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Potsdam Krampnitz-Tram: Fünf Probleme, die für jahrelange Verzögerungen sorgen können
Lokales Potsdam Krampnitz-Tram: Fünf Probleme, die für jahrelange Verzögerungen sorgen können
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11:16 07.08.2019
Hier endet die Tram in den Norden bislang. Langfristig soll die Straßenbahn aber vom Campus Jungfernsee bis nach krampnitz führen. Quelle: Peter Degener
Neu Fahrland

Die Straßenbahn-Anbindung ist für das geplante Quartier Krampnitz im Potsdamer Norden essenziell. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass es noch immer viele offene Fragen bei der Führung der Trasse gibt und sich der Ausbau um mehrere Jahre verzögert. Die fünf größten Schwierigkeiten liegen dabei rund um die Nedlitzer Insel.

1. Ein Tunnel führt die Tram auf die Westseite der Bundesstraße

Das geplante Wohngebiet Krampnitz liegt westlich der Bundesstraße 2 – die Straßenbahntrasse verläuft allerdings östlich der Straße und wird aus Platzgründen auch über die Nedlitzer Insel hinweg auf dieser Seite geplant. Um nicht durch eine Ampel den Verkehrsfluss alle paar Minuten zu stoppen, ist eine Über- oder Unterführung der Straßenbahn nötig.

Hier wollen sich die Verkehrsbetriebe laut einer Voruntersuchung, die Ende 2018 abgeschlossen wurde, mit einer natürlichen Hügelkuppe hinter dem Heinrich-Heine-Weg behelfen. Denn zur Straße Am Stinthorn senkt sich das Gelände deutlich ab – hier könnte eine Brücke errichtet werden, die Auto- und Radverkehr auf den höchsten Punkt der Kuppe hebt, während die Straßenbahn kreuzungsfrei darunter hindurch von der Ost- auf die Westseite geführt wird.

Die Hügelkuppe kurz vor der Straße Am Stinthorn bietet die Möglichkeit einer Unterführung für die Tram. Die Autos könnten mit einer Brücke auf die Kuppe geführt werden, während die Straßenbahn von der rechten Straßenseite kreuzungsfrei auf die linke, westliche Seite der Bundesstraße fahren kann. Quelle: Peter Degener

Über mögliche Kosten der Autobrücke ist noch nichts bekannt. Sicher ist, dass auf diesem Teilstück der Trasse große Eingriffe in den Wald nötig sind, der direkt an die Bundesstraße heranreicht. Von der Nedlitzer Insel bis zum Eingangsbereich in das neue Quartier am Krampnitzer Kasernenturm sind es rund anderthalb Kilometer Strecke.

2. Das denkmalgeschützte „Chausseehaus“ steht im Weg

Ein kleines Baudenkmal steht im Weg der neuen Trasse und könnte dem Gleiskörper geopfert werden. Das historische „Chausseehaus“ wurde für den Brückenwächter um 1851 im Zusammenhang mit dem Gutshaus und der nördlichen Brücke aus der Hand von Ludwig Persius errichtet und steht unmittelbar am Straßenrand der Bundesstraße 2. Die Voruntersuchung des Verkehrsbetriebs sieht nur eine machbare Variante an dieser Stelle vor. „Verschiebung Baudenkmal“ steht auf dem Plan.

Das „Chausseehaus“ steht direkt an der Bundesstraße 2 hinter der Nordbrücke, deren Geländer bis zu dem Denkmal führt. Das Haus steht den Gleisen im Weg. Quelle: Peter Degener

Ob der Aufwand einer Verschiebung tatsächlich betrieben oder am Ende das Baudenkmal zugunsten der Tramgleise abgerissen wird, ist noch völlig offen. Das zuletzt für Wohnzwecke genutzte Haus befindet sich in einem passablen Zustand, steht leer und ist in Privatbesitz. Unmittelbar davor befindet sich ein Nebengebäude der Villa Adlon, das im Plan als „Gästehaus“ bezeichnet wird und ebenfalls ein eingetragenes Denkmal ist – dieses Haus müsste nicht weichen, stünde aber unmittelbar an der neuen Straßenbahn-Trasse.

