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Potsdam Die Garnisonkirche ist sein Herzensprojekt
Lokales Potsdam Die Garnisonkirche ist sein Herzensprojekt
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00:16 01.01.2014
Manfred Stolpe. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

MAZ: Herzlichen Dank für Ihre Grußkarte zum Jahreswechsel, die uns sehr gefreut hat.

Manfred Stolpe: Haben Sie auch das Kleingedruckte gelesen auf der Karte? Das ist das Wichtige. "Wir wollen die von Ulbricht gesprengte Versöhnungskapelle mit dem Turm der Kirche im Geiste der Nagel-Kreuz-Gemeinde von Coventry bis Wolgograd wieder aufbauen und sind für jede Unterstützung dankbar." Fällt Ihnen da etwas auf?

Das Kirchenschiff wird nicht erwähnt!

Stolpe: Stimmt. Ich bin sehr pragmatisch und ein steinalter Mensch. Das Kirchenschiff wird kommen, da bin ich mir sicher. Aber in welcher Gestalt und in welchem Innenausbau, bleibt vorerst offen. Es ist noch nicht ausdiskutiert, ob es eine kirchliche oder eine multifunktionale Nutzung gibt. Das muss man mit der Stadt abstimmen.

Sie könnten sich also auch eine kulturelle Nutzung vorstellen?

Stolpe: Ja, wenn Frau Palent mit dem Nikolaisaal so erfolgreich weitermacht wie bisher, dann braucht sie ja sicher auch irgendwann einen zweiten Veranstaltungsort. Aber das ist nur ein Beispiel. Wir erleben es ja oft schon in den Brandenburger Dörfern, dass eine Kirche nicht nur von der Kirchengemeinde genutzt wird. Natürlich wird dann kein Tanzlokal daraus, sondern zum Beispiel ein Dorfversammlungsraum. In Brandenburg gibt es eine Dorfkirche, in der nun eine Filiale der Mittelbrandenburgischen Sparkasse sitzt. An so etwas ist nicht gedacht. Aber eine multifunktionale Nutzung des Kirchenschiffs ist für mich durchaus vorstellbar, ähnlich wie in der Pfarrkirche Neuruppin oder der Dreikönigskirche in Dresden.

Es heißt ja immer, dass der Turm im Oktober 2017 fertig werden soll. Das sind noch dreieinhalb Jahre. Der Termin klingt mittlerweile sehr unrealistisch.

Stolpe: Das ist ein wichtiges Ziel. Es ist ein Datum, das als Ziel lohnt. Als Mensch, der in der DDR groß geworden ist, weiß ich, wie wichtig solche Ziele sind. Die Zeit arbeitet für das Projekt, weil ja die Vernunft wächst, dass die Stadt es braucht als Mahnung für Frieden und Toleranz. Bis jetzt ist das Datum noch nicht verloren. Um die Finanzen muss man sich zwar Sorgen machen, aber es ist lösbar. Die Finanzierung soll durch Spenden aller Art erfolgen, durch kleine und große. Wenn wir nächstes Jahr mit dem Bau beginnen und parallel dazu Spenden einsammeln, dann kann das laufen.

Aber derzeit lebt das Projekt doch vor allem durch öffentliche Mittel, durch die zwei Millionen aus dem ehemaligen SED-Vermögen und von den angekündigten zwölf Millionen der Bundesregierung.

