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Potsdam Der unbekannte Max Baur
Lokales Potsdam Der unbekannte Max Baur
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11:38 04.04.2018
Am Alten Markt 15–17, Blick in Richtung Stadtschloss, fotografiert zwischen 1934-1944. Quelle: Lichtbild-Archiv Max Baur
Innenstadt

Der für seine Lichteffekte berühmte Potsdam-Fotograf Max Baur (1898-1988) war ein Perfektionist. „Er hat stundenlang gewartet, bis die Wolke an der richtigen Stelle stand“, sagt Judith Granzow, eine der Kuratorinnen der großen Max-Baur-Retrospektive, die ab 13. April im Potsdam-Museum zu sehen ist.

Auch in der Nachbereitung überließ er nichts dem Zufall. Wenn es sein musste, wurden Einschusslöcher auf Nachkriegsfassaden ebenso wegretuschiert wie Passanten, die überraschend ins Bild gelaufen waren. Auf zwei Etagen stellt das Museum in der Ausstellung „Potsdam, ein Paradies für meine Kamera“ das Werk des Sehnsuchts-Fotografen in einem einmaligen Umfang vor.

Dass Max Baur das Potsdam-Bild der Vorkriegszeit für die Nachwelt geprägt hat wie kein anderer Fotograf, lag sicher auch an seinem Geschäftssinn. 1953 von Potsdam nach Aschau im bayrischen Chiemgau gewechselt, publizierte er bis ins hohe Alter Mappen, Bildbände und Postkarten vom alten Potsdam.

Dass Max Baur seinen umfangreichen Nachlass mit Potsdam-Motiven dem Bundesarchiv überließ, hatte nach Ansicht von Museumsdirektorin Jutta Götzmann auch mit der deutschen Teilung zu tun: „Er wollte es in guten Händen wissen. Sonst hätte er es vielleicht an uns gegeben.“

Aufnahme vom Wiederaufbau der zerstörten Horstweg-Brücke über die Nuthe, das Bild entstand im Auftrag der Stadtverwaltung. Quelle: Potsdam-Museum

Die Vorbereitung der Retrospektive wurde für die Beteiligten zu einer Entdeckungsreise. Denn das vom alten Potsdam überstrahlte Werk erwies sich als sehr vielschichtig. Neben der Erkundung der eigenen Bestände und des Bundesarchivs konnten die Ausstellungsmacherinnen auf den im Lichtbildarchiv Max Baur verwahrten Nachlass zurück greifen.

Dessen Leiterin Antonia Gottwald, eine Enkelin Max Baurs, ist nicht nur eine Mitiniatorin der Potsdamer Retrospektive. Sie kuratierte zeitgleich eine fast parallel laufende Ausstellung „So zaubert das Licht“, die vom 28. Mai bis zum 24. Juni in Baurs langjähriger bayrischer Heimatstadt gezeigt wird. Vorgestellt werden in Aschau unter anderem Städteporträts und süddeutsche Landschaften; Themen, „die wir in unserer Ausstellung nur anklingen lassen werden“, sagt Judith Granzow.

Zu den im Schatten Potsdams weniger bekannt gewordenen Motiven und Bildstrecken zählen Stadtansichten, Landschaftsaufnahmen, architektonische Details, Werbefotografien, Natur- und Pflanzenstudien, Porträts. In Potsdam wird unter anderem eine Porträtfotografie Otto von Estorffs (1896-1974) zu sehen sein, des Architekten der noblen Landhäuser an der Schwanenallee. Unter den Auftragswerken sind auch Kompendien aus der Neuen Reichskanzlei und dem Olympiastadion.

Blick von Hermannswerder auf die Friedrichsstadt, heute Siedlung Am Schillerplatz, im April 1943. Quelle: Potsdam Museum

Aus Auftragsarbeiten für die Potsdamer Stadtverwaltung resultiert ein kleinerer Bildbestand mit Potsdam-Motiven, dessen Bildrechte beim Potsdam-Museum liegen. Auch hier gab es Entdeckungen für die Historikerinnen. Jutta Götzmann verweist etwa auf eine Aufnahme von der sogenannten Friedrichsstadt mit dem heutigen Schillerplatz aus dem Jahre 1943, die von Baur über die Havel hinweg mit Schilfstängeln im Vordergrund fotografiert wurde. Für eine Arbeit im Auftrag einer öffentlichen Verwaltung ist diese romantisierende Anordnung ungewöhnlich.

Auch zur Stadtmitte zwischen dem Alten Markt und dem Platz der Einheit, deren Rekonstruktion eines der aktuellen Themen in der politischen Debatte zur Stadtentwicklung ist, fanden sich bei den Recherchen noch nie oder nur sehr selten gezeigte Aufnahmen. Darunter ist ein Bild von der im Krieg zerstörten Häuserzeile Am Alten Markt 15-17 mit dem Stadtschloss im Hintergrund.

In wenigen Wochen soll das Grundstück mit dem Abriss der Fachhochschule für den Wiederaufbau in Anlehnung an die alten Häuser frei gemacht werden. Das Knobelsdorffhaus mit den Figuren auf dem Dachgesims soll als Leitfassade im Neubau erkennbar sein.

Aus dem Begleitprogramm zur Max-Baur-Retrospektive

Die Ausstellung „Potsdam, ein Paradies für meine Kamera“ mit Fotografien von Max Baur ist im Potsdam-Museum vom 13. April bis zum 26. August zu sehen.

Antonia Gottwald, Enkelin des Fotografen und Leiterin des Lichtbild-Archiv Max Baur, liest am 13. April um 18 Uhr im Potsdam-Museum unter anderem aus dem Briefwechsel Max Baurs mit Hermann Hesse.

Eine erste Kuratorenführung mit Anja Tack gibt es am 19. April um 18 Uhr. Eine weitere Kuratorenführung mit Judith Granzow steht am 13. Juni um 14 Uhr in der Reihe Silver Saloon auf dem Programm.

Markus Wicke, der Vorsitzende des Museums-Fördervereins, stellt Max Baur am 9. Mai um 12.30 im „Lunchpaket“ des Bildungsforums als Fotografen der „Potsdam-Sehnsucht“ vor.

Die Kunsthistorikerin Edda Campen stellt am 27. Mai um 14.30 mit einer bebilderten Führung die Siedlung Am Schillerplatz vor.

Der Historiker Thomas Sander spricht am 27. Mai um 18 Uhr im Potsdam-Museum über „Die NS-Architektur Potsdams in der Fotografie von Max Baur“.

Von Volker Oelschläger

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