Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Das bieten Potsdams Weihnachtsmärkte als Alternative zu Plastik
Lokales Potsdam Das bieten Potsdams Weihnachtsmärkte als Alternative zu Plastik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:04 08.12.2019
Nicht alle Stände sind so bewusst unterwegs wie dieser hier auf der Brandenburger Straße. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Glühwein, Bratwurst und Grünkohl: Wie geben die Stände auf Potsdams Weihnachtsmärkten ihre Produkte aus? In Plastik, Styropor, Pappe oder gar in Keramik? Die MAZ hat auf fünf Märkten den Test gemacht. Und Hoffnungsvolles herausgefunden.

Am Abend beginnen, die Mülleimer auf allen Nähten zu platzen. Wie hier in der Brandenburger Straße. Quelle: Varvara Smirnova

Blauer Lichterglanz: Wenn Pfand fällig wird, wollen Kunden lieber Wegwerfbecher

Auf dem Markt in der Brandenburger Straße und auf dem Luisenplatz geben die Stände ihre Speisen und Getränke in sehr ähnlichem Verhältnis aus: Plastik, Styropor und Papier sind gleichermaßen vertreten. Für viele soll es das letzte Jahr mit Styropor-Bechern sein. Das kündigt auch Veranstalter Eberhard Heieck an. 2020 könnte es ein einheitliches Pfandsystem geben.

Die meisten Glühwein-Verkäufer haben sich schon jetzt gegen Styropor entschieden. Einige geben ihren Wein in Gläsern oder in Keramiktassen aus – Styroporbecher gibt es nur auf Anfrage. So etwa am Winzer-Glühwein-Stand am Brandenburger Tor, im Kaminstübchen, in der Punsch-Hütte und beim Stand Glühwein Rot-Weiß. Ein Verkäufer berichtet: „Sobald die Leute zwei Euro Pfand zahlen sollen, wollen sie lieber den Styropor-Becher. Obwohl der nur Notlösung sein soll.“

Bei den Speiseständen ist wiederverwendbares Material deutlich seltener. Wenn es sich nicht gerade um eine Bratwurst im Brötchen handelt, werden Grünkohl und Co. auf Plastik oder mit Plastik beschichteter Pappe ausgegeben. Marcel Sperlich, der gemeinsam mit seinem Bruder drei Stände mit dem Namen „Langos – Ungarische Spezialitäten“ in der Brandenburger Straße betreibt, sagt: „Der Umwelt zuliebe haben wir uns ab diesem Jahr dazu entschieden unsere Speisen ausschließlich auf biologisch abbaubaren Papptellern zu servieren.“

Die Müll-Situation ist größtenteils entspannt. Jeder Stand hat eine eigene große Tonne. Es gibt 30 Extra-Mülltonnen der Step und vier Sammelcontainer auf dem Bassinplatz. Einzig die Mülleimer der Stadtwerke, die fest in der Einkaufsstraße stehen, quellen schon am Samstagnachmittag über.

Das sagt der Veranstalter: „Die Müllvermeidung ist auch für uns ein wichtiges Thema. Schon jetzt sind alle Händler angehalten, die Wegwerfbecher nach und nach abzuschaffen, wir wollen im kommenden Jahr dann ganz ohne auskommen. Ich muss da aber auch an die Gäste appellieren, denn viele wollen lieber einen Styroporbecher statt einer Tasse, weil sie das Zurückbringen schreckt. Dabei haben wir natürlich Markttassen, die überall abgegeben werden können.“ Eberhard Heieck

Er hat vier Sammelcontainer auf dem Bassinplatz für den Müll der Händler, zusätzlich zu den normalen Mülleimern hat jeder gastronomische Stand einen Entsorgungsort und es gibt 30 Extra-Tonnen der Step, die täglich geleert werden.

Positiv:Viel Glühwein in Keramikbecher oder im Glas

Negativ: Noch immer viel Plastikbesteck und -teller oder mit Plastik beschichtete Pappteller

Auf dem Sinterklaas-Weihnachtsmarkt im holländischen Viertel haben die meisten Stände keine Option zum Spülen, deswegen gibt es hier viele Einwegbecher. Quelle: Varvara Smirnova

Sinterklaas-Fest: Kein Wasser zum Abspülen

Auf dem Weihnachtsmarkt im Holländischen Viertel können einige Glühweinstände nicht abspülen, weil sie dafür keinen Wasseranschluss haben. Deswegen gibt es dort viele Einwegbecher aus Plastik, Styropor oder Pappe. Der diesjährige MAZ-Glühweintest-Sieger „Glögglich“ hat zwei Stände auf dem Sinterklaas-Weihnachtsmarkt. Er nutzt kompostierbare Pappbecher.

Beim Glühweinstand des Café Collage gibt es hingegen Styropor-Becher. „Das gefällt mir gar nicht“, sagt Café-Inhaber Gunnar Lingrün, „aber das Café wird gerade saniert und wir haben deswegen keine Möglichkeiten, die Keramiktassen zu spülen.“ Er fände ein einheitliches Pfandsystem für den Weihnachtsmarkt super. Die Speisen werden in Pappschalen, Plastikschalen und Papptellern ausgegeben.

