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Potsdam Die Kabarettistin Gretel Schulze ist tot
Lokales Potsdam Die Kabarettistin Gretel Schulze ist tot
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00:23 08.04.2019
Gretel Schulze kurz nach Eröffnung der neuen Bühne des Kabaretts „Obelisk“ in der Charlottenstraße. Quelle: Christel Köster
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Innenstadt

Die Potsdamer Kabarettistin Gretel Schulze ist tot. Das hat das Ensemble des Kabaretts „Obelisk“ am Donnerstagabend mitgeteilt: „Mit Bestürzung haben wir die unfassbare Nachricht entgegen nehmen müssen, dass unsere geliebte Kollegin und Prinzipalin in den Morgenstunden des 4. April im Bergmann-Krankenhaus gestorben ist.“

Gretel Schulze 2007 mit Andreas Zieger und Helmut Fensch. Quelle: Bernd Chmura

In Oberhavel geboren

Gretel Schulze, geboren zu Silvester 1948 in Velten (Oberhavel), studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Babelsberg Regie.

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Sie arbeitete zunächst am Hans-Otto-Theater. Regie führte sie unter anderem 1980/81 beim „Jahrmarktsfest zu Plundersweilern“ von Peter Hacks und 1981/82 bei „Gavroche“ von Peter Ensikat. Gretel Schulze ging mit Chansons auf Tour und war seit 1990 festes Ensemblemitglied und eine der prägenden Darstellerinnen der Potsdamer Satirebühne „Obelisk“.

Das Kabarett „Obelisk“ wurde 1978 in der Schopenhauerstraße eröffnet. Seit 1997 hat es seinen Sitz in der Charlottenstraße.

„Sie war so ein netter Mensch und immer aufgeschlossen“, sagt Dagmar Neugebauer, die 1992 gemeinsam mit Gretel Schulze die Geschäftsführung des Kabaretts übernommen hatte.

Besonders im Gedächtnis

Besonders in Erinnerung sei ihr die Inszenierung von Ulrich Plenzdorfs „Freiheitsberaubung“ geblieben, in der Gretel Schulze Andreas Zieger als Gorbatschow „mit der Delle am Kopf“ auf die Bühne schickte.

Als Geschäftsführerin habe Gretel Schulze das Kabarett durch schwere Zeiten geführt, sagt Dagmar Neugebauer, die damit nicht zuletzt auf die Nachwendezeit und das mehrfach drohende Aus der Bühne anspielt.

Gretel Schulze selbst hat immer wieder kritisiert, dass ihr Haus im Gegensatz zu anderen Kultureinrichtungen schon seit vielen Jahren nicht mehr von der Stadt gefördert werde.

2017 wechselte sie erstmals ins Operettenfach: In der Biosphäre führte Gretel Schulze auf Einladung des Collegiums musicum Potsdam Regie bei Franz von Suppés „Die schöne Galathée“.

Andreas Zieger und Gretel Schulze 2018 mit Gulaschkanone als Gastgeber der Feier zum 40. Jubiläum des Kabaretts. Quelle: Volker Oelschläger

Einen letzten großen Marathon bewältigte Gretel Schulze im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihrem Ensemble mit dem Programm zum 40. Jubiläum der Potsdamer Satirebühne. „Sie war eine echte Powerfrau“, sagte eine Kollegin aus ihrem engsten Umkreis am Donnerstagabend.

„Es ist sehr traurig und macht bestürzt, dass Gretel uns verlassen hat“, schrieb der dem Kabarett „Obelisk“ eng verbundene Potsdamer Cartoonist Bernd Chmura auf Facebook. „Viel zu früh hat Gretel die Bühne verlassen“ schrieb Tatjana Meissner, über Jahre selbst Ensemblemitglied des „Obelisk“. Gretel Schulze habe das Kabarett in Potsdam „über viele Jahre geprägt, sie war eine tolle Künstlerin und wird fehlen“, so Tatjana Meissner.

Starke Frau und Kämpferin

„Eine starke Frau und Kämpferin für den Erhalt der kulturellen Vielfalt“, schrieb Monika Keilholz, die langjährige Geschäftsführerin des Lindenpark. „Ein Geschenk für die Kultur dieser Stadt und keine konnte die Merkelraute so gut wie Gretel Schulze“, schrieb Kabarett-Fan Ralph Richter.

Die Landtagsabgeordnete Klara Geywitz (SPD) schrieb: „Gretel Schulze hat Potsdams Entwicklung über Jahrzehnte mit spitzer Zunge und Humor begleitet. Sie wird fehlen.“

Das Programm des Kabaretts wird fortgesetzt: „Alle im Spielplan angezeigten Vorstellungen finden ganz in ihrem Sinne statt“, teilte die Bühne am Abend mit.

Von Volker Oelschläger