Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Die Weiße Villa und der Künstler Wilhelm Schmid
Lokales Potsdam Die Weiße Villa und der Künstler Wilhelm Schmid
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 13.11.2018
Die prächtige Villa am Ufer des Heiligen Sees ist heute unter vielen Namen bekannt – etwa als Villa Wunderkind oder Villa Kameke. Erbaut wurde sie als Villa Metz. Quelle: Peter Degener
Berliner Vorstadt

Die Namen Metz, Kameke, Joop und neuerdings auch Plattner sind mit dem prächtigen Anwesen in der Seestraße 35 am Heiligen See verbunden. Mancher nennt den strahlenden Bau auch nur die „Weiße Villa“.

In der städtischen Sammlung gab es bis 1945 nur ein Bild von Schmid

Ihre Erscheinung verdankt das Haus einem Mann mit dem profanen Namen Wilhelm Schmid. Der 1892 im schweizerischen Remigen geborene Maler, Bauzeichner und Architekt war in Potsdam nahezu vergessen, bis ihm das Potsdam-Museum seine aktuelle Sonderausstellung „Umkämpfte Wege der Moderne. Wilhelm Schmid und die Novembergruppe“ gewidmet hat. Ein einziges Bild von Schmid war vor 1945 in der städtischen Sammlung vertreten, ein Blumenstillleben, das im Krieg verloren ging. Derzeit sind zahlreiche seiner Werke zumindest zeitweise aus seiner Schweizer Heimat in Potsdam zu Gast.

Wilhelm Schmid auf einem Foto aus den Zwanziger Jahren. Quelle: Alexandre Zveiger / Museo d'arte della Svizzera italiana, Lugano

Doch sein künstlerisches Erbe erstreckt sich nicht nur auf Gemälde, sondern auch auf zwei Villen in der Berliner Vorstadt. Umso heller die eine leuchtet, umso zurückhaltender zeigt sich die andere.

Beim Bau der Villa Metz lernt er seine künftige Ehefrau kennen

1914 arbeitete der 22-jährige Wilhelm Schmid im Berliner Büro des Architekten Paul Renner und bekommt einen Auftrag, der sein Leben verändern soll – die Umgestaltung einer erst wenige Jahre zuvor errichteten Villa am Heiligen See in Potsdam. Die Bauherrin: Wanda Metz, die einer Breslauer Musikerfamilie entstammt.

1907 hat ihre Familie das Grundstück am Heiligen See erworben, um Wandas Bruder eine Karriere als Pianist in der Hauptstadt zu ermöglichen. Zunächst wurde ein kleines Landhaus errichtet. Doch nur wenige Jahre später soll daraus eine repräsentative Villa im italienischen Stil werden. Wanda Metz engagiert Renner, der wiederum Schmid beauftragt. Streng und neoklassizistisch ist dessen Entwurf, der sich in manchen Details an das frühklassizistische Marmorpalais auf der anderen Seeseite anlehnt.

Die Villa Metz – streng, neoklassizistisch, italienisch. Quelle: Peter Degener

Die Kammersängerin Maria Metz ist Tochter der Bauherrin

Während dieses Auftrags lernt Schmid auch Maria Metz, die Tochter seiner Bauherrin kennen, einer vier Jahre jüngeren Kammersängerin. „Sie wurde 1896 als Miriam Eleonore Metz in Potsdam geboren und hat die musikalische Ader ihrer Familie geerbt“, erzählt Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam-Museums. „Sie hatte ein sehr breites Repertoire, sang Lieder auf Spanisch, Polnisch, Französisch und Italienisch“, erzählt die Kunsthistorikerin, die im schweizerischen Lugano auch den Nachlass des Paares für die Ausstellung gesichtet hat.

Die Sängerin trat unter dem Pseudonym Maria Alba auf. „Ich möchte mich für heitere aber beste Lieder und Chansons empfehlen“, schreibt sie in einer Bewerbung an das Berliner Theatervarieté und bezeichnet sich darin als „klein, schlank, noch jung“ und „mit hübschen Kostümen“, wie aus dem umfangreichen Nachlass zu erfahren ist.

Maria Schmid, geborene Metz – die Kammersängerin lernte 1914 den Künstler Wilhelm Schmid in Potsdam kennen. Quelle: Alexandre Zveiger / Museo d'arte della Svizzera italiana, Lugano

Wenige Jahre später, am Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 ist Wilhelm Schmid nicht nur Mitbegründer der radikalen „Novembergruppe“ von vorrangig Berliner Künstlern – im gleichen Jahr heiratet er auch seine Maria.

Das Etappenhaus wurde in mehreren Schritten errichtet

So kommt es zum Bau eines zweiten Hauses aus der Feder von Wilhelm Schmid in der Berliner Vorstadt. Ab 1922 errichtet er in der heutigen Böcklinstraße 15/16 ein gemeinsames Haus für seine Frau und sich. „Es handelt sich um das sogenannte Etappenhaus, das je nach den finanziellen Möglichkeiten immer wieder erweitert werden konnte“, erklärt Götzmann das Konzept des Neuen Bauens.