Am Stand „Hüttenzauber“ werden Bratwurst im Brötchen und Grünkohl in stabilen Mehrweg-Plastikschalen gereicht, auf die die Kunden Pfand zahlen.

Am Crêpe-Stand bekommen die Kunden Crêpes mit flüssiger Füllung in einer stabileren Palmblatt-Schale, die anderen auf recycelten Papptellern. „Aber selbst wenn der ganze Weihnachtsmarkt nun Bio-Geschirr benutzen würde“, sagt Crêpe-Verkäuferin Mia Fuchs über das Müll-Problem auf den Märkten, „es ist ja immer noch nicht geregelt, wie das alles entsorgt wird. Diese Bio-Produkte verrotten zum Beispiel sehr schlecht.“

Insgesamt ist der Markt sehr sauber. Die Stadtwerke haben große Müllcontainer aufgestellt.

Das sagt der Veranstalter: „Wir haben an die Händler die Maßgabe ausgegeben, dass sie bitte Becher und Schalen nutzen sollen, die im Biomüll entsorgbar sind – allerdings musste das in diesem Jahr noch sehr kurzfristig organisiert werden, deshalb ist noch nicht alles lupenrein.

Gleichzeitig haben wir als Verein auch selbst noch Restbestände an Styroporbechern. Diese ungenutzt wegzuwerfen wäre wirtschaftlich auch wieder Humbug, deshalb werden die aufgebraucht und anschließend nutzen wir Bio-Pappbecher. Eine Lösung mit Tassen ist leider für uns nicht zu finanzieren. Wir sind damit nicht zu 100 Prozent zufrieden, aber wir arbeiten eben dran.“ Hans Göbel, Vorsitzender des Niederländischen Kulturvereins

Positiv: Speisen auf Pappe und Papier

Negativ: Glühwein in Plastikbechern

Ein überquellender Mülleimer am Böhmischen Weihnachtsmarkt. Quelle: Johanna Apel

Böhmische Weihnacht: Ab 2020 ohne Wegwerftassen

Wer sich dem Babelsberger Weihnachtsmarkt nähert, sieht es schon: Es gibt mehr Müll als Mülleimer. In Nebenstraßen liegen Becher, die Abfalltonnen auf dem Markt sind vollgestopft. Rund die Hälfte der Glühweinanbieter versorgt die Kunden mit Styropor-Bechern. „Die Abwaschkapazitäten sind noch nicht gegeben“, erklärt Franziska Pabel von „Winzer-Glühwein“. Im nächsten Jahr wolle man auf umweltfreundlichere Becher umsteigen. Andere Stände bieten Keramikbecher an – etwa „Naseweiß“.

Die Essensstände hingegen verwenden nur selten Plastik. An vielen Buden gibt es Pappteller oder Holzgabeln. „Damit kein Plastikmüll in der Umwelt landet“, so Michaela Klusmann vom Crêpe-Stand „Running Kitchen“. Auch bieten einige Essensstände Teller aus Palmblatt an. Christian Funk von der „Pfannhütte“ hat sich für diese Alternative entschieden. Allerdings gibt es noch Plastikgabeln – Besteck aus Holz sei teurer und hinterlasse einen schlechten Geschmack.

Das sagt der Veranstalter: „Auch hier arbeiten fast alle Stände mit Tassen, Styropor wird nach und nach abgeschafft. Im nächsten Jahr wollen wir ohne Wegwerfbecher auskommen. Schon jetzt halte ich Händler an, diese abzuschaffen.“ Eberhard Heieck

Insgesamt ist der Weihnachtsmarkt zwar sauber – hat aber drumherum ein Müllproblem und zu wenig Eimer.

Positiv: Fast alle Essensstände bieten Plastik-Alternativen an.

Negativ:Viele Glühweinstände setzen weiterhin auf Styropor.

Isabell Meißner bietet auf dem Alexandrowka-Markt Einweg-Pappbecher für den Glühwein. Quelle: Johanna Apel

Russischer Weihnachtsmarkt: Pappteller und Holzbesteck

Der kleine Weihnachtsmarkt in der russischen Kolonie ist ausgesprochen sauber. Kein Müll liegt herum und auch die Mülleimer sind nicht überfüllt. Keiner der Stände verwendet Plastik. Speisen werden auf Papptellern- und schüsseln gereicht, dazu gibt es nur Holzbesteck.

Glühwein wird in Pappbechern ausgeschenkt. Für Isabell Meißner vom Alexandrowka-Stand ist klar: „Es existiert zu viel Plastik in der Welt.“ Deshalb schenke man in Pappbechern aus. Was ihr zudem auffalle: „Viele Leute bringen ihre eigenen Becher mit.“ Allerdings verwenden die Stände auch keine Mehrwegbecher.

