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Potsdam Der begrenzte Himmel in der DDR
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10:22 06.10.2014
Start eines Drachenpiloten 1977 am Hang in Gräfenroda (Thüringen). Quelle: aus: Der begrenzte Himmel
Potsdam

Mitte der 1980er gerät der Berliner Karl-Heinz "Kalle" Heptner ins Visier der Staatssicherheit. Selbstständig trotz Volkswirtschaft, unangepasst und vom Fliegen fasziniert, steht er unter Dauerverdacht, republikflüchtig zu werden.

Dabei will Kalle Heptner gar nicht weg, er will nur fliegen. Heimlich baut er einen Motordrachen - und wird verraten. Die Stasi verhaftet ihn, droht ihm, will ihn als IM verpflichten. Kalle Heptner aber weigert sich. Als er erneut vorgeladen wird, glaubt er, die Verhaftung stehe bevor. Der Mittdreißiger sieht nur noch eine Chance: Er will tatsächlich fliehen. Am 20. Dezember 1986 lädt er sein Trike auf eine Lkw und steuert ein Feld bei Fahrland an. Von dort sind es nur sechs Kilometer bis zur Mauer. Ein Hüpfer mit dem Drachen.

Der Wind steht günstig, doch Kalle Heptner muss erstmal in Deckung gehen. Der Bauer ist unerwartet auf dem Acker zu Gange. Als Kalle endlich starten kann, setzt die Dämmerung bereits ein, es beginnt zu schneien. Er verirrt sich. Bei Nauen (Havelland) setzt er zur Notlandung an, wird festgenommen und nach Potsdam in die Lindenstraße 54 gebracht. Im Gefängnishof muss er vor den Augen staunender Stasi-Offiziere seinen Motordrachen aufbauen . . .

Unter den Augen erstaunter Offiziere muss Karl-Heinz Heptner (r.) im Dezember 1986 sein Trike im Hof des Gefängnisses in der Lindenstraße aufbauen. Der begeisterte Drachenflieger war lange zuvor ins Visier der Stasi geraten, bedrängt und verdächtigt worden. Quelle: aus: Der begrenzte Himmel

Auf der anderen Seite der Mauer, die Kalle Heptner nicht zu überwinden vermochte, lebt damals Claus Gerhard. Auch er ist leidenschaftlicher Flieger. Auf dem Teufelsberg hat der Unfallchirurg und Sportmediziner den Umgang mit dem Hängegleiter gelernt. Nach der Wende legt Claus Gerhard den ersten dokumentierten Drachen-Streckenflug auf dem Gebiet der ehemaligen DDR hin und wird Deutscher Meister. Heute ist Claus Gerhard 67 und lebt in Potsdam. Der Drachen- und Gleitschirmszene ist er auch durch journalistische Arbeiten bekannt, vor Kurzem legte er zudem ein aufwendig recherchiertes und beeindruckendes Buch vor: "Der begrenzte Himmel". Darin erzählt er die Geschichten von Kalle Heptner und vielen anderen Männern (und wenigen Frauen), die sich das Fliegen nicht verbieten lassen wollten und für ihren Sport alles aufs Spiel setzten.

Lange in der Grauzone angesiedelt, wurde der Hängegleitersport 1980 vom DDR-Regime kassiert. Mit diesem Verbot stand die DDR weltweit allein da. Drachenfliegen war selbst in den sozialistischen Bruderländern erlaubt. Wer im Osten fliegen wollte, fuhr also nach Polen und Ungarn, in die Tschechoslowakei oder bis in die Sowjetunion. Der Weg dorthin war für die Piloten beschwerlich, denn an der Grenze wurden sie von Stasi-Leuten blockiert. "Man versuchte, die Flieger weichzuklopfen", sagt Gerhard. "Die Stasi hielt sie fest, inspizierte die Fluggeräte bis ins letzte Detail. Mancher gab den geplanten Urlaub nach Stunden der Schikane entnervt auf und kehrte wieder um." Wer konnte, brachte seinen Drachen mit Tricks ins Ausland und deponierte ihn dort bei Freunden. Oft waren Rennrodler und Skifahrer die Mittelsmänner: Sie versteckten einen Hängegleiter in den Tiefen des Mannschaftsbusses - passenderweise Typ "Ikarus" - und juckelten mit der heimlichen Fracht über die Grenze.

Das bei DDR-Piloten beliebteste Fluggebiet ist der Berg Raná in Böhmen. Sommer für Sommer besiedeln sie den grünen Hügel und das gleichnamige Dorf. Doch der Ansturm aufs gelobte Land geht den Tschechen bald auf die Nerven. "Man war richtig sauer auf die DDR, ärgerte sich, dass viele der Besucher nicht richtig fliegen konnten und mit ollen Gurken ankamen - es fehlten ja Ausbildung und modernes Material", so Gerhard. Die Spannungen erreichen den Höhepunkt, als die tschechoslowakische Polizei eines schönen Augusttages 1986 sämtliche Drachen von DDR-Bürgern beschlagnahmt. "Sie wollten nicht mehr, dass DDR-Piloten dort flogen, waren überfordert." Nach dem Rausschmiss aus Raná zerstreuen sich die DDR-Lilienthals in andere Fluggebiete, mischen sich unbemerkt unter die Einheimischen und sind so für das MfS nicht mehr zu kontrollieren. Langsam mehren sich auch in den Stasi-Reihen die Rufe, das Fliegen zu erlauben. Doch erst die hartnäckige Beschwerde eines betroffenen Piloten bringt den Anstoß: "Im Mai 1987 war man im Zentralkomitee zu der Meinung gelangt, dass das MfS die restriktive Hängegleiter-Verordnung noch einmal überprüfen müsse - und zwar mit dem Ziel einer positiven Klärung", so Gerhard. Das Ergebnis lässt zwar auf sich warten, doch am 23. August 1989 ist es schließlich soweit: Das Flugverbot für Drachen und Gleitschirme fällt. - Und Kalle Heptner? "Der fliegt immer noch", sagt Claus Gerhard. "Mittlerweile führt er die Lizenzen für Ultraleichflugzeuge und Gleitschirme und hat die ganze Welt bereist."

Von Nadine Fabian

Info: "Der begrenzte Himmel" ist im Metropol Verlag erschienen; 24 Euro.

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