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Potsdam Potsdams Wahlkreis 5: das beschäftigt die Einwohner
Lokales Potsdam Potsdams Wahlkreis 5: das beschäftigt die Einwohner
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00:23 23.05.2019
Die Heinrich-Mann-Allee zieht sich durch den gesamten Wahlbezirk 5 – ihre Bäume dürfen aber bleiben.
Potsdam

Mit dem Fahrrad sind es auf direktem Wege nur rund zwanzig Minuten: Wer die Heinrich-Mann-Allee vom Bahnhof Rehbrücke bis hinauf zum Alten und Neuen Friedhof, zum Bahnhof und in die Stadt radelt, fährt einmal quer durch den Wahlkreis 5. Die Straße führt wie eine Lebensader entlang der Stadtteile Waldstadt I, Waldstadt II, am Schlaatz vorbei bis hinauf in die Teltower Vorstadt. Doch so einfach und gradlinig der Weg durch die Kieze ist – so unterschiedlich sind die Sorgen und Bedürfnisse der Menschen in den Stadtteilen.

Wer sich davon ein Bild machen möchte, biegt bei seiner Radtour nach dem Start am Bahnhof Rehbrücke schon wenige hundert Meter weiter gleich wieder links in die Waldstadt II ein und trinkt einen Kaffee im Hanns-Eisler-Klub.

Jens Krahmer (l.) und Jürgen Knape vom Breitband e.V vor dem Jugendclub „Hanns-Eisler" in der Saarmunder Straße 66. Quelle: Bernd Gartenschläger

Das Kulturhaus wird vom Verein Breitband betrieben, der sich seit 20 Jahren für Kinder- und Jugendprojekte, vor allem aber für die Waldstadt einsetzt. Jürgen Knape und Jens Krahmer leiten den Verein. Beide sind Ur-Waldstädter – hier geboren, hier verwurzelt. Beide engagieren sich leidenschaftlich für ihren Stadtteil, den sie nie in Teil eins und zwei trennen, sondern immer als eine Waldstadt begreifen.

Und beide sorgen sich, dass ihr Stadtteil von der Politik vernachlässigt wird: „Ich glaube, der Gedanke in der Verwaltung ist schnell: Ach, in der Waldstadt läuft’s schon. Da gibt es keine Probleme“, sagt Knape. Doch um die Identität des Stadtteils zu bewahren, müsste dringend etwas passieren. Vor allem bräuchte es endlich ein Quartiersmanagement, um die vielen kleinen Initiativen und Vereine zu fördern und zu vernetzen – und um das kulturelle Angebot in der Waldstadt zu verbessern. „Wir brauchen zum Beispiel einfach mal wieder ein Stadtteilfest. Und ein Bürgerhaus wie im Schlaatz gibt es hier auch nicht“.

Umstrittener Schulcampus

Im Zentrum der Waldstadt – ein kleines Stück weiter die Heinrich-Mann-Allee hinauf und dann wieder links ab – steht stattdessen das Waldstadt-Center. Großer Supermarkt, großer Parkplatz, eine alte Postfiliale – alles grau in grau. „Wer bei uns ins Zentrum kommt, denkt sich auch: Meine Güte ist es hier oll“, sagt Knape.

Dabei ist die Waldstadt so viel mehr – vor allem ist sie grün. Und Spielplätze gibt es an fast jeder Ecke. „Die meisten Bewohner wollten nie herziehen. Doch seit sie hier sind, wollen sie nie wieder weg“, sagt Knape. „Sie müssen mal am Nachmittag auf den Abenteuerspielplatz gehen. Da treffen sich die Leute und tauschen sich aus.“

Die Waldstadt macht ihrem Namen alle Ehre – und präsentiert sich grün so weit das Auge reicht; hier am Kiefernring. Quelle: Bernd Gartenschläger

Viele dieser Anwohner haben sich beschwert – und beschweren sich zum Teil noch immer über den geplanten neuen Schulcampus am südlichen Ende der Waldstadt. Im Februar hatte das Land Brandenburg die Pläne der Stadt für den Campus abgeschmettert – das geplante Projekt greife zu stark in das Landschaftsschutzgebiet ein. Die mittlerweile verkleinerten Pläne sind nun im Großen und Ganzen abgesegnet.

