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Potsdam Der Expander des Fortschritts ist wieder da
Lokales Potsdam Der Expander des Fortschritts ist wieder da
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19:29 20.03.2019
Der Expander des Fortschritts am 21. Oktober 2017 zum „Kehraus“ für die Fachhochschule auf dem Alten Markt in Potsdam. Quelle: Foto: Patrick Theus
Potsdam

Depeche Mode, Rio Reiser, Der Expander des Fortschritts. Drei Mal wurde die Werner-Seelenbinder-Halle, damals die größte Innen-Arena Ost-Berlins, 1988 für Konzerte geöffnet. Der Expander teilte sich die Bühne vor 6000 Gästen mit Punkbands wie Wedding Present aus England und Feeling B, dem Vorgänger von Rammstein.

Der Expander des Fortschritts gehörte ebenso wie Feeling B zum musikalischen Untergrund der DDR. Es war das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass diese Szene ein so großes Podium bekam.

Am 1. November wird der für wenige Auftritte reanimierte Expander des Fortschritts im Waschhaus spielen. Das Konzert ist der erste bekannte Termin für eine nach MAZ-Informationen geplante Veranstaltungswoche zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in der Schiffbauergasse.

Friedrich Nietzsche trifft Heiner Müller

„Wir planen eine Abendveranstaltung am 9. November“, sagte Björn Achenbach vom Hans-Otto-Theater dazu auf MAZ-Anfrage: „Darüber hinaus sind wir im Gespräch mit weiteren Anliegern der Schiffbauergasse über programmatische Beiträge zum Thema.“ Mehr Konkretes gebe es noch nicht.

Der Expander des Fortschritts in einer Aufnahme von 1986. Quelle: Tina Bahra

Der Expander des Fortschritts, gegründet 1986, zählte zu den namhaftesten Vertretern der „Anderen Bands“, so die gängige Bezeichnung für eine in den letzten Jahren der DDR gewachsene Szene alternativer Bands, die zwar nicht im staatlichen Rundfunk und den Plattenläden, dafür aber in den Kulturhäusern, Dorfsälen und Jugendclubs präsent waren.

Das Spektrum reichte von Punkrock über New Wave bis zu experimenteller Musik. Der Expander des Fortschritts zählte zur Fraktion der intellektuellen Kopfarbeiter. Die Texte der Band verbanden die Edda, Friedrich Nietzsche und Heiner Müller in fröhlich-ätzender Ironie mit Alltagsmaterial wie eingelesenen Werbezetteln oder Mitschnitten von Radiosendungen.

Wasserstände und Tauchtiefen

Der Expander des Fortschritts, aktuelle Besetzung (v.l.n.r.): Jascha Wonerow (Gitarre), Eckehard Binas (Keyboard), Leo Binas (Drums), Susanne Binas-Preinesdörfer (Sopran-Saxophon), Joachim Foerster (Stimme), Robert Mißner (Live-Kommentar), Christoph Chudaska (Bass). Quelle: Lisa Paland

„Wasserstände und Tauchtiefen“ ist so ein Titel. Im Hintergrund läuft die Aufzeichnung einer gleichnamigen Sendung des DDR-Rundfunks, in der immer mittags die aktuellen Wasserstandsmeldungen für die Binnenschifffahrt verlesen wurden.

Am 21. März 1989, heute vor 30 Jahren, spielte Der Expander des Fortschritts im Potsdamer Klub der Künstler und Architekten „Eduard Claudius“. Heute sitzt in dem Haus an der Schlossstraße die Spielbank. „Gestimmtes Klavier ist unabdingbare Bedingung!“, hieß es im Vertrag für das Konzert. Den Klub hat Susanne Binas-Preinesdörfer, die Saxophonistin, „nur sehr dunkel in Erinnerung“: „Es war dort alles sehr schön.“

Am Wochenende kamen sie geballt

Der Expander habe zu der Zeit sehr viele Auftritte gehabt, ebenso wie viele der übrigen Anderen Bands: „Wir haben im Monat zehn, elf Mal gespielt in diesem kleinen Land. Du konntest diese Bands quasi täglich irgendwo sehen. Und am Wochenende kamen sie geballt.“

Die Musik vom Expander des Fortschritts, oftmals eine Abfolge expressiver Klanggebilde mit eingesprochenen und eingespielten Wortfragmenten, war nicht für großes Publikum gemacht.

Bühnenaufbau für das Konzert zum „Kehraus“ am 21. Oktober 2017. Quelle: Gilbert Wilgankow

Umso erstaunlicher war es für die Musiker, wie die Werner-Seelenbinder-Halle bei ihrem Auftritt mitging: Susanne Binas-Preinesdörfer erinnert sich, dass die Leute „in diesem wirklich gefüllten Haus plötzlich bei ,Oh Mond’ mitjaulten, mitsangen. Dieses Stück ist nicht im entferntesten populäre Musik. Trotzdem ist das Publikum völlig darauf angesprungen.“

Anfang der 1990er Jahre verlor sich die Band: „Es ist eine typische Geschichte der Nachwendezeit, dass die Leute ihre eigenen Wege gingen“, sagt die Saxophonistin, die 1991 an der Humboldt-Universität Berlin zum Thema „Rockmusik – kulturelles Medium Jugendlicher“ promovierte und seit 2005 als Professorin für Musik und Medien an der Universität Oldenburg lehrt.

Auftritt mit Blick zum Barberini

2017 kam Der Expander des Fortschritts erstmals wieder für drei Konzerte zusammen. Eines davon gaben sie am 21. Oktober zum „Kehraus“-Abschiedsfest für die aus 1970er Jahren stammende Fachhochschule am Alten Markt.

Susanne Binas-Preinesdörfer und Gitarrist Jascha Wonerow beim Konzert zum FH-„Kehraus“. Quelle: Patrick Theus

Eckehard Binas, der Keyboarder, war damals Präsident der FH. „Und seine Öffentlichkeitsabteilung“, sagt Susanne Binas-Preinesdörfer, „hat ihn inständig gebeten: ,Da müsst ihr spielen.’“ Der Expander des Fortschritts spielte mit Blick zum Museum Barberini. Auch das war gerade mit DDR-Geschichte beschäftigt: An der Fassade warb Trak Wendischs „Seiltänzer“ für die Ausstellung „Hinter der Maske – Künstler in der DDR“.

Für die „Fortgesetzte Expedition“, wie sie die mit vier Konzerten kleine Tournee zum 30. Jahrestag des Mauerfalls genannt haben, gibt es das alte Material ergänzt um neue Texte.

Von den früheren Musikern sind nur noch Susanne Binas-Preinesdörfer und Eckehard Binas dabei. „Wir versuchen, uns ein wenig in die Geschichte zurückzuschreiben“, sagt sie.

InfoExpander – Fortgesetzte Expedition“ am 12. Oktober in Greifswald/St. Spiritus, am 25. Oktober in Berlin/Ausland, am 1. November in Potsdam/Waschhaus.

Von Volker Oelschläger

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