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Potsdam Dieter Zimmermanns Obsession
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18:17 04.09.2015
Dieter Zimmermann vor der „Quadratur des Spreewalds“.
Dieter Zimmermann vor der „Quadratur des Spreewalds“. Quelle: Julian Stähle
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Innenstadt

Am Sonntag, 15 Uhr, gibt es in der Galerie Sperl etwas zu feiern. So viele kleine Bildmotive, die sich zu großen Panoramen auswachsen, wurden in Potsdam noch nie gezeigt. Bisher gab es hier noch keine Ausstellung, in der sich die Urkraft künstlerischer Kreativität und der Gestaltungswille eines Form- und Farbbesessenen so unmittelbar mitteilen.

Dieter Zimmermann lebt mit seiner Frau zurückgezogen und beengt im Dorf Brahmow in der Niederlausitz. Mitgebracht hat er neben vielen anderen Arbeiten 340 quadratische Tafeln mit dem Titel „Die Quadratur des Spreewalds“, die er in Potsdam erstmals zu einem teppichartigen Wandbild zusammengefügt. Was zunächst wie eine unbeschwerte, abstrakte und auch dekorative Spielerei wirkt, eröffnet bei genauerem Hinsehen auch viele realistische Momente. Zu erkennen sind Wasseroberflächen, Spiegelungen, Holzstrukturen und anderes mehr.

Dem Drang, mit Acryl und Ölfarbe einfach loszukritzeln und zu pinseln, wird der 73-Jährige eindrucksvoll Herr, indem er sich stets in ein geometrisch klares Raster fügt, das er detailfreudig ausfüllt. „Mich hat immer interessiert, dass die Welt aus kleinen Teilchen besteht“, sagt der Mann mit dem Rauschebart. Ins Schubfach naiver Malerei lässt er sich nicht wegsortieren. Die Moderne hat sich schließlich mit dem Unterbewusstsein verbündet und Zimmermann hat von 1968 bis 1973 an der Burg Giebichenstein in Halle studiert – kaum zu glauben, bei Willi Sitte, bevor der als DDR-Kunstfunktionär das personifizierte Dogma des Sozialistischen Realismus wurde.

Der Mensch steht aber auch bei Zimmermann oft im Mittelpunkt. Ein Zyklus mit dem Titel „Masse und Macht“ zeigt hunderte kleine Gesichter, über die der Schatten eines Agitators fällt. Meist favorisiert Zimmermann weniger erhellende Titel, die er unten auf die Leinwände krakelt – etwa „Püppchen, Du bist mein Augenstern“ oder „Ungeklärte Besitzverhältnisse“. Bei dem Gemälde „Die gescheiterte Hoffnung“ rahmen Gesichterreihen ein gestrandetes Schiff. Sind es Betroffene, sind es Kommentatoren?

Die Masse der Individuen, das Individuum in der Masse – das ist sein Hauptthema. Bei einem Bild verzichtet er auf Unterformate im Bild und zeigt ein großes Meer. Es lohnt es sich, viele Schritte zurückzugehen, aber auch ganz nah ran! Das Meer besteht aus Gesichtern und aus vielen einzelnen Wellen.

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 15 Uhr. Sperl Galerie, Friedrich-Ebert-Straße 4. Erdgeschoss Fachhochschule. Mi-So 12-18 Uhr. Bis 8.November.

Von Karim Saab

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