Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Amerikanische Studenten lernen Potsdam kennen
Lokales Potsdam Amerikanische Studenten lernen Potsdam kennen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 28.01.2018
Die Studenten Connor Bergh, Kristina Ritschard und Katie Winckler (v.l.) aus Sioux Falls am Ende ihres Potsdam-Besuchs. Quelle: Bernd Gartenschläger
Anzeige
Potsdam

Ihre drei Nachnamen klingen irgendwie deutsch, doch die ungewöhnliche Schreibweise weist darauf hin, dass dahinter keine geradlinige Familiengeschichte steckt. Connor Bergh (22), Katie Winckler (20) und Kristina Ritschard (20) haben europäische und sogar deutsche Wurzeln. Sie selbst stammen jedoch aus dem US-amerikanischen South Dakota und studieren dort in Potsdams Partnerstadt Sioux Falls an der Augustana University.

Vor der Reise ging es mit Google Maps durch Potsdam

Heute geht ein dreiwöchiger Potsdam-Aufenthalt zu Ende, den sie ihrem Deutsch-Professor Stephan Lhotsky verdanken. „Er hat uns von Potsdam vorgeschwärmt, ist mit Google-Maps schon vor der Reise mit uns durch die Straßen gegangen und fragte jede Woche, ob wir uns endlich für die Reise entschieden hätten“, erzählt Kristina Ritschard.

Anzeige

Eintauchen in die fremde deutsche Kultur und Sprache könne man eben nicht in South Dakota, so sein Prinzip. Die drei waren die Einzigen des elfköpfigen Deutsch-Kurses, die die Reise bislang nicht gewagt hatten.

„Dieser Ort ist unglaublich“, sagt Connor über das Rechenzentrum

Ritschard, die an der Augustana University zur Krankenschwester ausgebildet wird, ist am Ernst-von-Bergmann-Klinikum in das deutsche Gesundheitswesen eingetaucht. Ihre Kommilitonin Katie Winckler lernte als angehende Lehrerin am Evangelischen Gymnasium Hermannswerder und an der Universität Potsdam das deutsche Bildungssystem kennen.

Connor Bergh, der neben der deutschen Sprache Kunst studiert, absolvierte am Kreativhaus Rechenzentrum ein Praktikum. „Dieser Ort ist unglaublich“ sagt Connor und meint damit in erster Linie die Stadt und in zweiter das Rechenzentrum. „Zu jeder Tageszeit ist hier Leben und eine Vielfalt echter Persönlichkeiten, das habe ich woanders noch nicht erlebt“, schildert er seinen Eindruck vom Künstlerzentrum.

Das einzige Austauschprogramm ihrer Universität mit Gastfamilien

Für ihn war der Austausch ein kostengünstiger Weg, erstmals die USA zu verlassen. „Wir müssen zwar die Reise mit dem Flugzeug selbst bezahlen, aber die Stadt Potsdam hat für uns Unterkünfte bei Potsdamern organisiert“, sagt Connor. „Wir können von unserem College aus an vielen verschiedenen Austauschprogrammen teilnehmen, aber nur bei der Partnerstadt Potsdam kommen wir in einer Gastfamilie unter“, sagt Katie Winckler.

Ihr Fazit vom Unterricht auf Hermannswerder: „Der Lehrplan ist natürlich ein anderer. Aber die Kinder sind es eben nicht. Ich habe dieselbe, lebhafte Atmosphäre wie an einer Highschool erlebt“, sagt Katie.

Katie begab sich auf Suche nach den Gräbern ihrer Vorfahren

Sie selbst hat den Aufenthalt auch für eine Reise in die eigene Familiengeschichte genutzt. „Meine Vorfahren stammen aus einem Dorf in der Nähe von Heidelberg. Am letzten Wochenende bin ich allein dorthin gefahren, um ihre Grabsteine zu finden“, erzählt sie. Dass diese Spuren noch vorhanden sein müssten, wusste sie durch die Familienforschung ihrer amerikanischen Verwandtschaft.

„Ich habe auch tatsächlich Gräber gefunden, auf denen der Name noch ‚Winkler‘ geschrieben wird. Ob es die richtigen waren, weiß ich nicht, aber ich habe es ganz unabhängig davon einfach genossen, die Gegend kennenzulernen, in der Vorfahren von mir gelebt haben“, resümiert sie.

Doppelzimmer in Krankenhäusern kennen sie nicht

„Ich wollte vor allem mein Deutsch verbessern, aber ich habe auch ganz überraschende Eindrücke vom deutschen Krankenhausalltag mitgenommen“, sagt Kristina Ritschard. „Mir scheint, dass die Krankenhäuser in den USA sehr viel luxuriöser sind. Dort gibt es einen großen Wettbewerb und das Gesundheitswesen ist ein Business. Und so etwas wie ein Doppelzimmer kennen wir gar nicht“, beschreibt sie ihren Eindruck vom Bergmann.

Weil ihre Ausbildung sie erst im dritten Jahr auch in die Klinik führen wird und bislang nur theoretisch war, sammelte sie nun ihre ersten Patientenerfahrungen überhaupt.

Obwohl Englisch hier weit verbreitet ist, kamen die drei Amerikaner auch in die Verlegenheit ihr Deutsch anzuwenden. „Auf meiner Station im Krankenhaus gab es eine andere fremde Studentin aus der Ukraine. Wir kamen nur auf Deutsch ins Gespräch“, sagt Kristina Ritschard. So reicht das Austauschprogramm noch über Potsdam und Sioux Falls hinaus.

Von Peter Degener

Potsdam Erstmals eine Frau gewürdigt - Helga Schütz wird Ehrenbürgerin
25.01.2018
25.01.2018