Stolpe: Das ist Wiedergutmachungsgeld für das in der DDR zugefügte Unrecht. Die zwei Millionen aus dem Vermögenstopf der ehemaligen Parteien und Massenorganisationen der DDR waren das ebenso wie die Gelder des Bundes. Wir nehmen also niemandem etwas für den Bau von Kitas oder Schulen weg, wie es teilweise öffentlich suggeriert wird. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn man noch irgendwo zwei vergrabene Milliarden aus dem ehemaligen DDR-Vermögen finden würde. Darüber hinaus bin ich aber dafür, den Bau nur durch Spenden zu finanzieren. Die Wiedergutmachungsgelder werden aus gutem Grund bezahlt. In den 60er Jahren gab es klare Absprachen, den Turm zu erhalten. Oberbürgermeisterin Hanke hat uns unterstützt bei den Restaurierungsarbeiten. Ich habe selbst damals auf dem Sims des Turms gestanden. Dann kam die Entscheidung - Abbruch! Ausgelöst wurde sie durch den Prager Frühling. Ulbricht, dem der Arbeiteraufstand des Jahres 1953 noch im Nacken saß, wollte unter keinen Umständen eine Protestbewegung in der DDR nach tschechischem Vorbild. Deshalb die radikale Entscheidung. Ich weiß das von Ulbrichts damaligem Büroleiter.

Die zwölf Millionen vom Bund sind derzeit nur ein Versprechen. Gehen Sie davon aus, dass es trotz neuer Regierung eingehalten wird?

Stolpe: Ja. Die Kanzlerin ist dieselbe. Der Finanzminister auch.

Kritik an der Vergabe dieser Millionen kam aber sogar von Ihrer Parteifreundin, der SPD-Bundestagsabgeordneten Andrea Wicklein.

Stolpe: Andrea Wicklein hat nicht über diese Förderung zu entscheiden.

Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche war eine Erfolgsgeschichte. Warum klappt es in Dresden, aber nicht in Potsdam mit der Spendenbereitschaft?

Stolpe: Dresden hat es anfangs auch nicht leicht gehabt in der Bevölkerung. Allerdings waren dort nicht die Linken dagegen, sondern kirchliche Kreise.

Was brachte den Durchbruch?

Stolpe: Es war der Vertreter der Dresdner Bank, der sich dafür einsetzte, dass Geld von Großkunden floss.

Würden Sie sich ein Pendant in Potsdam wünschen?

Stolpe: Natürlich würden wir gerne mit Banken kooperieren.

Sie haben den Widerstand der Linken angesprochen. Lange bestand ja eine Duldung des Projekts, aber kürzlich gab es einen Linken-Beschluss, in dem die Abkehr vom Wiederaufbau erklärt wird. Stattdessen nun die Forderung, einen modernen Bau mit einem Schwerpunkt auf Friedensarbeit zu errichten. Es soll eine Neuausschreibung des Projekts geben.

Stolpe: Ich hoffe, dass das nicht nur Wahlkampfpropaganda ist, bei der der Spitzenkandidat mit Gegenaktionen punkten möchte. Sollte die Linke das zum Wahlkampfthema machen, ist das Tischtuch mit vielen Sozialdemokraten zerschnitten. Ich lese aber aus dem Beschluss der Linken auch heraus, dass eine Dialogbereitschaft da ist. Gefordert wird ja ein Zentrum für Versöhnung, Frieden und Toleranz. Das entspricht dem Versöhnungszentrum. Darin erkenne ich die Bereitschaft zum Dialog, zu dem ich gerne bereit bin.

Dass die Linke nun den Wiederaufbau des Turms ablehnt, macht Ihnen kein Kopfzerbrechen?

Stolpe: Über den Wiederaufbau entscheidet ja nicht die Linke. Der Wiederaufbau des Turms mit der Kapelle ist ein Kerngedanke. Schließlich wurde die alte Heilig-Kreuz-Kapelle damals böswillig zerstört. Die äußerliche Form des Turms muss man aus Respekt vor den barocken Baumeistern wiederherstellen. Man kann da nicht etwas ganz anderes bauen. Darüber wollen wir gern diskutieren

Warum tut sich die Linke so schwer mit dem Wiederaufbau?

Stolpe: Es ist unterschwellig wohl eine Verteidigung der SED-Position von 1968. Ideologisch unterschwellig ist da der Gedanke: Schon wieder Kirche! Und die Sorge, dass eine Preußenrestauration kommt. Das halte ich aber für ganz abwegig. Der rote Adler hat den Preußenadler überholt.

