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Potsdam Der Filmstandort Babelsberg und die #MeToo-Debatte
Lokales Potsdam Der Filmstandort Babelsberg und die #MeToo-Debatte
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06:45 31.01.2018
Sexuelle Belästigung in der Filmbranche ist derzeit ein großes Thema. Auch Babelsberg diskutiert. Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Seit dem Bekanntwerden der massiven sexuellen Übergriffe durch den amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein auf Schauspielerinnen wird weltweit diskutiert. Mit dem Fall des Regisseurs Dieter Wedel ist die Debatte um sexuelle Belästigung in der Filmbranche endgültig auch in Deutschland angekommen.

Wie sieht es in Babelsberg als traditionsreichstem Filmstandort Deutschlands aus? Produktionsfirmen, Hochschule, Agenturen: sie alle sind hier ansässig. Ist das Thema sexuelle Belästigung als Ausnutzung der eigenen Machtposition tatsächlich ein systematisches Problem? Was denken die Menschen im Kosmos „Babelsberg“? Gibt es gar Betroffene? Was tun die Unternehmen, um dem Problem entgegenzuwirken, wenn es denn besteht?

Es gibt keine zentrale Anlaufstelle für Betroffene

Im Studio Babelsberg setzt man auf Vertrauenspersonen. „Sowohl im Unternehmen als auch auf den Produktionen des Studios gibt es seit langem Vertrauenspersonen, an die sich Betroffene anonym wenden können“, sagt Vorstandsvorsitzender Charlie Woebcken. „Dies gilt für Themen wie sexuelle Belästigung, aber auch Mobbing oder Diskriminierung. Jeder Hinweis wird ernst genommen“, sagt er. Sein Vorstandskollege Christoph Fisser ergänzt: „Viele Produktionsfirmen, mit denen wir zusammenarbeiten, haben 24-Stunden-Hotlines eingerichtet. Grundsätzlich finden wir die aktuelle Debatte um das Thema wichtig und notwendig.“ Konkrete Fälle von sexueller Gewalt am Set seien den Studiochefs allerdings nicht bekannt.

Lilli Fichtner ist Studentin an der FilmuniversitätKonrad Wolf“. Seit sie 14 ist, dreht sie Filme. Ihren ersten Auftritt hatte sie im dem oscarnominierten Streifen „Das weiße Band“ von Michael Haneke. Die 24-Jährige kann also nicht nur in die Hochschule, sondern auch in die Filmbranche einen tiefen Einblick geben. „Ich selber habe noch keine extremen Erfahrungen gemacht, sondern nur immer wieder anzügliche Sprüche zu hören bekommen. Und die sind Gang und gäbe.“

Lilli Fichtner ist Schauspielerin und wünscht sich eine zentrale und unabhängige Anlaufstelle für Betroffene. Quelle: Annika Jensen

In der Filmbranche ist das Problembewusstsein größer geworden

Als die Diskussion mit den Enthüllungen um Harvey Weinstein im Herbst begann, sei ein Ruck durch die ganze Branche gegangen, sagt Fichtner. Innerhalb der deutschen Filmszene wurde nicht erst mit dem Fall Dieter Wedel diskutiert. Trotzdem sagt sie auch: „Es war nicht so, dass sich jeder schlagartig bewusst wurde, dass es tatsächlich passiert. Das Problem der sexuellen Belästigung in der Branche kannte jeder, auch vorher schon.“ Die Stimmungsänderung beschreibt sie mit einem Vergleich. Alle sitzen in einer Vorlesung und schlafen. Plötzlich wachen alle auf und hören zu. „Aber es waren eben alle da und waren auch Zeugen.“

Die Anfänge der #MeToo-Debatte

Ab Mitte Oktober letzten Jahres beschuldigten dutzende Frauen den US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein, sie sexuell belästigt, sexuell genötigt oder vergewaltigt zu haben. Weinstein gehört zu den einflussreichsten Produzenten in Amerika. Frauen, die ihn beschuldigten, waren unter anderem Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow.

Der Skandal war Auslöser für die sogenannte #MeToo-Bewegung. Der Hashtag verbreitete sich rasant in den sozialen Netzwerken und geht auf die Aktivistin Tarana Burke zurück, die im Jahr 2006 afroamerikanische Frauen bestärken wollte, die Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht hatten.

2017 machte die US-Schauspielerin Alyssa Milano, bekannt aus der Serie „Charmed – Zauberhafte Hexen“, den Hashtag populär. Sie wollte mit ihm Frauen ermutigen, ihn in ihren Tweets zu verwenden, sollten sie sich als Betroffene äußern. Innerhalb kurzer Zeit wurde der Hashtag millionenfach verwendet. Das zeigte, wie groß das Ausmaß der sexuellen Belästigung und sexueller Übergriffe in allen Teilen der Gesellschaft weltweit ist.

Hierzulande wurde Anfang Januar Regisseur Dieter Wedel als erstem deutschen, prominenten Filmschaffenden gewalttätige und sexuelle Belästigung gegenüber Frauen vorgeworfen.

Sie habe das Gefühl, dass die Diskussion innerhalb der Branche erst lauter wurde, als der Impuls aus Hollywood kam, sowie durch die Frauen, die sich äußerten und die massive Berichterstattung über sie. Sie findet es gut, dass die Frauen an die Öffentlichkeit gehen. Dadurch werde ein Bewusstsein für das Problem geschaffen. „Es ist aber nicht nur ein Problem in der Filmbranche. Es ist ein Problem in der gesamten Gesellschaft“, sagt Fichtner.

Keine Ahnung, wohin man sich wenden kann

Viele Fälle, von denen sie gehört hat, bestätigen, dass an Filmsets vor allem Macht missbraucht wird. Kolleginnen und auch Kollegen und Freunde haben ihr berichtet, dass sie angemacht wurden und als sie das abgewehrt haben, habe jene Person ihnen mitgeteilt, ihnen das Leben zur Hölle machen zu wollen. Wohin sie sich wenden könnten, haben ihre Freunde und Kollegen nicht gewusst. Auch Fichtner wüsste es nicht. Sie würde wahrscheinlich zu ihrem Vorgesetzten des jeweiligen Filmprojektes gehen oder zu ihrer Agentin. Aber eine zentrale und unabhängige Anlaufstelle, bei der Betroffene keinen Schaden für die Karriere fürchten müssen, gibt es nicht. Das sollte anders sein, wünscht sich Fichtner.

An ihrer Hochschule, der Babelsberger Filmuniversität, sieht es besser aus. „Dort ist sehr gut dafür gesorgt, dass man weiß, wohin man gehen muss“, sagt sie. Als öffentliche Hochschule des Landes Brandenburg ist die Filmuniversität verpflichtet, einen Gleichstellungsbeauftragten zu haben. Seit mehreren Jahren gibt es zudem eine Konfliktberaterin. „Wir distanzieren uns nicht nur ausdrücklich von Diskriminierung und sexueller Belästigung aller Art“, sagt die Sprecherin der Universität, Julia Diebel. „Wir sind daran interessiert, auch im Rahmen des Möglichen Hilfestellung für Betroffene zu leisten.“ Natürlich werde das Thema #MeToo an der Hochschule thematisiert und diskutiert. „Wir geben dem Bedürfnis nach Gesprächen Raum – auch in größeren Runden“, sagt Diebel. Insbesondere setz sich die Filmuni für Gendergerechtigkeit in der Filmbranche ein. Auf der Berlinale werde man dazu eine neue Initiative für die gesamte deutsche Filmbranche präsentieren.

Von Annika Jensen

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