3. Abriss der Nordbrücke – sie ist zu schmal

Die Nordbrücke der Insel muss abgerissen und durch einen breiteren Neubau ersetzt werden. Das geht aus der Voruntersuchung des Verkehrsbetriebs hervor, in der von einem 54 Meter langen „Ersatzneubau“ die Rede ist, also dem Abriss der bestehenden Brücke zugunsten eines Neubaus. Die neue Brücke über die schmale Verbindung von Weißem See und Lehnitzsee soll mit 21,5 Meter etwa achteinhalb Meter breiter als die heutige Brücke sein, um die Tramgleise aufnehmen zu können.

Die Nordbrücke wurde erst 2003 errichtet – sie muss durch einen breiteren Neubau ersetzt werden. Quelle: Peter Degener

Der heutige Bau mit seiner Verzierung aus gelben Klinkern und den markanten Pfeilertürmchen ist noch gar nicht alt – die Brücke wurde erst 2003 dem Verkehr übergeben und war selbst ein Ersatzneubau. Die ursprüngliche, denkmalgeschützte Bogenbrücke von Ludwig Persius aus dem Jahr 1854 war durch Kriegsschäden, unsachgemäße Sanierung, Feuchtigkeit und den starken Verkehr seit den Neunziger Jahren schwer geschädigt. Der Neubau wurde bei eingeschränktem, aber immerhin laufendem Verkehr errichtet.

4. Die Tschudistraße wird für die Gleise verlegt

Über die Insel hinweg führt die Bundesstraße 2, die hier Tschudistraße heißt. Auf ihrer Ostseite stehen nahe an der Straße hinter einer Baumreihe zahlreiche Gebäude. Weil die Gleise aber an genau dieser Seite der Straße entlangführen sollen, muss die Tschudistraße nach Westen verschoben werden.

Die Tschudistraße, teil der Bundesstraße 2, muss nach Westen verschwenkt werden, was auf diesem Bild nach links bedeutet. Zahlreiche Bäume rechts der Straße müssen vermutlich dem Gleisbau geopfert werden. Quelle: Peter Degener

Dort ist ebenfalls eine umfangreiche Bebauung geplant, die aber noch nicht begonnen hat. Der dort tätige Investor Robex hat aber nach eigenen Angaben mit der Stadt ausgemacht, einen langen Streifen seines Grundstücks für die Verlegung der Bundesstraße zur Verfügung zu stellen. „Es gibt noch keine Vereinbarung, nur eine Planung. Wir wollen rund 1500 Quadratmeter kostenfrei an die Stadt geben, um das Problem zu lösen. Die Tram mit einer Haltestelle auf der Insel ist ja in unserem Interesse“, sagt Projektleiter Frank Tänzler.

Derzeit ist die Tschudistraße samt Gehwegen rund 14 Meter breit. Durch den Gleiskörper, breite Radfahrstreifen und Gehwege wächst der Straßenraum auf der Mitte der Insel auf 26 Meter an. Vor dem historischen Gutshaus von Persius am Nordende der Insel schwenkt sie dann zurück auf ihren bisherigen Verlauf.

5. „Trambrücke des Friedens“ muss gebaut werden

Das dritte Brückenbauwerk für die Straßenbahn-Strecke nach Krampnitz, das neu gebaut werden muss, entsteht neben der Nedlitzer Südbrücke. Diese bestehende Autobrücke führt an dieser Stelle über den Sacrow-Paretzer Kanal auf die Insel hinauf. Die moderne Stabbogenbrücke wurde Ende 2011 fertiggestellt und ersetzte die historische „Brücke des Friedens“, die sich rechts daneben befand. Wie auch die Nordbrücke ist die Südbrücke zu schmal für eine eigene Gleis-Trasse.

Die Nedlitzer Südbrücke – rechts davon soll eine Trambrücke nach Norden auf die Nedlitzer Insel führen. Quelle: Peter Degener

Genau am Standort der einstigen „Brücke des Friedens“ muss daher eine eigene Straßenbahnbrücke errichtet werden, die die Gleise von der Endhaltestelle am Campus Jungfernsee nach Norden führt. Abgesehen von den Kosten der Brücke – die Autobrücke direkt daneben kostete rund 6,3 Millionen Euro – sind hier keine größeren Schwierigkeiten zu erwarten. Im Gegensatz zur Autobrücke an der Hügelkuppe und dem Neubau der Nordbrücke müssen für die „Trambrücke des Friedens“ keine Baudenkmale aus dem Weg geschafft oder zahlreiche Bäume gefällt werden.

Von Peter Degener

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