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Potsdam Die Verliererin Trauth feiert auch
Lokales Potsdam Die Verliererin Trauth feiert auch
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22:14 14.10.2018
Martina Trauth wurde im Lothar-Bisky-Haus der Linken mit Jubel empfangen. Von bedrückter Stimmung wegen der Niederlage im Oberbürgermeisterwahlkampf war nichts zu spüren. Quelle: Peter Degener
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Potsdam

Martina Trauth wird bejubelt, als sie um kurz vor 20 Uhr ins Lothar-Bisky-Haus kommt. Der Empfang der parteilosen Linken-Kandidaten in der Geschäftsstelle der Partei ist ein herzlicher, bestens gelaunter und nicht der einer Verliererin. Die Stimmung ist an diesem Abend trotz der Wahlniederlage gegen Mike Schubert (SPD) von Beginn an prächtig.

„Nur eine Woche Pause, dann geht es weiter“

„Jetzt feiern wir einfach!“, sagt Trauth mit Blumenstrauß und Sektglas in der Hand nach einer kurzen Ansprache vor rund 30 Genossen. „Ich bleibe euch treu und will mich in der Stadt weiter politisch einbringen“, kündigt sie an. „Nur eine Woche Pause, dann geht es weiter“, sagt sie mit Blick auf die Kommunalwahl im Mai 2019 und den anstehenden nächsten Wahlkampf .

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Das Ergebnis war besser als erwartet und deshalb Grund zum Feiern

Die unerwarteten 44,7 Prozent für Trauth statt eines überragenden Schubert-Sieges sind der Grund für die heitere Stimmung der Genossen. „Wir hatten befürchtet, dass es deutlicher wird. Ich habe mit dem Wahlsieg der SPD gerechnet“, sagt ein Gast auf der Wahlparty. „Ich bin sehr zufrieden, auch wenn das große Ziel, das Rathaus zu erobern, nicht geglückt ist. Die beharrenden Kräfte in der Stadt sind noch zu groß“, sagt Trauth der MAZ. Über ihre künftigen politischen Ambitionen will sie sich aber nicht festlegen.

„Mich aufzustellen war mutig und innovativ“, resümiert Trauth

Sie habe als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt keine Entscheidungsbefugnisse, aber zugleich ein großes Bedürfnis, die Stadt zu gestalten. „Ob ich zur Kommunalwahl kandidiere und ob ich in die Partei eintrete, das lasse ich heute Abend offen“, sagt Trauth auf Nachfrage der MAZ. Sie hatte in ihrer Kandidatur stets betont, dass sie im Falle eines Wahlsiegs parteilos bleiben und überparteilich regieren wolle, auch wenn die Linke eine Partei ist, deren Ziele sie teile. Und sie gesteht: „Ich hätte mehr Zeit gebraucht, um mich bekannter zu machen. Aber als Newcomerin, als Parteilose und auch als Frau ist das ein großartiges Ergebnis“, so Trauth. „Mich aufzustellen war mutig und innovativ“, sagt sei.

Martina Trauth im Lothar-Bisky-Haus beim Blick auf die Ergebnisse. Quelle: Peter Degener

In Potsdam-West hat sie gewonnen, aber überraschend Am Stern verloren

Auch der Potsdamer Kreisvorsitzende Stefan Wollenberg ist zufrieden. „Wir sind dicht herangekommen. Das zeigt, dass viele in dieser Stadt eine andere Politik wollen. Wir haben auch nicht nur in unseren Hochburgen gut abgeschnitten“, sagt Wollenberg. Tatsächlich gehören Potsdam-West und die Brandenburger Vorstadt zu den stärksten Stimmbezirken Trauths. Auch am Schlaatz und in der Waldstadt hat sie gewonnen. Dafür lag Mike Schubert am Stern knapp vorn. „Das finde ich bitter“, sagt der Bundestagsabgeordnete Norbert Müller. Seine Devise für die Kommunalwahl: „Wir wollen wieder stärkste Kraft in Potsdam werden!“ – da brandet im Saal nochmals Jubel auf.

Auch der Vorsitzende der Stadtfraktion, Hans-Jürgen Scharfenberg, der den Wahlabend im Stadthaus verfolgt hat, rümpft die Nase über das Ergebnis am Stern. Er selbst wohnt dort und hatte diesen Stadtteil vor acht Jahren deutlich gewonnen. Trauth dagegen liegt im Wohngebiet 29 Stimmen hinter Schubert. „Das ärgert mich!“, sagt er, aber will das sonstige Ergebnis nicht in Zweifel ziehen. „Nach dem deutlichen Abstand im ersten Wahlgang können wir zufrieden sein“, so Scharfenberg.

Norbert Müller: „Wir als Partei stark und nicht auf Ikonen angewiesen“

„Ihre Kandidatur war definitiv kein Fehler. Es gab nur einzelne Stimmen gegen sie in der Partei. Sie hat mit dem Ergebnis gezeigt, dass sie die richtige Wahl war“, sagt der Kreisvorsitzende Stefan Wollenberg. Für Norbert Müller ist der Fakt, dass Trauth rund zweieinhalbtausend Stimmen mehr bekommen hat, als Hans-Jürgen Scharfenberg 2010, eine wichtige Botschaft. „Das zeigt, dass wir als Partei stark sind. Wir sind nicht auf Ikonen angewiesen“, sagt Müller.

Am Montag vertritt sie gleich den OB auf der Integrationskonferenz

Martina Trauths Leben nach neun Monaten im Oberbürgermeisterwahlkampf geht heute wieder als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt weiter. „Ich vertrete den Oberbürgermeister am Montagmorgen bei der Eröffnung der Integrationskonferenz“, sagt sie. Am nächsten Wochenende reist sie an die Ostsee, um wieder Kraft zu tanken. Danach aber ist die von ihr ausgegebene Woche vorüber – und es geht in den nächsten Wahlkampf.

Von Peter Degener

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