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02:22 21.04.2018
Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos),Sigrun Rabbe und Bert Nicke (Geschäftsführer Sanierungsträger) vor dem Plan des Blocks III.
Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos),Sigrun Rabbe und Bert Nicke (Geschäftsführer Sanierungsträger) vor dem Plan des Blocks III. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

60 Prozent der Wohnfläche, die im sogenannten Block III (dem heutigen Fachhochschulareal) am Alten Markt entstehen werden, sind mietpreis- und belegungsgebunden. Das verkündeten Bert Nicke und Sigrun Rabbe, Geschäftsführer des städtischen Sanierungsträgers, am Mittwoch. Es entstehen in und zwischen den markanten Eckhäusern mit den klassischen Fassaden rund 10 000 Quadratmeter Wohnraum für rund 65 Millionen Euro. 24 Prozent davon werden zwischen 5,50 und 7 Euro je Quadratmeter vermietet, weitere 36 Prozent zu Mietspiegelmieten zwischen neun und zehn Euro. Das ist den Gewinnern des Bieterverfahrens in die Verträge geschrieben worden – neben vielem anderen. Nur 40 Prozent der Wohnungsfläche gehen an den freien Markt zu freien Preisen. Auch haben die zwei Genossenschaften, die mitboten, den Löwenanteil der Wohnungsflächen erhalten: Sie bekommen 56 Prozent , 21 Prozent gehen an Selbstnutzer, also Potsdamer, die für sich bauen – etwa in Bauherrenmodellen – und nur 23 Prozent an den freien Markt, sprich: Immobilienentwickler. 69 Prozent der gesamten Fläche werden bewohnt, 15 Prozent werden für Kultur und Bildung genutzt, 16 Prozent für Gewerbe. Zahlen, mit denen die Stadtverwaltung und der Sanierungsträger sehr zufrieden sind: „Wenn wir uns vorher etwas hätten wünschen dürfen, wäre es genau das gewesen“, sagte Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) mit zufriedenem Lächeln.

6,34 Millionen für Infrastruktur

„Die Zahlen bestätigen das Verfahren“, sagt auch Nicke. Ein Verfahren, dass es so nie zuvor in Deutschland gegeben habe. Wie berichtet, waren die Lose zum Festpreis vergeben worden, so dass nicht der Höchstbieter zum Zuge kam, sondern jeweils jener Bieter, der in den Augen der Baufachjury und der Architekturjury den besten Entwurf ablieferte. Boni gab es für sozialen Wohnungsbau, Preise nach Mietspiegel oder die Schaffung von kulturellen Angeboten. Der Sanierungsträger hatte die Preise vorher so festgelegt, dass aus dem Erlös die nötige Infrastruktur finanziert werden kann, wofür der Träger verantwortlich zeichnet. Bei Vergabe zum Höchstpreis hätte man weitaus mehr Geld erzielen können, sagte Sigrun Rabbe, aber das Ziel im Block III sei ja ein lebendiges Viertel mit bezahlbaren Wohnungen gewesen. Der Sanierungsträger nimmt über den Verkauf 6,34 Millionen Euro ein, muss davon auch Straßen und Infrastruktur errichten. Sieben Bauherren kommen nun in der nächsten Woche beim Sanierungsträger erstmals zusammen, darunter auch die Potsdamer Genossenschaften PWG 1956 und „Karl Marx“. Das weitere Verfahren ist, wie schon der Wettbewerb, von harten Vorgaben geprägt.

Dort, wo jetzt noch bis September das Fachhochschulgebäudes abgerissen wird, soll in den nächsten Jahren ein lebendiges Quartier entstehen: Wohnungen, kleine Läden, Galerien und viel Gastronomie.

Baustelle wird koordiniert

So müssen sich alle Bauherren nicht nur sklavisch genau an die Vorgaben und ihren Entwurf halten, sondern auch dem Diktat eines von der Stadt bereits bestellten Baustellenlogistikers unterwerfen, denn auf dem engen Platz ist zum Beispiel nur Platz für drei Kräne zugleich. Der Logistiker soll An- und Abfuhr der Baufahrzeuge regeln – über Zeitschienen – und dafür sorgen, dass kein Lkw leer auf die Baustelle kommt oder leer wieder davonfährt. Eine Verkehrsreduktion von rund einem Drittel verspricht sich Sigrun Rabbe davon, in einer staugeplagten Stadt eine „deutliche Erleichterung“. Im Mai gehen die künftigen Bauherren nebst Sanierungsträger dann zum Notar, wo ihre Anhandgabeverträge unterzeichnet werden – vorbehaltlich eines Votums der Stadtverordneten im Juni. Dann muss es schnell gehen: Wer innerhalb eines Jahres keine Baugenehmigung auf Grundlage seines Juryentwurfs hat, ist raus aus dem Vertrag. Nachrücker werden mitbeschlossen und müssten zur Verfügung stehen, die Lücke zu füllen. Nach der Baugenehmigung wiederum bleiben 24 Monate, um die Bauten auch zu errichten – trotz Koordination der Baustelle keine leichte Aufgabe. „Wir rechnen Ende 2019 mit dem Baubeginn und Ende 2021 mit den ersten Einzügen“, sagte Bert Nicke. Wer länger brauche und das selbst verschulde, müsse mit Vertragsstrafen rechnen – das sei auch an der Alten Fahrt so gewesen.

Ab Juni 2019 geht’s um Block IV

Ob das viel gelobte und sehr aufwendige und für Bauherren wie Jury anstrengende Verfahren auch als Blaupause für den Block IV rund um die Stadtbibliothek taugt, ist noch unklar. Jedes Quartier habe seine eigenen Anforderungen, blieb Baudezernent Rubelt vorsichtig. Er will im Juni 2019 beginnen, über den Block nachzudenken. Zuvor müsse das aktuelle Verfahren ausgewertet werden. Da aber „viele andere Städte genau auf unser Verfahren guckten, könne es „so falsch nicht gewesen sein“, blieb Rubelt bescheiden.

Von Jan Bosschaart