Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Disput um "Kirsch-Wald" dauert an
Lokales Potsdam Disput um "Kirsch-Wald" dauert an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:55 18.05.2014
Wolfhard Kirsch
Wolfhard Kirsch Quelle: Christel Köster
Anzeige
Babelsberg

Der Countdown zur Kommunalwahl läuft und die Nerven liegen blank. Zu besichtigen war das bei einem Vor-Ort-Termin am Sonnabend an der Großbeerenstraße ungefähr auf Höhe der Jet-Tankstelle. Hier liegt jenes Areal, das im Volksmund nun den Beinamen "Kirsch-Wald" trägt, benannt nach Wolfhard Kirsch, Bauträger und Bürgerbündnis-Stadtverordneter in Personalunion.

Dass mit ihm nicht gut Kirschen essen ist, zeigte bei dieser Gelegenheit Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg. Umrahmt von der lieblichen Natur des 2,4-Hektar-Walds, der nach Kirschs Plänen etwa zur Hälfte seinem Bauvorhaben weichen soll, ließ Scharfenberg weniger lieblichen Gefühlen freien Lauf. Zielscheibe des Unmuts: SPD-Fraktionsvize Pete Heuer. Dieser verbreite "Gerüchte, die Linken würden Gegenleistungen bekommen". Ein persönlicher Vorwurf, den der SPD- und Ex-Linken-Mann Heuer nicht auf sich sitzen lassen wollte und den Scharfenberg auch zurücknahm. "Aber es gibt große Fragezeichen in der Öffentlichkeit", keilte Heuer zurück.

Auslöser für den Disput: Dank der Stimmen der Linken hat die Firma "Kirsch und Drechsler" in der Stadtverordnetenversammlung den Aufstellungsbeschluss durchbekommen, der eine Umwidmung des billig erworbenen 2,4-Hektar-Walds in weitaus wertvolleres Bauland mit einer Millionen-Gewinnspanne erlaubt. Nur ein halbes Jahr zuvor hatte Kirsch noch für den Flächennutzungsplan gestimmt, in dem das Areal als Waldfläche deklariert wird.

Scharfenberg verteidigte am Sonnabend das Votum: "Für uns ist es kein Kriterium, dass Herr Kirsch möglichst viel verdient, sondern dass Wohnraum geschaffen wird." Ein Privater investiere immer, um Gewinn zu machen. "Aber wir sehen hier eine Möglichkeit, mit einem privaten Investor eine Vereinbarung zustande zu bringen, um die Miethöhe zu beeinflussen." Vom Aufstellungsbeschluss bis zum B-Plan-Entwurf sei es noch ein weiter Weg mit der Möglichkeit zu Modifikationen, stellte er klar: "Im Endeffekt könnte auch rauskommen, dass wir den Wald lassen, wie er ist." Kirsch bestätigte, dass grundbuchlich eine Miete von neun Euro pro Quadratmeter festgeschrieben werden soll - für die ersten drei Jahre. Danach seien Erhöhungen laut Miethöhegesetz möglich.

"Neun Euro pro Quadratmeter? Das könnten wir uns mit unseren DDR-Renten nicht leisten", murmelte ein älteres Paar im Publikum. Dass ein Voreigentümer 70 Garagen auf dem Areal schleifen ließ, sorgt für besonders böses Blut unter den Anwohnern. "Das interessiert niemanden, wo unsere Autos hin sollen. Und Entschädigung für den Abriss gab's auch keine", erboste sich ein Herr mit Schifferkäppi. Aber nicht jedem sind die Eichen und Kiefern nebst Garagenstandplatz so sehr ans Herz gewachsen. Der Wald sei eher ein Auslaufort für Hunde als ein Spaziergängerparadies, berichtete ein Paar, das meist Naherholung in der Parforceheide sucht.

Aufrecht wie eine Eiche verteidigte Kirsch sein Projekt, trotz empörter Anwürfe eines Naturschützers, der sich echauffierte: "Immer nur Geld, Geld! Wo bleibt die Natur? Eine "goldene Nase" verdiene er sich beileibe nicht, warf Kirsch seinen Kritikern in der Stadt Falschinformation vor. Schließlich kämen auf ihn auch große Kosten wie Versiegelung, Waldablöse, Infrastrukturabgabe und Fernwärme-Verlegung zu.

Im Internet bietet "Kirsch und Drechsler" schon die Wohnungen an. Beispiel: Eine Zweiraumwohnung à 62,7 Quadratmeter steht mit 185.024 Euro zum Verkauf.

Von Ildiko Röd

Potsdam Frank Bollack aus Potsdam hat Elternzeit genommen - Vater in Vollzeit
18.05.2014
18.05.2014
Potsdam Grundsteinlegung an der Viereckremise - Pro Potsdam baut für psychisch Kranke
17.05.2014