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Potsdam Die Hüterin der Götter von Sanssouci
Lokales Potsdam Die Hüterin der Götter von Sanssouci
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06:52 28.06.2019
Inmitten ihrer Schätze – seit 1981 ist Saskia Hüneke die Kustodin der Skulpturensammlung in der Schlösserstiftung. Am Freitag geht die Kunstwissenschaftlerin in den Ruhestand. Quelle: Stefan Gloede
Potsdam

Wenn vor dem Mauerfall Gäste aus dem Westen durch Sanssouci wandelten und angesichts der Götterfiguren aus Marmor von den antiken Originalen in Florenz und Rom schwärmten, ging das Saskia Hüneke nahe. „Das tat schon weh“, sagt sie im Rückblick, denn die Kunsthistorikerin kannte damals viele Werke berühmter Bildhauer selbst nur aus der Literatur. Bildungsreisen nach Italien oder Frankreich waren ihr in der DDR verwehrt.

5800 Kunstwerke aus Stein, Metall oder Porzellan waren in ihrer Obhut

Seit 1981 ist Saskia Hüneke die Kustodin der Skulpturensammlung der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten (SPSG) – und behütet etwa 5800 Kunstwerke aus Sandstein, Marmor, Bronze, Kupfer, Gips, Porzellan und Terrakotta, sogar einige Stücke aus Holz gehören dazu. Allein im Park von Sanssouci ist sie für fast 1000 Werke aus Sandstein und nahe zu 200 weitere aus weißem Carrara-Marmor verantwortlich.

Saskia Hüneke in der Skulpturenhalle auf dem Schirrhof. Dort stehen auch die barocken Originale der griechisch-römischen Götter von der Fontäne unterhalb von Schloss Sanssouci. Quelle: Stefan Gloede

Hinzu kommen die zahlreichen Figuren und Büsten innerhalb der preußischen Schlösser von Caputh bis nach Rheinsberg. Heute gibt Saskia Hüneke die Verantwortung für ihre Schätze ab, es ist ihr letzter Tag als Kustodin. Am Montag beginnt für die 65-Jährige der Ruhestand.

Die Oster-Inseln ließen ihr Interesse an Archäologie erwachen

Am Anfang standen die monumentalen Figuren der Oster-Inseln. Die sah sie in einem Buch von Thor Heyerdahl, das sie als Kind geschenkt bekam. „Ich wollte Archäologie und Völkerkunde studieren“, verrät Hüneke. Doch sie wurde in ein evangelisches Elternhaus in Greifswald geboren, ihre Eltern waren Musiker, ihr Vater der Domkantor. Das begehrte Studium rückte aufgrund dieser Herkunft in weite Ferne.

Zahlreiche Götter, Könige und andere Wesen gehören zur Skulpturensammlung der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten. Was nicht in den Parks oder Schlössern seinen Platz hat, befindet sich im Depot. Die Hüterin all dieser Kunstwerke ist Saskia Hüneke, die jetzt in den Ruhestand geht.

„Geh’ doch nach Sanssouci, dann klappt das auch mit dem Studium“

„Geh’ doch nach Sanssouci, dann klappt das auch mit dem Studium“, wurde ihr geraten, sodass sie als 18-Jährige nach Potsdam kam. „Ich wurde Besucherführerin im Neuen Palais“, sagt sie.

Im Sozialismus standen nicht die preußischen Herrscher im Fokus, sondern die Künstler und Handwerker der royalen Ausstattung. Das Interesse an Archäologie trat zurück – stattdessen bewarb sie sich nun Jahr um Jahr um einen der DDR-weit zehn Studienplätze für Kunstwissenschaften und -geschichte. 1975 erhielt sie die Zusage aus Leipzig, wo sie auch zeitgenössische Kunst abseits der staatlichen Ästhetik und ihren späteren Ehemann kennenlernte.

Zur Sammlung gehören höchst unterschiedliche Objekte. Etwa das weiße Gipsmodell der Fortuna, die auf dem Fortunaportal am Stadtschloss schwebt, und zahlreiche Sandsteinputten, die ursprünglich in der Potsdamer Innenstadt ihren Platz hatten. Quelle: Stefan Gloede

Nach der Diplomarbeit über die Marmorkolonnade im Park von Sanssouci kehrte sie zurück nach Potsdam, fing 1980 in der Graphischen Sammlung der Schlösserverwaltung an. „Als eine meiner ersten Aufgaben habe ich die Architekturpläne des Potsdamer Stadtschlosses inventarisiert“, erinnert sie sich. Nur ein Jahr später, im November 1981, wurde Hüneke wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Skulpturensammlung - „den Begriff des Kustos haben wir damals nicht benutzt“, sagt sie.

