Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Das Team International
Lokales Potsdam Das Team International
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:27 12.12.2019
Ithar Daghestani (l.) und Najdat Rostom aus Syrien packen an – und dolmetschen ab und zu auch.
Potsdam

Khleb – Brot. Das bekommen die meisten Helfer bei der Tafel Potsdam noch hin, auch wenn der Russisch-Unterricht Jahrzehnte zurückliegt. Khleb, Maslo, Moloko – Brot, Butter, Milch. Geht’s aber um Behördenangelegenheiten, au weia. Dann hilft selbst das dickste Wörterbuch nicht weiter. Wie gut, dass es Elena Bryksin (51) gibt. Russisch ist ihre Muttersprache. In der Tafel-Sprechstunde betreut sie Kunden, von denen viele zwar Deutsch verstehen und auch sprechen können, die aber Formulare schneller und sicherer auf Russisch bewältigen.

Viele Tafel-Kunden sind Spätaussiedler

Wie viele dieser Kunden ist auch Elena Bryksin Spätaussiedlerin. Sie ist in Kasachstan aufgewachsen, in Almaty, das damals noch Alma-Ata hieß. Die deutsche Sprache ist Elena Bryksin seit frühster Kindheit vertraut. „Meine Oma hat fast gar kein Russisch gesprochen“, erzählt sie: Die Sprache der Oma war Platt. Elena Bryksin lacht. „Ich habe mich als Kind immer gefragt: Was ist das denn für ein Deutsch?“ Das Deutsch, an dem das Mädchen den Schnack der Großmutter misst, ist das Deutsch, das es in der Schule lernt. Als Mädchen versteht Elena Bryksin zwar auch Kasachisch – wovon sie heute alles vergessen habe. Mit den Freunden auf dem Schulhof, beim Spielen und Sport spricht sie aber Russisch, das in der Zeit der Sowjetunion zur Weltsprache aufgeht. „Wir waren 16 Nationen in meiner Klasse“, sagt Elena Bryksin. „Wir waren gut miteinander und haben keine großen Unterschiede gemacht.“ Das vermisse sie heute manchmal. Die Dinge seien komplizierter geworden.

Elena Bryksin betreut bei der Tafel die russischsprachigen Kunden. Quelle: Varvara Smirnova

1995 haben Elena Bryksin und ihre Familie Kasachstan verlassen. Ein paar Jahre erst war sie verheiratet, der Sohn und die Tochter waren noch klein, das dritte Kind kam in Deutschland zur Welt. Doch im Land ihrer Vorfahren geht für Elena Bryksin nicht alles so glatt wie sie es sich erhofft. In ihrem Beruf als Erzieherin kann sie nicht Fuß fassen: „Man hat mir gesagt, dass mein Deutsch nicht gut genug ist – dass die Kinder das übernehmen würden.“ Die Tafel wurde auch für Elena Bryksin und ihre Familie ein wichtiger Anlaufpunkt. „Da war ich noch mit dem Kinderwagen unterwegs“, sagt sie – heute sind ihre Kinder 29, 27 und 20 Jahre alt, die auch zwei Enkel sind schon da.

Manchmal genießen es die Leute auch einfach, ein bisschen zu plaudern

„Die Tafel ist eine Hilfe – ohne sie wäre uns vieles schwerer gefallen“, sagt Elena Bryksin. Seit zweieinhalb Jahren nun verstärkt sie selbst das Team. „Die Kunden kennen mich, sie wissen, wo ich sitze und dass sie zu mir kommen können.“ Sie hilft denen, die sich neu bei der Tafel anmelden, und denen, die ihre Berechtigungskarte verlängern. Manchmal, sagt sie, genießen es die Leute auch einfach, ein bisschen zu plaudern.

