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Potsdam Die Glückskämpfer aus Potsdam
Lokales Potsdam Die Glückskämpfer aus Potsdam
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07:15 17.11.2017
Christin Scholz (r.) führt den Verein an. Ihre Mutter Heidrun unterstützt sie im Vorstand. Quelle: Melanie Homfray
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Potsdam

Als sie dreißig war, kam der Krebs zurück. „Das Schlimmste war, meine Familie zu sehen – zu sehen, wie sie mitleidet“, sagt Christin Scholz. Egal, ob Eltern, Ehepartner oder Kinder: Erkrankt jemand an Krebs, belastet das auch die Angehörigen, denn Krebs ist eine Familienkrankheit. Die Diagnose verändert von einem Augenblick auf den anderen alles.

Christin Scholz hat das zweimal erlebt. „Kämpfen, leiden, hoffen – das ist der Alltag mit Krebs“, sagt die heute 35-jährige Potsdamerin. Chemotherapie und Operationen haben wohl die Krebszellen in ihrem Körper vernichten können. Doch die Sorgen und Ängste, die der Krebs mit sich brachte, sind bei ihr geblieben. „Ich habe mich damals so oft allein gefühlt mit meinen tausend unbeantworteten Fragen“, sagt Christin Scholz. „Einfach mal reden, jemandem die Gedanken anvertrauen, die man mit Freunden und der Familie vielleicht nicht teilen möchte, um sie nicht noch mehr zu belasten – das hat mir gefehlt.“

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Krebshilfe aus der Sicht einer Betroffenen

Diese Leerstelle möchte Christin Scholz gern füllen und mit ihrer Erfahrung für andere Krebspatienten da sein. „Natürlich kann ich auch nicht alles wissen, denn jeder erlebt die Erkrankung anders“, sagt sie. „Aber ich kann aus der Sicht einer Betroffenen sprechen.“

Bereits Ende 2016 hat Christin Scholz einen Verein gegründet – „ein absoluter Wunsch“, wie sie sagt. „Glückskämpfer“ möchte sich für Krebskranke und ihre Angehörigen stark machen und ihnen den schweren Weg durch die Krankheit leichter. Dabei möchten Christin Scholz und ihre derzeit sieben Mitstreiter Betroffenen nicht nur eine ganz persönliche, seelische Unterstützung geben und mit Rat und Tat zur Seite stehen. In besonderen Härtefällen wollen sie auch finanziell einspringen, denn nicht wenige Patienten geraten durch eine langwierige Krebserkrankung in Geldnot. „Ich weiß, wie unangenehm es sein kann, bei Behörden anzuklopfen und sich als Bittsteller zu fühlen“, sagt Christin Scholz. „Uns ist es wichtig, schnell und unkompliziert zu helfen und genau da anzusetzen, wo es gerade erforderlich ist.“

Etwas für die Gesellschaft tun

Wie schnell man ins finanzielle Abseits geraten kann, hat Christin Scholz selbst erfahren. „Der Krebs und die Chemo haben meinem Körper zugesetzt“, sagt sie. „Arbeiten kann ich heute nicht mehr. Umso schöner ist es, dass ich mit Glückskämpfer eine Aufgabe habe und etwas für die Gesellschaft tun kann – etwas das gebraucht wird.“

Natürlich gehe es dem Verein auch darum, einfach nur Freude zu schenken und Herzenswünsche – große und kleine – zu erfüllen. Dabei sind die Glückskämpfer auf Spenden und Kooperationen angewiesen. „Unser Budget ist noch klein“, so Christin Scholz. Dennoch könne man einer Patientin einen Besuch in der Koch-Show von Sternekoch Alexander Herrmann ermöglichen. In Berlin habe man gerade erst drei Frauen miteinander bekannt gemacht und sie ins Kino eingeladen. Für den 1. Dezember warten ein paar Alba-Tickets auf sportbegeisterte Krebspatienten.

„In kleinen Schritten geht es voran“, sagt Christin Scholz, die im Verein den Vorsitz innehat und vom ganz großen Sprung träumt: „Mein Ziel ist es, dass jede Krankenschwester, egal, in welchem Krankenhaus in Deutschland, ihren Krebspatienten sagen kann: Die Glückskämpfer können helfen.“

Gemeinsam gegen den Krebs

Etwa 500000 Menschen erkranken laut der Deutschen Krebshilfe jedes Jahr neu an Krebs. Demnach können etwa die Hälfte der erwachsenen Krebspatienten und vier von fünf betroffenen Kindern heute geheilt werden. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer und Frauen bei 69 Jahren. Es gibt aber auch Krebsarten, die vor allem jüngere Erwachsene betreffen. Dazu gehört beispielsweise Hodenkrebs: Das mittlere Erkrankungsalter liegt hier bei 38 Jahren.

Große und kleine Wünsche erfüllt der Potsdamer Verein Glückskämpfer. Gerade hat er Tickets für das Basketballspiel von Alba Berlin gegen die Gießen 46ers für sportbegeisterte, an Krebs erkrankte Erwachsene und ihre Angehörigen zu vergeben. Wer Interesse hat, meldet sich einfach beim Verein. Das Spiel findet am 1. Dezember in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin statt. Beginn ist um 19 Uhr.

Zu erreichen sind die Glückskämpfer im Internet unter www.glueckskaempfer.de und telefonisch unter 0331/81 32 86 60. nf

Von Nadine Fabian

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