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Potsdam Der Scholle 34 läuft die Zeit davon
Lokales Potsdam Der Scholle 34 läuft die Zeit davon
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11:59 20.07.2017
Das Modell „Landmark“ mit dem Aussichtsturm.
Das Modell „Landmark“ mit dem Aussichtsturm. Quelle: Christel Köster
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Potsdam

Dem Stadtteilnetzwerk Potsdam-West läuft beim Umbau der einstigen Ausflugsgaststätte „Charlottenhof“ zum Nachbarschaftszentrum „Scholle 34“ die Zeit davon. Der Saal müsse „dringend Geld bekommen, sonst ist er nicht mehr zu retten“, warnte die Architektin Su Schnurbusch am Dienstagabend in einer Podiumsdiskussion: „Es muss etwas geschehen, sonst ist das Gebäude nicht mehr zu retten.“

Der 300 Quadratmeter große Restaurantsaal ist mit seinem von Pylonen getragenen Dach der markante Baukörper des 1970 in Sichtweite zum Schloss Charlottenhof eröffneten Ensembles. Zuletzt als Disco genutzt, steht er seit fast 15 Jahren leer. Etwas länger lief der Betrieb der Trattoria im linken Nebengebäude.

Doch seit 2010 war das insgesamt 5000 Quadratmeter messende Grundstück abgeschlossen und verwilderte. 2012 gab es erste Gespräche zwischen dem Stadtteilnetzwerk und der Schlösserstiftung als Eigentümerin über eine Öffnung des Restaurants als Stadtteilbegegnungszentrum.

Saskia Hüneke, die als Grünen-Politikerin und als Mitarbeiterin der Schlösserstiftung ins Podium eingeladen war, sagte mit Verweis auf ein Gespräch mit Stiftungschef Hartmut Dorgerloh, das Ensemble sei seinerzeit auf „ausdrücklichen Wunsch“ des damaligen Generaldirektors der Staatlichen Schlösser und Gärten, Joachim Mückenberger, errichtet worden. Damit sei es für Dorgerloh „ein Teil der Ortsgeschichte“ und er habe sich „deshalb sehr früh dafür ausgesprochen, dass das hier möglich sein soll.“

Mittlerweile wurden zwischen Stiftung und Netzwerk mehrere Absichtserklärungen zur Entwicklung des Grundstücks ausgehandelt. Aktuell sei ein vierter „Letter of Intent“ in Vorbereitung, so Schnurbusch, die das Netzwerk bei Konzeptentwicklung und Suche nach Fördermöglichkeiten unterstützt. Ziel sei der Abschluss eines langfristigen Pachtvertrages. Doch zunächst geht es um die Bewahrung des Ensembles, das von den Ehrenamtlichen in den vergangenen Jahren zunächst beräumt und gesichert wurde.

Seit drei Jahren wird das Projekt von der Stadt gefördert, so Michael Kroop, Bürgerhaus-Koordinator in der Kulturverwaltung. Im vergangenen Jahr gab es erste Veranstaltungen im Garten. Mit der Podiumsrunde am Dienstag in der früheren Trattoria wurde erstmals wieder ein Raum für das Publikum geöffnet, wie der Vorsitzende des Stadtteilnetzwerks und Moderator Joos van den Dool gleich zur Begrüßung sagte: „Das ist ein historischer Moment. Es ist die erste Veranstaltung hier.“

Stadt prüft Finanzierung über Städtebaufördermittel

Die Stadt prüft eine Millionenförderung für den Ausbau des Nachbarschaftshauses „Scholle 34“ im einstigen Ausflugsrestaurant „Charlottenhof“ aus Städtebaufördermitteln.

Beauftragt wurde die Verwaltung über einen SPD-Antrag, der Anfang Juli von den Stadtverordneten bestätigt wurde. Laut SPD ist mit einer Investitionssumme von zwei Millionen Euro zu rechnen.

Die Stadt müsste sich dafür mit einem Eigenanteil von 250 000 Euro beteiligen und würde damit erstmals selbst erhebliche Mittel in das Projekt investieren.

Die Ergebnisse dieser Prüfung sollen im September vorliegen.

Präsentiert wurden zu dieser Premiere Entwürfe von Architekturstudenten der Hochschule München zur Umgestaltung des Blocks. Die betreuende Professorin Ursula Hartig lebt in Potsdam und ist mit dem Projekt des Nachbarschaftshauses schon seit längerem vertraut. 13 Studenten untersuchten in zehn Entwürfen Möglichkeiten für eine Umgestaltung und Neuordnung. Sämtliche Entwürfe hatten den Saal mit den Pylonen als gemeinsamen Nenner. Das restliche Ensemble aber wurde teils kräftig gelockert und verändert.

In mehreren Entwürfen wurde zum Park eine Hofsituation mit mehreren, teils expressiv gestalteten Bungalows entwickelt. Durchgänge öffnen den Blick von der Straße zum Park. Bauexpertin Hüneke lobte die Einfügung in die Landschaft bei dem gleichzeitigen Ansatz, neue Räume zu schaffen. Eine spezielle Variante wurde mit dem Entwurf „Landmark“ vorgeschlagen, nach dem das Grundstück mit einem 22 Meter hohen Aussichtsturm ergänzt würde.

Mehrfach wurde das exzellent organisierte Stadtteilnetzwerk als Ideengeber und Antreiber des Projekts gelobt. André Tomzcak, Initiator von „Potsdamer Mitte neu denken“, gab der Diskussion eine neue Richtung mit der Überlegung, dass es vergleichbar mit dem Nachbarschaftshaus für Potsdam-West ein zentrales Bürgerhaus in der alten Fachhochschule in der Innenstadt geben könnte, die nach der Besetzung Ende letzter Woche von der Polizei abgesperrt wurde. Dirk Harder vom Stadtjugendring sekundierte mit der Forderung nach einem Moratorium zur in Potsdam verbliebenen DDR-Moderne.

Zur Scholle 34 zurück führte Ulrike Harder, die berichtete, wie aus ihrem Wunsch, „eine Tomate in die Erde zu stecken“, eine auf 17 Mitstreiter angewachsene Gärtnergruppe entstand, die das Grundstück beackert und nebenher auch bei anderen Projekten anpackt.

Von Volker Oelschläger

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