Anpacken – und nebenbei die Deutschkenntnisse verbessern

Reden, reden, reden: Nur so kann’s etwas werden mit der fremden Sprache, meint Ithar Daghestani (19). Der junge Syrer lebt mit seinen Eltern und den beiden kleinen Schwestern seit zwei Jahren in Potsdam. Er nimmt an „Start with a friend“ teil, spielt Basketball beim SC Potsdam und bastelt an der Heinrich-von-Kleist-Schule gerade am Schulabschluss. Einmal in der Woche darf er sich den Vormittag vom Unterricht frei nehmen, um bei der Tafel zu helfen. „Das ist für mein Deutsch“, sagt Ithar Daghestani. Außerdem helfe er gern. Die Tafel kennt er, weil seine Mutter dort Lebensmittel abholt. Also habe er gefragt, ob er sich nützlich machen könne: „Ich mache hier alles!“ Beim Transporter entladen, Kisten schleppen, Waren sortieren hat er oft Najdat Rostom an der Seite. Der ist zwar mehr als doppelt so alt, doch die zwei verstehen sich gut. „Kurdisch, Arabisch, Russisch, Englisch, Eeutsch“, zählt der Mann aus Nordsyrien die Sprachen auf, die ihn bis hierher begleitet haben: „Wenn’s nötig ist, springen wir auch als Dolmetscher ein.“

Elena Bryksin, Ithar Daghestani, Najdat Rostom: Die Tafel ist für sie nicht nur ein Ort der Hilfe, die Tafel ist auch ein Ort der Begegnung. Mal rauskommen, Leute kennenlernen, gebraucht werden: „Das ist gut für uns.“

Die 5000-Euro-Marke ist geknackt – weiter geht’s!

Die MAZ sammelt für die Tafel Potsdam, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt. Mit Ihren Spenden, liebe Leserinnen und Leser, helfen wir beim Kauf eines Kühlwagens.

Der aktuelle Sterntaler-Spendenstand beträgt 5765 Euro. Schaffen wir es, bis zum 24 .Dezember die 10 000 Euro voll zu machen? Bitte helfen Sie!

Das Spendenkonto:

Tafel Potsdam e.V.

Mittelbrandenburgisch Sparkasse Potsdam

IBAN: DE93 1605 0000 3502 0266 44

BIC: WELADED1PMB

Verwendungszweck: MAZ-Sterntaler

Unser großes Dankeschön geht heute an diese Spender: Petra Dressler 15 Euro, Inge und Volkmar Goetsche 20 Euro, Kerstin Varga-Wieczorek 20, Astrid Thom 50 Euro, Christina Hrdina 50, Eva Hahmann 50 Euro,Hartmut Schimanke 100 Euro, Horst Petrak 25 Euro, Carola Peltzer 25 Euro, Elke Reichert 25 Euro, Waltraud Ihle 50 Euro, Christa Griese 50 Euro, Jürgen Saupe 75 Euro, Winfried und Petra Schmidt 100 Euro, Fred Liebchen 200 Euro, Anita Schmidt 100 und Anneliese Krüger 100 Euro.

Von Nadine Fabian

Potsdam hat ambitionierte Ziele für 2050. Dann will die Landeshauptstadt ihre CO2-Emissionen dramatisch reduziert haben. Ein erster Schritt wurde am Mittwoch gemacht – in Drewitz ging eine Solarthermie-Anlage in Betrieb.

11.12.2019
Potsdam Brandschutz für das Kreativhaus Kosten für Nutzung des Rechenzentrums steigen

Das Kreativhaus Rechenzentrum benötigt für die Zwischennutzung zusätzliche 300.000 Euro für Brandschutzmaßnahmen. Außerdem wurde bekannt, wie viele Millionen Euro für den Abriss und anschließende Neugestaltung des Platzes nötig wäre.

11.12.2019
Potsdam Potsdam: Gastbeitrag von Musiker Christian Näthe „Wie soll ich mir das Leben in dieser, meiner Stadt finanzieren?“

Christian Näthe liebt seine Heimatstadt – und verzweifelt an ihr. In seinem Lied „Kleines sauberes Städtchen“ singt der Schauspieler und Musiker über den Wandel, der ihn schmerzt und rührte damit in den sozialen Netzwerken viele Potsdamer. In einem Gastbeitrag für die MAZ hat er darüber geschrieben.

11.12.2019