehemalige Minister gehört seit vielen Jahren dem Förderverein des Hans-Otto-Theaters an. Nur eines der kommenden Highlights: Die Aufführung von „Das achte Leben“ der georgischen Autorin Nino Haratischwili, einer Familiensaga, die das ganze vergangene Jahrhundert umspannt und in deren Mittelpunkt acht Frauenschicksale stehen.

„Ich bin gespannt, wie man es schafft, das in einem Theaterstück darzustellen“, sagte Enderlein, dessen Wege sich an diesem Sonnabend sicher auch mit jenen von Dieter Wiedemann, dem ehemaligen Filmhochschul-Rektor und jetzigen Vorsitzenden des Theaterfördervereins gekreuzt haben dürften. Dass der Filmklassiker „Harold und Maude“ nun mit Rita Feldmeier und David Hörning als Stück auf die Bühne des Hans-Otto-Theaters kommen wird, ist für Wiedemann nur eine von mehreren Attraktionen dieses Spielplans. Zum Beispiel empfehlenswert: „Wir sind auch nur ein Volk“, basierend auf Drehbüchern von Jurek Becker, mit Franziska Melzer und Jörg Dathe. Auf der Brandenburger Straße gaben die beiden eine auch optisch eindrucksvolle Gesangsdarbietung – Leggings mit Leo-Muster und Punker-Perücke ließen die 80er-Jahre eindrucksvoll Wiederauferstehung feiern.

„Die Mitwisser“ mit Arne Lenk und Henning Strübbe. Quelle: Varvara Smirnova

Vorbei an der „Katze auf dem heißen Blechdach“ (mit Nadine Nollau) bei Augenoptik Schauss; ein Stopp an der SchuhBaar, wo René Schwittay Lust auf „Nationalstraße“ machte; Zugucken bei „Die Mitwisser“, wo Arne Lenk und Henning Strübbe die Digitalisierung der Gesellschaft aufs Korn nahmen – direkt auf der Straße spielend, genauso wie ihre Kollegen Laura Maria Hänsel und Hannes Schumacher in „Der Vorname“. Henning Strübbe war schon im Vorjahr bei der „Bespielung“ der Brandenburger dabei – und ist begeistert: „Was mir daran gefällt, ist, dass wir hier zu den Leuten kommen – sonst ist es ja immer andersrum.“

Einmal im Jahr kommen die Menschen nicht ins Theater, sondern das Theater kommt zu den Menschen – konkret: auf die Brandenburger Straße, wo „Appetithäppchen“ aus dem neuen Spielplan teilweise auch in Ladenschaufenstern präsentiert wurden.

Für Intendantin Bettina Jahnke ist das „Schauspielfenster“ – eine Aktion, die sie schon während ihrer vorherigen Intendanz in Neuss ersonnen und nun quasi „importiert“ hat – auch eine tolle Gemeinschaftsaktion des Theaters. Schließlich waren nicht nur die Schauspieler vor Ort an der Brandenburger Straße. „Auch die Kollegen, die sonst in den Büros sitzen, sind heute hier und haben Publikumskontakt.“ An einem Info-Stand vor der Königin-Luise-Apotheke tauschte sich Jahnke mit den potenziellen Theatergängern aus. Auch darüber, worum es in der neuen Spielzeit gehen soll: „Die Frage ist: Was ist eine offene Gesellschaft – ohne Grenzen.“

Das HOT präsentierte Szenen aus dem Spielplan der kommenden Saison. Im Hintergrund Bettina Jahnke (mit Sonnenbrille). Quelle: Varvara Smirnova

Von Ildiko Röd

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