1993 wurden auf ihre Initiative Stadtschlossfiguren aus dem Wald geborgen

Sie aktualisierte das bis heute maßgebliche Handbuch der Bildwerke im Park Sanssouci, arbeitete zahllosen Ausstellungen der Stiftung zu, begann das Mammutprojekt eines Bestandskatalogs. Auch die Bergung von Figuren des Potsdamer Stadtschlosses in einem Waldstück nahe dem Neuen Palais 1993 und die Ausstellung „Minervas Mythos“ geht auf ihre Initiative zurück – ein wichtiger Impuls für die Rekonstruktion des Potsdamer Stadtschlosses.

Die Skulpturen und Büsten der Sammlung sind hunderte oder gar tausende Jahre alt. Damit sie weitere Jahrhunderte unversehrt bleiben, braucht es einen langen Atem. Tatsächlich nahmen die größten Projekte ihrer Zeit als Kustodin Jahrzehnte in Anspruch. „Zwei wesentliche Probleme mussten wir lösen“, sagt sie und meint damit stets auch die Mitarbeiter der Skulpturenwerkstatt, die viele ihrer Aufgaben als Hüterin in die Tat umsetzten.

Die „Venus“ vom großen Französischen Rondell im Park Sanssouci stammt aus dem 18. Jahrhundert. Hinter dem Original steht das Modell, welches in weißem Marmor kopiert und dann im Park aufgestellt wurde. Quelle: Stefan Gloede

Die zwei größten Aufgaben ihrer Karriere beschäftigten sie Jahrzehnte

Das eine Problem ist heute für jeden Parkbesucher sichtbar gelöst. Die Götterfiguren des Französischen Rondells, direkt vor den Weinbergterrassen von Sanssouci erstrahlen heute wieder in unversehrter Schönheit. 1981 waren diese zwölf Meisterwerke schwer geschädigt, weil sie viele Winter lang nicht eingehaust waren. Sie gehörten eigentlich sofort in ein Depot. Doch die einzigartigen Stücke ersatzlos aus dem Park zu entfernen war keine Option.

„Sie sind ein wesentlicher Baustein im kunsthistorischen Gebilde, das Sanssouci darstellt“, sagt sie. Ohne die Geschichte und Anspielungen der Figuren fehlt dem Park ein Teil seiner Bedeutung. Angemessene Kopien zu schaffen war jedoch in der DDR unmöglich. „Die Restaurierungswerkstatt hat es mit jugoslawischem Marmor versucht“, erinnert sie sich. Das misslang. Der feinkörnige Carrara-Stein musste es sein. Direkt nach der Währungsunion 1990 begann dann der Marmor-Einkauf in Italien.

Für ein Skulpturendepot kämpft Saskia Hüneke seit 1981

20 Jahre dauerte es, bis alle Originale durch hochwertige Kopien ersetzt waren– „dort stehen jetzt eigenständig Kunstwerke“. Die Originale stehen nun mit zahllosen anderen Figuren und Fragmenten im alten Depot auf dem Schirrhof, das schon bei seiner Errichtung 1975 ein Provisorium war – das zweite drängende Problem der Kustodin.

Zahllose Büsten berühmter Persönlichkeiten sind in den Regalen untergebracht. Quelle: Stefan Gloede

„Die ersten Schritte für einen Neubau unternahm ich schon 1981, als ich in der Skulpturensammlung anfing“, sagt Hüneke. Über die Jahre brachte sie zahllose Objekte als Depot ins Spiel – etwa den Kutschstall oder die Ruinenberg-Kaserne und kämpfte ausdauernd für die Sammlung. „Ich bin nicht verbissen. Dazu bin ich viel zu glücklich. Aber ich bleibe dran und das kann auch unbequem sein“, sagt sie über die Durchsetzung ihrer Ziele.

2018 wurde der Bau einer neuen Halle für die Figuren beschlossen

Erst 2018 kam die Erlösung – der Stiftungsrat beschloss, dass hinter dem neuen Kunstgutdepot am Hauptbahnhof eine moderne Skulpturenhalle errichtet werden soll. „Ich bin ungemein glücklich, dass nun die Planung beginnt“, sagt sie.

Der Ruhestand ist für Hüneke kein Ende ihrer Arbeit. Gerade wurde sie von über 4000 Potsdamern erneut zur Stadtverordneten der Grünen-Fraktion gewählt. Und es gibt unerledigte wissenschaftliche Forschungen, die nun aus der Schublade kommen. Ihre Schätze stehen still, Saskia Hüneke wirkt weiter.

Von Peter Degener

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