Fraglich ist noch, wo die geplanten Sportplätze gebaut werden – und wie viel Wald dafür gerodet werden muss. Im Spiel ist der Alternativstandort auf der ehemaligen Kulturbodendeponie in der Nähe. Für Jürgen Knape und Jens Krahmer wäre das ein guter Kompromiss. „Dann würde es die nötige neue Schule geben können und es müsste deutlich weniger Wald abgeholzt werden. Für uns wäre das okay“, sagt Knape.

Er selbst wuchs vor 50 Jahren in der Käthe-Kollwitz-Straße auf. Dort landet, wer vom Waldstadt-Center aus weiter in Richtung Stadt radelt, die Heinrich-Mann-Allee entlang und vor der nächsten Tankstelle rechts in die Waldstadt I abbiegt. Als er dort groß wurde, erzählt Knape, da habe nebenan noch der Mais auf den Feldern gestanden.

Schlaatz gegen Verdichtung

Heute, fünf Jahrzehnte später, steht dort längst ein ganzer Stadtteil. Der Schlaatz ist mit 9500 Einwohnern dicht besiedelt. Für viele Bewohner schon jetzt zu dicht – das wurde beim Spaziergang des Oberbürgermeisters Mike Schubert (SPD) und der Verwaltungsspitze durch den Stadtteil vor einer Woche deutlich. „Die Bürger hier lehnen Verdichtungen ab“, sagte Reinhold Fiedler. Der 79-jährige Anwohner war aufgebracht, argumentierte leidenschaftlich dagegen, die Wohn-Quartiere an den offenen Ecken durch Neubauten zu schließen und auf der grünen Wiese im Stadtteil zu bauen. Anfreunden könne er sich nur damit, wenn in die Höhe gebaut werde, statt Freiflächen zu opfern.

Damit der Stadtteil zudem sein schlechtes Image verliert, gibt es seit dem Februar ein Bündnis für den Schlaatz, das die Stadt zusammen mit den drei größten genossenschaftlichen Eigentümern des Stadtteils gegründet hat. Es soll einen großen Teil der Wohnungen aus den 1980er-Jahren sanieren und Angebote für Senioren und Familien schaffen. Denn auch wenn schon einiges passiert – noch immer ist der Schlaatz der unattraktivste, unsicherste und dreckigste aller Potsdamer Stadtteile. Das jedenfalls ergab die Bürgerumfrage „Leben in Potsdam“ von 2017 – und das muss sich nach Ansicht vieler Anwohner hier ändern.

Durch die Teltower Vorstadt

Wer sich im Anschluss wieder aufs Rad setzt und zurück auf die Heinrich-Mann-Allee fährt, kommt der Stadt immer näher. Auf dem Radweg unter dem dichten Blätterdach der Straßenbäume und entlang der Wahlplakate geht es mitten durch die Teltower Vorstadt.

An dem Grundstück, das hier viele Anwohner bewegt, führt die Straße aber nicht vorbei. Das seit Jahren leerstehende ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) liegt ein Stück weiter nördlich, an der Friedrich-Engels-Straße. Wer dort bauen will, ist noch immer nicht bekannt. Ein wohl ausländischer Investor gibt sich noch geheimnisvoll, will aber ein großes IT-Zentrum auf dem Gelände errichten – und verschreckt mit seinen Plänen zahlreiche Anwohner.

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Rund 60 bis 80 von ihnen haben deswegen die Bürgerinitiative Teltower Vorstadt gegründet. Sie wehren sich dagegen, in die Planungen zu dem Neubau nicht einbezogen worden zu sein. Und sie befürchten, dass durch den Bau und den Investor die Mieten und Grundpreise im Stadtteil steigen werden. „Wir haben Angst davor, dass hier ein Verdrängungskampf beginnt“, sagt Anwohner und Initiativen-Sprecher Rolf Kriete. „Alle Parteien wollen neuen Wohnraum schaffen. Aber man muss doch auch mal den bezahlbaren Wohnraum verteidigen.“

Das letzte Stück der Radtour durch den Wahlkreis 5 führt dann auf der Heinrich-Mann-Allee an der Staatskanzlei vorbei – und zwischen den Straßenbäumen hindurch bis zum Hauptbahnhof. Erst in der vergangenen Woche hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass die Bäume bleiben dürfen. Ein erster Plan für den Ausbau der Heinrich-Mann-Allee hatte vorgesehen, zahlreiche Bäume für die Arbeiten zu fällen. „Doch das wäre ja nun wirklich Unsinn gewesen“, sagt Jürgen Knape vom Verein Breitband. „Damit hätte Potsdam ja eine seine bekanntesten Alleen kaputt gemacht“.

Von Ansgar Nehls

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