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Potsdam Das sagt ein Bildungsexperte zum Youtube-Lernen
Lokales Potsdam Das sagt ein Bildungsexperte zum Youtube-Lernen
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21:17 05.02.2020
Es gibt nichts, was man hier nicht lernen kann. Der Bildungsforscher sieht darin Vor- und Nachteile. Quelle: www.imago-images.de
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Potsdam

Der Bildungsforscher Joachim Ludwig ist Professor für Medienpädagogik an der Universität Potsdam. Er erklärt das Für und Wider von Youtube als Bildungsplattform.

Etwa die Hälfte der Schüler nutzen YouTube als Instrument zur Nachhilfe. Ist das zu begrüßen?

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Zu begrüßen wäre eine Schulsituation die Nachhilfe überflüssig macht. Schulen, die in der Lage sind, die Schüler bei ihrem Lernen individuell zu unterstützen. Meines Erachtens lässt sich YouTube als Portal insgesamt für seine Lehr- und Vermittlungsfunktion nicht bewerten. Bewerten lassen sich nur einzelne Videos. Da wären insbesondere zwei Aspekte zu prüfen. Erstens, ob das Video inhaltlich gut strukturiert und anschaulich ist. Zweitens hängt es von der Passung ab. Ein Video ist immer dann gut, wenn es zum jeweiligen Lerninteresse der Schüler passt. Das ist aber nicht selbstverständlich, denn die Videos werden nicht auf eine individuelle Frage eines Lernenden hin produziert. Sie repräsentieren vielmehr fachliche Vorstellungen der Video-Autoren. Individuelle Lernhürden zu beheben ist nicht einfach. Das erfordert Professionalität. Allgemein gilt, ob nun YouTube-Video oder Schulunterricht: Selbst wenn Sie sehr klar und anschaulich erklären, erreichen Sie nie alle Schüler, sondern nur die, die zu Ihrem Lehrangebot passen. Die wirklich sehr guten Lehrer wissen das und können denjenigen Schülern helfen, die bestimmte Aspekte im Unterricht nicht verstanden haben. Sie gehen als Lernbegleiter spezifisch auf diese Schüler und die schwierigen Aspekte ein.

Der Diplom-Pädagoge Joachim Ludwig ist Professor für Erwachsenenbildung/Weiterbildung und Medienpädagogik an der Universität Potsdam. Quelle: Andreas Winter

Wie könnten Schüler am ehesten Video-Inhalte finden, die zu ihrer individuellen Lernschwierigkeit passen?

Es gibt schon so etwas wie Suchkompetenz und Strategien im Netz, die sich mit der Zeit entwickeln. Aber einen generellen Trick für das Auffinden des besten passenden Lehrvideos könnte ich jetzt nicht nennen. Allgemein gilt, dass die Suche umso erfolgreicher ist je kompetenter Suchende sind. Bei der Nachhilfe kommt es darauf an, welchen Aspekt der Schüler bei der Lernaufgabe nicht verstanden hat. Der Schüler oder die Schülerin braucht eigentlich ein Video, das dem aktuellen Problem und der jeweiligen Fragestellung genau entspricht. Ich hatte zum Beispiel früher beim Kraulschwimmen das Problem, dass ich immer Wasser geschluckt habe. Ich habe dann bei YouTube über das Stichwort „Kraultechnik“ gesucht.

Und schon fanden Sie die Lösung?

Nein, ich habe erst nach einer längeren Suche - in einer Vielzahl von Kraul-Videos – dann allerdings ein wirklich passendes Video gefunden, das mir gezeigt hat, wo mein Fehler liegt und wie er zu vermeiden ist. Mir wurde klar, dass ich keine Luftblase vor dem Kopf aufgebaut habe. Aber um diese Lösung zu finden, musste ich sicher zwanzig oder dreißig Videos prüfen, bis ich zu diesem einen spezifischen Video kam, das meiner Lernfrage entsprochen hat.

Ich höre aus alledem heraus: Wäre der Schüler ein genialer und reflektierter Sucher, würde er bestimmt das passende YouTube-Video finden, das ihm wirklich weiterhilft.

Der hohe Suchaufwand kann auch Vorteile bringen. Auf diese Weise findet eine Beschäftigung mit dem Thema statt. Ein YouTube-Video kann den Vorteil haben, dass das Thema nochmals aus einer anderen Perspektive angegangen wird als im Schulunterricht. Das ist viel wert. Wenn die Erklärung des Lehrers nicht so gut passt, passt vielleicht eine andere Erklärungsperspektive, wie sie im YouTube-Video gezeigt wird.

Damit bringt das Anschauen von YouTube-Lehrvideos unterm Strich also meist doch mehr Nutzen als Schaden, oder?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es ist ein Aufwand, wirklich passende Videos zu finden. Und es ist nicht gesagt, dass es das auf „mein“ Problem passende Video auch tatsächlich gibt. Hier haben Lehrende, die den einzelnen Schüler verstehen können ihre großen Stärken als Lernbegleiter.

Gibt es auch Situationen, in denen YouTube auf jeden Fall schadet?

Problematisch kann es werden, wenn ein Lehrer verlangt, dass seine Schüler genauso denken und vorgehen wie er selbst. Wenn Lehrer zum Beispiel abweichende Rechenwege oder Textinterpretationen ablehnen. Videos, die vom Lehrer abweichende Wege präsentieren, könnten dem Schüler für den jeweiligen Unterricht mehr schaden als nutzen. Ich gehe aber davon aus, dass das sehr selten der Fall ist, weil die meisten Lehrer doch professionell und offen sind.

Von Rüdiger Braun

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