Auch die Speisen sehen kein Plastik. Shamiu Chabibov serviert seine Mahlzeiten am „Café à la Russe“-Stand in Papp-Schüsseln und mit Holzbesteck. „Die Veranstalter haben uns darum gebeten und wir haben mitgemacht“, erklärt er.

Auch die Besucher des Weihnachtsmarkts legen Wert auf Plastikalternativen. Evelyn Storch: „Es ist mir sehr wichtig, dass kein Plastik verwendet wird. Plastik gehört generell weg und irgendwo muss man ja anfangen.“ Das sieht auch die Veranstalterin Verena Mahn so: „Wir legen unser Augenmerk sehr auf Umweltschutz“. Man habe die gastronomischen Partner angehalten, entsprechend umweltfreundlich zu servieren.

Insgesamt also ein sehr sauberer Weihnachtsmarkt mit vielen Plastikalternativen.

Das sagt der Veranstalter: „Wir legen unser Augenmerk sehr auf den Umweltschutz, zum einen ist es uns persönlich sehr wichtig, zum anderen sind wir hier im Garten und mitten im Weltkulturerbe, Unsere gastronomischen Partner wissen das auch, wir können sie aber nur begrenzt kontrollieren. Da wir jetzt am Wochenende erstmals mit zwei neuen Caterern arbeiten, wissen wir noch nicht genau, inwiefern der Plastikmüll vermieden wird. Wir haben keine entsprechende Spülanlage, um Tassen schnell ausreichend zu reinigen, aber unsere Gäste nutzen Pappbecher oft auch mehrfach, manche haben auch eigene Tassen oder Thermobecher dabei.“ Verena Mahn, Museumsgarten in der Alexandrowka

Positiv:Kein Plastik

Negativ: Keine Mehrwegbecher

Beim Berliner Caterer Thomas Jänichen auf dem Krongut-Markt gibt es ausschließlich Keramik-Teller und Metall-Besteck. Quelle: Varvara Smirnova

Romantisches Weihnachtsdorf: Essen auf Keramiktellern

Der kleine Weihnachtsmarkt auf dem Krongut Bornstedt hat zwei Glühweinstände und drei Stände, an denen die Gäste Speisen kaufen können. Getränke gibt es ausschließlich in Keramik-Tassen. „Nur Kinder bekommen die heiße Schokolade in Plastik-Bechern“, sagt ein Verkäufer.

Auch an einem Kuchenstand bekommen die Besucher Heißgetränke, Kaffee und Kakao – allerdings in Pappbechern. Die Waffeln und den Kuchen serviert die Verkäufern auf mit Plastik beschichteten Papptellern. Das Besteck ist aus Metall und wird von den Gästen nach Benutzung in einen Eimer geworfen.

Die Bratwurst gibt der Berliner Caterer Thomas Jänichen im Brötchen mit einer Serviette aus. Wenn es aber um Ente mit Klößen und Rotkohl sowie Grünkohl mit Kassler oder Knackern, Forelle mit Brot sowie Spätzle mit Wildgulasch, wird auch das Geschirr hochwertig.

„Wir servieren ganz bewusst aus Liebe zur Umwelt auf Keramiktellern und mit Metallbesteck“, sagt er, „nur wenn die Menschen das Essen mitnehmen möchten, gebe ich es in Styropor raus, aber das ist sehr selten.“ Neben dem Stand stehen drei rote Fleischerkisten bereit, in denen die Gäste das benutzte Geschirr und Besteck loswerden können.

Insgesamt macht der Markt auf dem Krongut einen sehr sauberen Eindruck.

Das sagt der Veranstalter: „Wir haben ja durch unser Brauhaus die gastronomische Infrastruktur vor Ort, deshalb können wir alles spülen. Bei uns gibt es deshalb ausschließlich wiederverwendbare Tassen, auch beim Besteck für die leckeren Speisen im romantischen Weihnachtsdorf können wir auf ganz normale Messer und Gabeln zurückgreifen.“

Positiv: Sehr wenig Plastik-Geschirr und -becher

Negativ:Plastikbecher für Kinder bei Kakao

Lesen Sie dazu auch:

Von Johanna Apel und Annika Jensen

Sharon Kam und das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt spielten im Potsdamer Nikolaisaal unter Gregor Bühl. Das mit „Landschaften der Seele“ übertitelte Konzert bot eine Achterbahn der Gefühle. Das war weniger dem guten Orchester geschuldet als dem etwas starren Dirigat.

08.12.2019

Die Nuthestraße stadteinwärts wird ab Montag zur Staufalle in Potsdam. Stop-and-Go gilt weiterhin auf der Friedrich-Engels-Straße zwischen Potsdam und Babelsberg wegen Baustellen.

08.12.2019

An vier weiteren Stellen in Potsdam wird an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die Stolpersteine zeigen, wo sechs Potsdamer lebten, ehe sie deportiert wurden. Schüler schrieben ihre Geschichten auf.

08.12.2019