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Potsdam Diesel-Verbote: Alle schauen nach Potsdam
Lokales Potsdam Diesel-Verbote: Alle schauen nach Potsdam
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18:27 01.03.2018
Die Stadt hat den „Flaschenhals noch enger gemacht“: Zähflüssiger Verkehr in der  Zeppelinstraße
Die Stadt hat den „Flaschenhals noch enger gemacht“: Zähflüssiger Verkehr in der Zeppelinstraße Quelle: Bernd Gartenschläger
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Brandenburger Vorstadt

Die Potsdamer Stadtverwaltung holt sich derzeit überall Zustimmung für den Verkehrsversuch auf der Zeppelinstraße. Auch im Infrastrukturausschuss des Landtages wurden die Abschlussergebnisse des Tests am Donnerstag wohlwollend zur Kenntnis genommen. Immerhin konnte Potsdam durch die streckenweise Halbierung des Straßenraumes der Zeppelinstraße so viele Autofahrer von der hoch belasteten Magistrale verdrängen, dass dort alle Luftschadstoffwerte unter die maximalen Zulässigkeitsgrenzen sanken.

Dass dies zu Lasten abzweigender Straßen und benachbarter Wohngebiete ging, regte im Landtagsausschuss niemanden mehr auf, weil die Planer von Dresdner Verkehrsbüro SVU glaubhaft machen konnten, dass die Mehrbelastung durch erhebliche Ausweichverkehre die Luftgüte im „Nebennetz“ nur um durchschnittlich ein Mikrogramm Stickstoffdioxid je Kubikmeter verschlechtert hat und die Grenzwerte noch lange nicht erreicht sind. Und man will ja auch in diesem „Nebennetz“ dafür sorgen, dass der Verkehr gedrosselt wird: durch Tempolimits, Einbahnstraßen und sogar Straßensperrungen. Wie und wo, ist allerdings noch völlig offen.

Andere deutsche Städte prüfen das Potsdamer Modell

Der positive Effekt, durch Verkehrsdrosselung die Schadstoffkonzentrationen so weit zu senken, dass man Klagen der Europäischen Union abwendet und Dieselfahrverboten ausweicht, weckt nach Auskunft des Bereichsleiters Verkehrsentwicklung, Norman Niehoff, das Interesse anderer deutscher Städte. Es gebe vermehrte Anfragen in verschiedenen Bereichen der Potsdamer Verwaltung, hieß es gestern im Presseamt.

Auch in der Breiten Straße machen sich zu Zeiten des Berufsverkehrs Rückstaus der verengten Zeppelinstraße lästig bemerkbar. Die Planer geben zu: Der Verkehrskomfort hat sich verschlechtert. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ein halbes Dutzend Städte habe sich gemeldet; das Interesse sei nach dem Abschluss des Modellversuchs groß. Der Potsdamer Versuch war im Oktober 2017 auch in der Broschüre „Straßen und Plätze neu denken“ des Umweltbundesamtes vorgestellt worden, kurioserweise im Kapitel „Kleinstädte und Gemeinden im ländlichen Raum“, Seite 70 bis 72.

Die interessierten Städte benennen will man in der Potsdamer Verwaltung nicht, weil dann dort ungewollte Unruhe entsteht. Dort gehe es ja vorerst nur um die Prüfung von Möglichkeiten.

„Bürgerticket“ scheint als Gratis-Nahverkehr nicht machbar

Geprüft wird auch in Potsdam einiges, das derzeit noch undurchführbar scheint. So hat man eine Arbeitsgruppe „Bürgerticket“ mit Mitgliedern aus der Verwaltung und der Stadtverordnetenversammlung eingesetzt, die Varianten untersucht, den öffentlichen Nahverkehr kostenlos zu machen. Das ginge Niehoff zufolge nur über eine Art Steuer, die alle Bürger zahlen. Wenn aber der Verkehrsbetrieb keine Ticketeinahmen mehr hat, geht wahrscheinlich die Landesförderung für den Nahverkehr verloren. Zu klären wäre, wie man Nicht-Potsdamer zur Kasse bittet, die ja diese Steuer nicht zahlen würden. Und der Verkehrsbetrieb wäre fahrzeugtechnisch gar nicht gerüstet für einen schnellen Anstieg der Fahrgastzahlen. Der könnte sich noch verstärken, wenn das Gratis-Angebot sogar Radfahrer und Fußgänger in die städtischen Busse und Bahnen umsteigen lässt, was nicht gewollt ist.

Verkehrsplaner: „Wien ist ein schönes Beispiel“

Denkbar ist für den SVU-Inhaber und Modellversuch-Planer Tobias Schönefeld eine spürbare Verbilligung etwa von Vip-Jahreskarten nach dem Vorbild der österreichischen Hauptstadt Wien, wo dieses Jahresticket 365 Euro kostet – ein Euro pro Tag. „Das ist ein schönes Beispiel“, sagte Schönefeld der MAZ: In Potsdam kostet die auf das Stadtgebiet begrenzte Jahreskarte 410 Euro. Dem Vip müsste man eventuell die Mindereinnahmen ersetzen.

Nicht nur Taxi-Fahrer protestieren gegen den Modellversuch. Auch die IHK kann ihm wenig abgewinnen. Quelle: Rainer Schüler

Von Rainer Schüler

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