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Potsdam Diskussion um "Mohrenrondell" in Potsdam
Lokales Potsdam Diskussion um "Mohrenrondell" in Potsdam
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21:35 25.03.2014
Potsdam

Die Debatte um das „Mohrenrondell“ im Park Sanssouci geht in die nächste Runde. Die Bezeichnung der Skulpturen aus der Zeit Friedrichs des Großen soll geändert und per Schautafel auf den Sklavenhandel seiner Vorfahren hingewiesen werden. Das fordert der Stadtverordnete Andreas Menzel. Wie es stattdessen heißen soll, sagt er nicht.

Eine entsprechende Beschlussvorlage will Menzel in die Stadtverordnetenversammlung am 2. April einbringen. Darin soll Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) beauftragt werden, auf die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) als Eigentümerin des Rondells einzuwirken. Begründung: Der Name – er spricht im Antrag stets vom „M-Rondell“ – sei „kolonial-rassistisch geprägt“ und daher nicht nur für Opfer der Sklaverei „diskriminierend“, sondern „auch für heute in Deutschland lebende Schwarze Menschen“. In einer Stadt, die sich zu einem Toleranzedikt bekennt, sollten solche Bezeichnungen öffentlicher Plätze keine Verwendung finden, so Menzel.

Im Park von Sanssouci in Potsdam wimmelt es von Skulpturen. MAZonline zeigt eine Auswahl der schönsten Statuen im Park.

Der Volksvertreter, dem die Grünen-Fraktion das Vertrauen entzogen und den sie Mitte März ausgeschlossen hatte, unternimmt nun im Alleingang den zweiten Vorstoß in dieser Sache. Argumentativen Beistand holte er sich bei Iman Attia von der Berliner Alice-Salomon-Hochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Wie die Rassismusforscherin erklärte, „verhöhnt“ der Begriff Mohr die Ausbeutungs-, Diskriminierungs- und Verfolgungserfahrungen von Menschen. Sie rät dazu, „die Debatte um den Umgang mit diesem Erbe ernsthaft und fundiert zu führen“ und empfiehlt, „aufklärende, kritische, distanzierende Hinweise“ anzubringen.

In seinem Kampf um politische Korrektheit bat Menzel auch Magdolna Grasnick, die städtische Beauftragte für Migration und Integration, um Schützenhilfe. Grasnick hält die Kritik des Stadtverordneten am Begriff „Mohrenrondell“ zwar für „durchaus berechtigt“. Sie sei Befürworterin „der sprachlichen Sensibilisierung und der Aufklärung über rassistische Begriffe“ und setze sich gegen „Ausgrenzung durch Sprache“ ein. Aber im Falle der marmornen Skulpturengruppe im Park Sanssouci handele es sich um ein 270 Jahre altes Kunstwerk. Und solange ausschließlich dieses so benannt wird, „sehe ich in der Bezeichnung keinen diskriminierenden Charakter“, so Grasnick.

MAZ-UMFRAGE

Rund 90 Prozent der Teilnehmer der seit Dienstag geschalteten Online-Umfrage haben sich gegen eine Umbenennung des Mohrenrondells im Park Sanssouci ausgesprochen. Die Facebook-Kommentare lauten von „So ein Schwachsinn!“ über „Gut, dass wir in Potsdam keine anderen Probleme haben“ bis zu „Kann mal bitte jemand versuchen, die Grünen zu verbieten“.

» Stimmen Sie ab: Sollte das "Mohrenrondell" im Park Sanssouci aus Gründen der politischen Korrektheit umbenannt werden?

Auf die ausschließlich historische und nur in diesem Sinne zu verwendende Bezeichnung „Mohrenrondell“ hatte auch SPSG-Sprecher Frank Kallensee verwiesen und weitere Beispiele genannt wie Heines Gedicht „Mohrenkönig“ (1844) oder Shakespeares „Othello, der Mohr von Venedig“ (1604). OB Jakobs hatte Menzels Anliegen bereits in der März-Sitzung des Stadtparlaments als „vollkommen irrelevant“ bezeichnet.

Von Carola Hein

Glosse von MAZ-Autorin Ildiko Röd: "No more Mohrenrondell"

Meine politisch-korrekten Fingerlein weigern sich fast, das Unaussprechliche zu tippen. Aber es muss leider sein! Also: Mohrenrondell. Selbiges befindet sich auf dem Areal der Schlösserstiftung und dankenswerterweise machte der Bald-Ex-Potsdamer-Grüne Andreas Menzel jüngst gegen diese üble rassistische Bezeichnung mobil. Natürlich sinnen auch wir in der MAZ auf Auswege; sonst droht die Stadt ihren Ruf als Toleranzhochburg zu verlieren. Ein neuer Name fürs „Mohrenrondell“ muss her:

  1. Rondell mit Migrationshintergrund.
  2. Rondell für Mitbürger mit eher dunkler Hautfarbe, aber ohne Dauerkarte fürs Solarium.
  3. CDU-Rondell (Schirmherrschaft: Katherina Reiche.)
  4. Barack-Obama-Rondell.

Wenn das alles nichts hilft, hilft nur noch eins: Einfach Rondell abreißen lassen! (Am besten von Schwarzarbeitern.)

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