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Potsdam So war das Ritterfest im Volkspark Potsdam
Lokales Potsdam So war das Ritterfest im Volkspark Potsdam
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20:59 10.06.2019
Im Lager der Mittelaltergruppen probiert Franz (4) aus, ob ihm so eine Rüstung auch passt. Quelle: Varvara smirnova
Bornstedter Feld

Klonk, klirr, klonk, klirr – es scheppert mächtig, wenn die Schwerter von der Länge eines Männerbeins gegeneinander oder gegen die glänzenden Rüstungen krachen. Im Hintergrund quäken Schalmei und Dudelsack zum Takt von Tamburin oder Schellentrommel. Unter einer weißen Zeltplane hämmert ein Schmied am eisernen Halter für ein Trinkhorn.

Im Volkspark Potsdam duellieren sich die Ritter, bieten Händler Töpferwaren und Gewänder an und gibt es viel für die Kinder. Hier Impressionen vom Fest.

Das Mittelalter war über Pfingsten wieder zu Gast im Volkspark. Im großen Wiesenpark waren Stände, Bühnen und Zeltlager aufgebaut – Attraktionen satt, vor allem für Kinder, die mal Kettenhemden überstreifen oder mit einer Armbrust schießen konnten. „Zu unserem 25-jährigen Bestehen haben wir uns extra Gäste eingeladen“, berichtet Dietmar Frick, Musiker und Mit-Veranstalter von Cocolorus Diaboli.

Idee zum Ritterfest ist 25 Jahre alt

Die Idee zum Ritterfest sei 1994 zur 1000-Jahr-Feier von Mecklenburg entstanden. Bis dahin war Frick mit seinen Brüdern und Freunden vor allem als Folklore-Band als kulturelle Botschafter ihrer Heimatregion unterwegs. Die Familie ist musikalisch, die Brüder sind begnadete Geiger: Einer hat schon den Folk-Förderpreis gewonnen, der andere spielt in der Rostocker Philharmonie. Fricks Sohn Andreas hat inzwischen die musikalische Leitung der Band Cocolorus übernommen: „Da steckt jetzt mehr Rock drin.“

Der Mittelalter-Rock-Sound dröhnte von der Bühne im früheren Buga-Park. Die musste aufs Sonnensegel verzichten – der Sturm von Freitag bis Samstagabend war zu stark. Er hatte einige Zelte beschädigt, bei denen Stangen gebrochen und Bahnen gerissen waren.

Hünen in Eisenrüstungen sind nur einer der vielen Programmhöhepunkte. Auf dem weitläufigen Gelände sind Bühnen aufgebaut, auf denen mal historische Folklore, mal punkiger Mittelalterrock, mal elfenhafte Klang zu bezaubernden Tanzensembles erklingt.

Gaukler jonglieren, Stelzenläufer schritten umher und zu bestimmten Zeiten zeigten Katapulte ihre Funktionsweise. Dazwischen Zelte und Marktstände, wie man sie sonst nur aus Historienfilmen kennt. Die einen boten Gewänder, die anderen Schnitzwaren, wieder andere Met und Trinkhörner. Ein großes hölzernes Wasserrad triebt die Schmiedehämmer einer Glückstalerschmiede an. Zu Gast waren auch die Monster-Ritter „Ruprecht“ mit dem feuerspuckenden Drachen Birgon und die kampferprobten Haudegen der Schaukampfgruppe Rabenbanner.

10.000 Besucher an allen drei Tagen

Die Besucher ließen sich weder von Wind noch von Hitze abhalten – 10.000 kamen an allen Tagen. Viele waren historisch gekleidet. „Das ist einfach unser Hobby“, sagt Hagen Rathke aus Falkensee, der als Ritter mit Ehefrau Lydia nach Potsdam gekommen ist – wegen der Temperaturen nur „mit leichter Platte“, sagte er: „2013 hab ich meine erste Axt vom ersten selbst verdienten Geld gekauft.“ Inzwischen tritt er als eleganter schwarz-weißer Ritter auf.

Im Zeltlager hatten sich verschiedene Gruppen niedergelassen. Bei den einen wurde Handwerk wie Schmieden und Schnitzen gezeigt, bei anderen konnten Besucher mal Rüstungsteile anprobieren oder Waffen heben – wegen des Eisengewichts meist unter ächzender Überraschung. Doch es geht nicht nur um die Show. „Wir spielen hier nicht das Mittelalter nach. Wir leben es“, sagte Uwe Pilz, der mit Ehefrau Sabine den Marktstand „Gewandung“ aufgebaut hatte. „Es ist Entspannung, mal nur mit den wichtigsten Dingen zu leben“, sagte der augenscheinliche Schneider, der im wahren Leben Softwareentwickler ist.

Pavel Schestak ist einer der Ritter in der Drachenshow beim Ritterfest im Volkspark Potsdam 2019. Quelle: Alexander Engels

Ritter-Interview: „Wie in einem Ofen“

Pavel Schestak ist ein Ritter vom tschechischen Schaukampftheater Ruprecht. Im Volkspark Potsdam kämpft er gegen den feuerspuckenden Drachen Birgo.

Herr Schestak, was machte früher einen echten Ritter aus?Pavel Schestak: Er war stark und mutig . . . und stank nach Schweiß, Zwiebeln und Knoblauch. Das gehörte damals zum Essen und gewaschen hat er sich nur einmal im Monat in einem Fluss.

In so einer Rüstung kann es nicht gerade gemütlich sein, oder?Sie ist schwer. Meine Rüstung wiegt 35 Kilogramm. Wenn die Sonne scheint, ist das wie in einem Ofen. Das hält man nicht lange aus. Die Hitze ist schlimmer als das Gewicht.

Wenn ein Schwert die Rüstung trifft: Wie fühlt sich das an?Das kracht. Es gibt einen heftigen Schlag und immer mal auch blaue Flecken. Ein paar Mal hatte ich auch schon gebrochene Finger. Aber das ist so nicht schlimm.

Interview: Alexander Engels

Von Alexander Engels

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