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Potsdam „Die Volkssolidarität war ein Glücksfall“
Lokales Potsdam „Die Volkssolidarität war ein Glücksfall“
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19:31 06.02.2017
Geschäftsführer unter sich: Herbert König (l.) übergibt den Volkssolidarität-Regionalverband Mittelmark an Dirk Brigmann.
Geschäftsführer unter sich: Herbert König (l.) übergibt den Volkssolidarität-Regionalverband Mittelmark an Dirk Brigmann. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Nein, einen Plan B hat er nicht. Auch wenn er ausreichend Zeit hatte, sich in Ruhe auf diesen Tag vorzubereiten. 18 Jahre hat Herbert König an der Spitze der Volkssolidarität in Potsdam und im Potsdamer Umland gestanden. „Die Arbeit war für mich stets mehr als nur Broterwerb, sie war mir Erfüllung, Selbstverwirklichung und Sinnerfüllung“, sagt König. „Es war mir wirklich eine Freude, hier zu arbeiten“. Vielleicht habe er ja genau deshalb keine exzessiven Hobbys, in die er sich als Rentner, der er nun ist, stürzen könne. Obwohl: Rentner, das sei er genau genommen schon eine ganze Weile gewesen. „Ein berufstätiger, siebzigeinhalbjähriger Rentner“, sagt Herbert König, für den die Volkssolidarität „ein Glücksfall“ war, wie er betont.

Von der NVA in die Arbeitslosigkeit und zu einem Neubeginn

„Ich hatte es in den Jahren zuvor nicht leicht“, sagt König. 25 Jahre hat er als Truppen- und Stabsoffizier in der Nationalen Volksarmee in ausschließlich militärischer Verwendung gedient. „Dann kam die Wende. Ich habe die Arbeitslosigkeit kennengelernt und erfahren müssen, was Mobbing ist – auch wenn ich das Wort damals noch gar nicht kannte. Ich habe aber auch gute, lehrreiche Jahre erlebt: Ich habe mich mit Betriebswirtschaftslehre und Arbeitsrecht befasst und mich in der Zusammenarbeit mit Frauen einfinden müssen – das hatte es in meinem ersten Beruf ja nicht gegeben.“ Die Arbeit bei der Volkssolidarität habe ihm sofort zugesagt. „Der Abschied fällt mir nicht leicht, obwohl die Zeit reif dafür ist.“

Die Weggefährten hoffen, dass er der Volkssolidarität verbunden bleibt

Der Abschied fällt auch Mitstreitern und Weggefährten nicht leicht. Dass Herbert König nun wirklich aufhört, das können viele nicht glauben. Und so bedenken ihn Kollegen, Partner und Politiker am Tag der Verabschiedung nicht nur mit Worten des Lobes, des Dankes und der Anerkennung, sondern immer auch mit dem Wunsch, dass er – der Besonnene, der Eloquente, der Beharrliche und stets Ansprechbare – der Volkssolidarität verbunden bleiben möge. Dass Herbert König nicht wie ursprünglich geplant zurück in die thüringische Heimat zieht, sondern in Wildpark-West bleibt, schürt diese Hoffnung. Herbert König hüllt sich derweil in beredtes Schweigen. Irgendwie, irgendwann – das ist in seinem Lächeln zu lesen. Zunächst aber möchte er sich Zeit für die Ehefrau, die drei Kinder und drei Enkel nehmen. „Und dann kommt ja auch noch die goldenen Hochzeit in diesem Jahr!“

Keine einfache, aber eine schöne Aufgabe

Am 1. Januar 1999 hat Herbert König seine Tätigkeit als Geschäftsführer des damaligen Potsdamer Stadtverbandes der Volkssolidarität aufgenommen. „Er hat an der Formung und Formierung des Regionalverbandes Mittelmark aus den drei Bestandteilen Potsdam, Potsdam-Mittelmark und Brandenburg an der Havel maßgeblich mitgewirkt und dessen Existenz – auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht – gesichert“, sagt der Verbandsratsvorsitzende Bernd Niederland. Die Potsdamer Suppenküche, die Betreuung Demenzkranker, die Begegnungsstätten für Senioren, der Erhalt und die Stabilisierung des Mitgliederverbands: Das alles habe Herbert König mit großem Engagement verfolgt, obwohl die Bedingungen nicht einfacher geworden seien: „Dieses Verdienst kann Ihnen keiner nehmen.“ Dem neuen Geschäftsführer Dirk Brigmann wünschte Niederland einen guten Start: „Eine wirklich einfache Aufgabe haben Sie sich nicht ausgesucht, aber eine schöne: Menschen Hilfe zuteil werden zu lassen.“

In Potsdam übernimmt wieder ein Thüringer

Dirk Brigmann (42) stammt wie Herbert König aus Thüringen. Im Jahr 2000 kam er nach Berlin, 2007 nach Potsdam. Der Familienvater ist Diplom-Sozialpädagoge mit Qualifikation fürs Sozialmanagement. Er hat seine Erfahrung in der Wohlfahrtsarbeit unter anderem bei der Christoffel-Blindenmission gesammelt, deren Berliner Geschäftsstelle er geleitet hat. „Einen Selbstläufer kann ich Ihnen leider nicht übergeben“, sagt Herbert König, „aber viele, viele Herausforderungen.“ Mit denen hat sich Dirk Brigmann bereits bekannt gemacht. Er hat sein Amt am 1. Januar angetreten.

Ein Partner nicht nur für ältere Menschen

Die Volkssolidarität ist eine eigenständige, gemeinnützige Wohlfahrtsorganisation, die parteipolitisch und konfessionell unabhängig ist. Sie ist für alle offen, die sich ihrem humanistischen Werteverständnis verpflichtet fühlen.

Gegründet wurde die Volkssolidarität im Oktober 1945 in Dresden. Zu DDR-Zeiten vor allem für ältere Menschen aktiv, kümmert sich die Volkssolidarität seit der Wende auch um Kinder und Jugendliche, um sozial Benachteiligte und Pflegebedürftige.

Rund 180000 Mitglieder in bundesweit mehr als 4300 Mitglieder- bzw. Ortsgruppen zählt die VS; für sie sind 18000 hauptamtliche und etwa 22000 ehrenamtliche Mitarbeiter tätig.

Der Regionalverband Mittelmark – mit Potsdam, Potsdam-Mittelmark und Brandenburg an der Havel – unterhält vier ambulante Pflegedienste, eine Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Demenz und deren Angehörige, ein soziales Zentrum für obdachlose und sozial bedürftige Menschen und fünf Seniorentreffs.

Der Regionalverband ist Arbeitgeber für 110 Mitarbeiter. Rund 6850 eingeschriebene Mitglieder unterstützen den Verband, von ihnen sind etwa 660 aktiv tätig. nf

Von Nadine Fabian

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