Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Debatte um Straßennamen in Potsdam: „Frauen sollen nicht an den Stadtrand“
Lokales Potsdam Debatte um Straßennamen in Potsdam: „Frauen sollen nicht an den Stadtrand“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:09 05.10.2019
Neue Namen für die historischen Straßenverläufe? Quelle: Pake Jeyabalan
Innenstadt

Die Diskussion um die Straßenbenennungen in der wiedererstehenden Potsdamer Mitte am Alten Markt nimmt an Intensität zu. Nachdem sich die Tochter der CDU-Politikerin Erika Wolf, Maria von Pawelsz-Wolf, jüngst in der MAZ gegen eine Straßeneubenennung der ehemaligen Schwertfegerstraße in Erika-Wolf-Straße ausgesprochen hat, meldet sich nun die Enkelin der SPD-Politikerin Anna Flügge in der Debatte zu Wort.

Ursula Demitter befürwortet die Pläne, die drei Straßen, die im Karree auf dem ehemaligen Areal des FH-Gebäudes entstehen sollen, nach zeitgeschichtlich bedeutenden Frauen der Stadtgeschichte zu benennen.

Ursula Demitter lebt im Potsdamer Norden. Quelle: Varvara Smirnova

„Ich fände es schade, wenn man solchen Frauen, wie den vorgeschlagenen, nicht in Potsdams Mitte begegnen könnte, sondern sie an den Stadtrand verfrachten würde“, sagte die Dokumentarfilmerin am Freitag zur MAZ als Reaktion auf Maria von Pawelsz-Wolf. Diese hatte vorgeschlagen, dass die ehrende Benennung bei neuen Straßen erfolgen solle und nicht „in Form einer Umbenennung eines historischen Ortes“.

Ursula Demitter ist die Enkelin von Anna Flügge. Quelle: Varvara Smirnova

Wie berichtet, soll die ehemalige Kaiserstraße, die vom Alten Markt zum heutigen Platz der Einheit führte, nach der SPD-Stadtverordneten Anna Flügge benannt werden. Die Schlossstraße soll den Namen von Anna Zielenziger – Leiterin des jüdischen Frauenvereins in Potsdam, die 1943 von den Nazis ermordet wurde – tragen und die Schwertfegerstraße jenen von Erika Wolf, der Mitbegründerin der CDU in Deutschland und langjährigen Ehrenvorsitzenden der Brandenburger CDU. Der Kulturausschuss hat kürzlich fast einstimmig dafür gestimmt. Endgültig entscheiden die Stadtverordneten im November.

Ursula Demitter unterstützt das Projekt „Frauenwahllokal“, das an den ersten Urnengang von Frauen im Jahr 1919 erinnert und das die drei Straßenbenennungen nach Potsdamer Frauen mit initiiert hat. Demitter findet die Standortwahl im Herzen der Stadt wichtig: „Die Frauen sollen nicht an den Stadtrand, weil es eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit ist, die einem Drängen unserer Zeit entspricht.“ Zudem handle es sich bei dem künftigen Wohnblock vis-à-vis vom Landtag nicht um Historisches.

>>> Lesen Sie dazu auch:

Frauennamen am Alten Markt? Tochter von Erika Wolf lehnt Vorstoß ab

Protest gegen weibliche Straßennamen in Potsdam

Die Potsdamer Mitte wird weiblich: So sollen die neuen Straßen heißen

„Die Verbindung von Wiederaufgebautem mit den Namen der zu ehrenden Frauen verhindert die Verwechslung mit dem Original – wir wollen ja kein Disneyland daraus machen“, argumentiert Demitter, die ihre Großmutter als überaus tatkräftige Frau schildert. 1885 in Potsdam geboren, saß Anna Flügge von 1929 bis März 1933 als SPD-Abgeordnete in der Stadtverordnetenversammlung.

Anna Flügge als junge Frau. Quelle: Varvara Smirnova

Nach dem Verbot der Partei im Juni 1933 gründete sie mit ihrem Mann den Kleingartenverein „Bergauf“ am Pfingstberg mit. 1944 wurde sie – wie viele ehemalige Abgeordnete der Weimarer Republik – verhaftet und ins KZ Ravensbrück gebracht, wo man sie nach einigen Tagen wieder freiließ. Nach Kriegsende trat sie erneut der SPD bei und wurde 1946 in die SED übernommen. Eine Funktion übernahm Anna Flügge, die zuletzt im Potsdamer Bürgerstift lebte und 1968 starb, dort nicht. Ursula Demitter ist überzeugt, dass ihre Großmutter die neuen Straßennamen vollauf unterstützt hätte: „Meine Großmutter war sehr an der Durchsetzung von Frauenrechten interessiert.“

Anna Flügge Quelle: Privat

Kritiker wie die Bürgerinitiative Mitteschön lehnen hingegen den gewählten Ort ab und das, was Mitteschön als „Straßenumbenennung nach Parteienproporz“ bezeichnet. Auf Postkarten, die am 3. Oktober bei einer Protestaktion am Alten Markt verteilt wurden, brachte die Initiative ihre Vorbehalte ironisierend auf den Punkt. Auf dem Bild erklärt eine Dame einer anderen den Weg: „Zum Stadtschloss? Da gehen Sie die SPD-Straße links, die CDU-Straße rechts und dann zurück zum anders-linksgrünen Platz.“

Protestaktion von Mitteschön gegen die neuen Straßennamen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wenig angetan von den neuen Namen ist auch die CDU. Fraktionschef Clemens Viehrig sagte am Freitag auf MAZ-Anfrage, Ziel sei die Benennung nach historischen Straßennamen – was jedoch angesichts der politischen Mehrheiten wohl nicht zu verwirklichen sei. Da man möglichst viele „CDU-Akzente“ in die Stadtpolitik einbringen will, sei deshalb eine Unterstützung der vom Kulturausschuss befürworteten Namen wahrscheinlich.

Viehrig äußerte sich auch zur Kritik von Maria von Pawelsz-Wolf, die erklärt hatte, im Vorfeld weder über die Namenspläne informiert noch zurate gezogen worden zu sein. „Das war unglücklich“, sagte Viehrig. Eine E-Mail an Maria von Pawelsz-Wolf habe diese wegen einer Urlaubsreise zunächst nicht erreicht. Dass die Tochter von Erika Wolf die neuen Straßennamen ablehnt, „nehmen wir mit Respekt zur Kenntnis und werden dies in unseren Beratungen noch einmal mit aufnehmen“, so Viehrig.

Maria von Pawelsz-Wolf ist die Tochter von Erika Wolf. Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Ildiko Röd

Die Polizei hat das Unglücks-Karussell vom Potsdamer Oktobervolksfest wieder frei gegeben. Auf dem „Playball“-Twister war am Sonntag eine 29 Jahre alte rumänische Mitarbeiterin ums Leben gekommen.

04.10.2019

Nach Sperrung und Teilabriss eines Uferwegs in der nördlichen Speicherstadt nahe des Hauptbahnhofes sah die Stadt bislang keine Möglichkeit, einen provisorischen Weg herzustellen. Das ändert sich.

04.10.2019

Einen Zufallsfund hat die Kriminalpolizei gemacht: Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Werder fand sie tausende unverzollte Zigaretten.

04.10.2019