Drewitz: Bauherr der Hochhäuser am Stern-Center sucht Gespräch mit Anwohnern
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Drewitz: Bauherr der Hochhäuser am Stern-Center sucht Gespräch mit Anwohnern

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23:36 10.04.2021
Rund 64 Meter hoch werden die neuen Gebäude.
Rund 64 Meter hoch werden die neuen Gebäude. Quelle: ECE/Baumschlager-Eberle
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Drewitz

„Der Bau von vier Hochhäusern mit über 850 Wohnungen am Stern-Center hat die Debatte um Hochhäuser in Potsdam neu entfacht. Der Drewitzer Nico Kögler hat der Stadt rund 260 Unterschriften gegen das Projekt „Wohnen am Stern“ neben dem Stern-Center übermittelt und eine Änderung der Pläne gefordert. Wie berichtet, stellt er infrage, dass dort günstige Wohnungen entstehen und warnt vor den Folgen für die Menschen in der Nachbarschaft und die Umwelt.

Bauherr ECE will auf Anwohner zugehen

Der Bauherr, die ECE Gruppe aus Hamburg, die auch das Einkaufszentrum Stern-Center betreibt, will Kögler und seine Argumente nicht ignorieren. „Wir werden gerne zeitnah der Initiative ein Gesprächsangebot machen, um die aufgeworfenen Punkte persönlich erläutern zu können“, bot Valentin Hadelich, Kreativdirektor der ECE, in der Antwort auf die Fragen der MAZ an.

Grundsätzlich würden die in der Petition benannten Aspekte zu den Auswirkungen des Projekts und seinen Anforderungen an die umgebende Infrastruktur sämtlich im Rahmen des derzeit laufenden Bebauungsplanverfahrens und in den weiteren Planungen gemeinsam mit der Stadt untersucht und bewertet, so Hadelich. Kögler stellt beispielsweise infrage, dass mit Hochhäusern preisgünstiger Wohnraum geschaffen werden könne und warnte vor dem Risiko von Baukostensteigerungen.

Dazu erklärt Hadelich von der ECE: „Die Baukosten für ein Hochhaus sind tatsächlich höher als beim normalen Geschosswohnungsbau, allerdings können die höheren Kosten zu einem guten Teil durch die höhere Anzahl an Wohnungen kompensiert werden, so dass für den Standort insgesamt angemessene Mieten erreicht werden können.“ Deshalb könnten 30 Prozent der Wohnfläche auch im „preisgedämpften Segment“ angeboten werden. Die Stadtverwaltung hat das Anrecht, die Mieter dieser Wohnungen zu benennen.

ECE erwartet keine erhöhten Betriebskosten durch Verzicht auf Technik

Höhere Betriebskosten, wie sie bei Hochhäusern durch vergleichsweise größeren Technik-Anteil üblich sind, seien durch die moderne Bauweise von „Wohnen am Stern“, demnach auch kein Thema: Die Planungen sehen eine Reduzierung der Haustechnik, etwa für Belüftung und Klimatisierung vor, stattdessen werden bauliche und damit weniger anfällige und energieeffizientere Lösungen eingesetzt.

So sollen die vier Hochhäuser beiderseits des Sterncenters aussehen. Quelle: ECE / Baumschlager Eberle

Insgesamt hält die ECE das Projekt für ökologisch vertretbar. „Die ökologischen Auswirkungen werden insbesondere durch einen geringen Flächenverbrauch für den neu geschaffenen Wohnraum minimiert.“ Hinzu kämen „besonders hohe Standards bei der Energieeffizienz der Gebäude“.

Stadt hält Projekt wegen geringer Versiegelung für ökologisch

Kögler fordert von der Stadt eine Stellungnahme, solange noch die öffentliche Beteiligung für das Bebauungsplanverfahren läuft. Bis zum 16. April können Bürger Einwände gegen „Wohnen am Stern“ erheben. Die Stadt verteidigt den Standort und die mögliche Höhe von über 60 Metern. „In Bezug auf die ökologischen Aspekte kann durch Hochhäuser auf relativ geringer Grundfläche eine Vielzahl von Wohnraum errichtet werden. So kann einer großflächigen Bodenversiegelung und Flächeninanspruchnahme entgegengewirkt werden“, erklärt die Verwaltung auf Anfrage.

Bislang würden die zwei jeweils rund 4400 Quadratmeter großen Grundstücke als Parkplatz genutzt. Neben der Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum biete die Entwicklung der Flächen die Möglichkeit einer „stärkeren Vernetzung des Standortes mit den umliegenden Stadtteilen“, wofür eigens ein Gestaltungsverfahren durchgeführt wurde, um eine hohe Qualität zu erreichen.

Wie generell mit dem Bau von Hochhäusern in Potsdam umgegangen werden soll, wird gerade geklärt. Die Stadtverordneten beschlossen kürzlich, dass ein Hochhauskonzept erstellt werden soll, das Fragen nach Tabuzonen und Kriterien für mögliche Neubauten von Hochhäusern festlegen soll. Noch kann die Stadt aber keine Aussagen dazu treffen. Es wurde bisher noch nicht die konkrete Aufgabenstellung für das Konzept formuliert, heißt es.

Von Peter Degener