Kritisiert wird auch, dass das Konzept eines Versöhnungszentrums nie wirklich konkret wurde. Mittlerweile ist das Ganze zusammengeschrumpft auf zwei kleine Eckchen in der Kapelle, wo der Hitler-Attentäter und der Opfer der DDR-Diktatur gedacht werden soll.

Stolpe: Das stimmt nicht. Es soll eine ganze Etage geben, die von der Erinnerungskultur geprägt wird. Es hängt auch davon ab, was bei den Inhalten passiert, bei der Bildung und wie Toleranz eingeübt wird. Das fängt damit an, dass man mit den Linken reden muss, was sie wollen. Sie sollen ja nicht in die Kirche eintreten. Aber Toleranz bedeutet, dass man die Meinungen anderer respektiert.

Das Projekt hat bislang noch nicht wirklich Strahlkraft entwickelt.

Stolpe: Wir hatten einen Mehrfrontenkrieg zu führen im Kuratorium. Zum einen gegen Max Klaar, der bekanntlich nichts vom Versöhnungszentrum hält, aber mit seiner Stiftung nach wie vor Spenden für die Garnisonkirche sammelt. Einige von uns sind in der Vergangenheit etwas leisegetreten in dem Glauben, Klaars sieben Millionen so bekommen zu können, und haben sich nicht genug abgegrenzt. Klaars Beweihräucherung des preußischen Militarismus sollte aber ein Schreckgespenst sein. Der zweite Punkt, mit dem wir intern zu kämpfen hatten, war die Auseinandersetzung um den inneren Ausbau des Turms, um die Kapelle. Mit ihrer jetzigen Form, die an die alte Heilig-Kreuz-Kapelle erinnert, bin ich sehr zufrieden. Es war ja die Erinnerung an diese Kapelle, die mich motiviert hat, beim Wiederaufbau mitzumachen.

Macht Ihnen das keine Sorgen, dass der Wiederaufbau anscheinend noch nicht das Herz der Potsdamer erobert hat?

Stolpe: Ich fahre sehr oft mit dem Taxi und kenne fast jeden Taxifahrer persönlich. Anfangs gab es richtigen Widerstand wegen des Umbaus der Breiten Straße an der Baustelle Garnisonkirche. Aber jetzt haben sie gemerkt, dass sie daran vorbeikommen. Eines stimmt aber: Wir haben eine Mehrheit der Bevölkerung noch nicht gewonnen. Wir haben bei den Zugereisten mehr Befürworter als bei den Menschen jenseits der Havel.

Wie wollen Sie sie überzeugen?

Stolpe: Durch den Dialog. Ich bin tolerant gegen andere Meinungen, aber ich wünsche mir im Gegenzug Toleranz von deren Seite. Wir brauchen die Kirche als Wiedergutmachung. Viele- sogar bis in die SED hinein - hielten die Sprengung 1968 für eine Schandtat. Hier könnte nun ein Ort der Mahnung gegen Rassismus und Intoleranz entstehen, wo zum Beispiel die Kooperation mit "Tolerantes Brandenburg" oder dem Aktionsbündnis gegen Gewalt und Rassismus möglich wäre.

Von Gegnern wie der Initiative "Potsdam ohne Garnisonkirche" kommt der Einwand, dass die Kirche durch den "Tag von Potsdam" als Stätte eines Nazi-Staatsakts auf ewig moralisch beschädigt ist. Was sagen Sie diesen Kritikern?

Stolpe: Wir haben den Reichstag auch nicht abgerissen - trotz seiner Vorgeschichte.

Sie wirken insgesamt sehr zuversichtlich, was den Wiederaufbau angeht. Fast so, als wüssten Sie insgeheim schon, dass 2014 eine fette Millionenspende ins Haus steht.

Stolpe: Na, nicht nur eine!

Interview: Ildiko Röd und Ulrich Wangemann

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