Das Etappenhaus in der Böcklinstraße ist noch immer ein Wohnhaus. Quelle: Peter Degener

Nach dem zweigeschossigen Mittelteil, der 1923 fertig gestellten „Keimzelle“ des Baus, wurden nach und nach – eben in Etappen – zwei Seitenflügel angebaut. Schließlich entstand ab 1927 ein großer, rückwärtiger Musiksaal, der von der Straße aus nicht zu erahnen ist. „Das ist der Ort, wo die Potsdamer und Berliner Gesellschaft eingeladen worden ist“, sagt Götzmann. Es haben sich noch Einladungskarten für Hauskonzerte der „Maria Alba“ aus dieser Zeit erhalten. Regelmäßige Treffen von Künstlern und Intellektuellen sind belegt.

In Paris hat Schmid keinen künstlerischen Erfolg

Zugleich baut sich ihr Mann ab 1924 ein weiteres Atelier in Paris auf. Dort bleibt der Erfolg jedoch aus. 1930 gibt das Paar den zweiten Wohnsitz in Frankreich auf und kehrt nach Potsdam zurück. Als die Nationalsozialisten die Macht übernehmen, darf Schmid in Deutschland weder bauen noch ausstellen, denn Marias Familie hat jüdische Wurzeln. Seine Kunst gilt zudem als „entartet“. Das Paar geht deshalb 1937 ins Exil, die Schweizer Heimat Wilhelm Schmids.

Die Weiße Villa hat bis heute eine bewegte Geschichte

Die weitere Geschichte der Weißen Villa folgt der deutschen Geschichte. In der wirtschaftlich schweren Weimarer Zeit vermietet Schmids Schwiegermutter Wanda Metz das Haus an Karl Otto von Kameke, Senatspräsident am preußischen Oberverwaltungsgericht. Ab 1958 wehte der Union Jack auf dem Dach am Seeufer, weil die Briten das Haus für ihre sogenannte Militärverbindungsmission nutzten.

Die Villa Metz bei einer Führung von Jutta Götzmann im Rahmen der Sonderausstellung Quelle: Peter Degener

Designer Wolfgang Joop verkaufte das Haus an die Hasso-Plattner-Stiftung

In den 1990er Jahren erwarb der Modedesigner Wolfgang Joop den Bau, der bald nach seinem Modelabel Wunderkind benannt war, und ließ ihn durch den international renommierten Architekten Josef Paul Kleihues sanieren und das nicht denkmalgeschützte Innere umbauen. 2017 erwarb der Softwaremilliardär und Mäzen Hasso Plattner die Villa, die seitdem Sitz der nach ihm benannten Stiftung ist. Das unscheinbare Etappenhaus des Ehepaars Schmid dient bis heute als Wohnhaus. Man könnte es auch Villa Schmid nennen.

Umkämpfte Wege der Moderne

Zwei Sonderausstellungen beschäftigen sich im Potsdam-Museum am Alten Markt nacheinander mit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Potsdam.

Noch bis 27. Januar ist „Umkämpfte Wege der Moderne. Wilhelm Schmid und die Novembergruppe“, zu sehen. In dieser Schau geht es um den Maler Wilhelm Schmid und die radikale Künstlergruppe, der er angehörte. Die „Novembergruppe“ war aus den Wirren der Revolution im November 1918 hervorgegangen. Der Ko-Kurator der Ausstellung, Thomas Stein, wird in einer Führung am Mittwoch um 14 Uhr in der Ausstellung über die Künstlergruppe referieren. Um Voranmeldung im Potsdam-Museum unter 0331/289 68 68 wird gebeten.

Ab 24. Februar wird dann die zweite Sonderausstellung eröffnet. Bei der Schau „Umkämpfte Wege der Moderne. Potsdam und Babelsberg 1914-1945“ wird es um die historischen Ereignisse in den beiden Städten während und zwischen den beiden Weltkriegen gehen.

Von Peter Degener

Ein Projekt des Forschungsinstituts ZZF und des Vereins Erinnerungsorte Potsdamer Grenze soll noch 2018 abgeschlossen werden. Schon jetzt sind die Forschungsergebnisse zu diesem Teil der deutsch-deutschen Grenze im Internet zu sehen.

13.11.2018

Alkoholisiert und mit viel zu hoher Geschwindigkeit war ein Audi-Fahrer am Montagabend im Potsdamer Wohngebiet am Kirchsteigfeld unterwegs. Die Folge: Sein Fahrzeug rammte sechs geparkte Pkw und überschlug sich.

13.11.2018

Die letzte Möglichkeit in diesem Jahr, Anliegen in der Einwohnerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung loszuwerden, ist am 5. Dezember. Die Anfragen müssen schriftlich bis zum 24. November gestellt werden.

13.11.2018