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Potsdam Der Rächer der Ralle
Lokales Potsdam Der Rächer der Ralle
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20:30 11.03.2013

Bei dem Anblick muss er sich erst mal eine anstecken. Die Schnur hat sich im Todeskampf so fest um den schlanken Hals zugezogen, dass sie kaum mehr zu sehen ist. Armer Vogel.

In Momenten wie diesen zweifelt Burghard Sell daran, ob Angler die Natur so sehr lieben wie er. Immer wieder ärgert sich der Mann vom Naturschutzbund (Nabu) über verdreckte Angelplätze und Vögel, die sich in Sehnen erdrosselt haben oder an verschluckten Haken zugrunde gegangen sind. Die Lietze, die dort, wo sich Havel und Nuthe treffen, im flachen Wasser dümpelt, ist nicht das erste Opfer, das Burghard Sell an Land zieht. Dieses Exemplar aber ist anders. Der Vogel trägt einen Ring – und Burghard Sell wird nun zum Rächer der Ralle und kramt nach dem Taschenmesser. „Ein junger Vogel“, sagt er, während er den schlaffen Leib auf dem Holzsteg ablegt. Die Ringnummer spricht er für alle Fälle ins Mikro des Diktiergeräts, das er bei seinen Rundgängen an Nuthe und Havel immer parat hat: „18 22 62“. Beringt wurde der Pechvogel von den Ornithologen der Vogelwarte Hiddensee. Burghard Sell wird den Verlust dort melden.

Burghard Sell war einst Polizist. Seinen Beruf kann seit ein paar Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Aufs Altenteil will er sich aber nicht begeben. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, engagiert er sich daher beim Nabu. Er ist schon immer gern durch die Wildnis gestromert. Was den kleinen Jungen einst faszinierte, hat der Mittfünziger nun wieder für sich und sein Seelenheil entdeckt. Burghard Sell ist inzwischen der Biberbeauftragte für Potsdam. Und er kümmert sich um die Wasservögel. Sein Revier sind die letzten Meter der Nuthe ab der Bahntrasse Drewitz – Rehbrücke, ein Stück die Havel hinauf und der Tiefe See bis hin zur Lennéschen Bucht. Zu seiner Aufgabe gehören auch die internationalen Wasservogelzählungen, die der Dachverband Deutscher Avifaunisten hierzulande zwischen Bodensee und Boddenküste koordiniert und die zumeist Nabu-Leuten vor Ort stemmen.

In Brandenburg ziehen Winter für Winter etwa 240 Männer und Frauen die Gestade entlang und zählen im Namen der Wissenschaft Enten, Rallen, Schwäne und Co. Die Daten sind nötig, um das Zugverhalten von Wasservögeln zu untersuchen und ihre wichtigsten Rast- und Überwinterungsgebiete zu lokalisieren. Es geht aber auch darum, Verbreitung und Bestand zu erfassen und über lange Zeiträume zu beobachten. Seit Ende der 1960er Jahre werden die Zählungen im Winterhalbjahr durchgeführt. Am 17. März findet die letzte der Saison statt. „Helfer sind stets willkommen“, sagt Burghard Sell.

Der Job ist übrigens anstrengender als gedacht. Rund sechs Stunden ist Burghard Sell am Zähltag unterwegs. Um nicht durcheinander zu kommen, hat er wie eine Stewardess einen Hand-Klick-Zähler dabei; die Eckdaten spricht er ins Diktiergerät, addiert wird später zu Hause. Beringte Vögel werden auch erfasst. Die Blessrallen Berta Anton 1 und Ludwig Paula 2, die beim Kontrollgang am Humboldtring am Ufer stehen und Haferflocken picken, erhalten das Prädikat „Allerweltsvögel“.

Apropos Haferflocken. Wer Burghard Sell und seinen Kollegen einen großen Gefallen tun will, lässt am 17. März das Entenfüttern einfach mal ausfallen. „Wenn irgendwo das Brot ins Wasser plumpst, wird’s richtig dramatisch“, sagt Burghard Sell. Alles, was da auf den Wogen kreucht und fleucht, gerät dann in Bewegung, das Wasser scheint zu kochen. Die Verteilungskämpfe um Großmutters ollen Kanten sind für die Vogelzähler das heillose Chaos und können ihre ganze Arbeit zunichte machen.

Wer bei der Wasservogelzählung helfen möchte, meldet sich bei Burghard Sell unter 0331/8 71 21 08. (Von Nadine Fabian)

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