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Potsdam Aufregung um Bordell in Drewitz
Lokales Potsdam Aufregung um Bordell in Drewitz
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17:37 12.08.2014
Nur ein Herzchen auf dem Klingelschild deutet darauf hin, was hinter der Wohnungstür im 4. Obergeschoss geschieht. Quelle: Nadine Fabian
Drewitz

Herrn Elsner hat hier noch niemand gesehen. Aber die Damen, die in seiner Wohnung logieren und ein Herzchen aufs Klingelschild gemalt haben, sind kiezbekannt. Woche für Woche holt ein Taxi diese Damen wieder ab und bringt neue. Auf hohen Hacken stolzieren sie über die Fritz-Lang-Straße, ziehen ihre Rollkoffer hinter sich her und verschwinden im Hauseingang Nummer 13. Dort, wo Rentner, Angestellte und Schichtarbeiter wohnen, hat im November heimlich, aber nicht still und nicht leise ein Bordell eröffnet (die MAZ berichtete).

Drei Zimmer, Küche, Bad- und eine Geräuschkulisse, die die Nachbarn verzweifeln lässt. "Wir Mieter können nicht mehr", sagt eine Nachbarin. Wie so oft in den letzten Monaten sitzt sie in trauter Runde derer, die sich gegen den Puff im Plattenbau wehren, aber bisher keinen Erfolg hatten.

Ein helles, aufgeräumtes Apartment, die Tür zum Balkon ist geöffnet, der Abendwind streicht über die Geranien. Fünf Nachbarn sitzen im Wohnzimmer beisammen. Sie leben seit fünf Jahren hier, seit sieben, seit zehn. Sie sind Ende 30, Anfang 50, Mitte 70. Und so unterschiedlich ihr Leben auch ist, sie haben doch einen gemeinsamen Wunsch: endlich Ruhe.

Aus Angst vor den breitschultrigen Männern, denen sie immer wieder im Treppenhaus begegnen (einer soll mit Prügeln gedroht haben), wollen sie ihre Namen nicht veröffentlicht wissen. Aber sie wollen davon erzählen, was sie durchmachen, seit der Puff eingezogen ist und nur ein paar dünne Wände zwischen ihnen und dem Rotlicht-Milieu stehen: "Es ist der Horror."

Demnach geht es Tag und Nacht rund im 4.OG. Ist Kundschaft im Haus, knallen die Sektkorken, Türen werden zugeschlagen, die Musik aufgedreht. Ist der letzte Freier gegangen, werden mitten in der Nacht Waschmaschine und Staubsauger angeworfen. "Und das ist noch das Harmloseste", sagt eine Mieterin. Sie ist vom Geklacker der Stöckelschuhe genervt und vom Gestöhne der Damen angewidert. Oft höre sie auch, wie die Prostituierten - offenbar vom Zuhälter oder einem Aufpasser - angeschnauzt und sogar verprügelt werden. Wann sie das letzte Mal durchgeschlafen hat? Die schmale Frau zuckt mit den Schultern: "Ich bin mit meinen Nerven am Ende."

Immer wieder haben sich die Mieter an die Eigentümer des Hauses und die Hausverwaltung gewendet. Das Haus gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, betreut wird es seit zwei Jahren von der Firma "G.Reiser". Deren Geschäftsführung ist für die MAZ am Dienstag nicht zu erreichen. Auch die Mieter haben nur selten und dann auch nur auf mehrmalige Nachfrage Antworten erhalten, sagen sie. Erst diese Woche habe man zweimal bei den Verwaltern in Babelsberg vorgesprochen. "Das eine Mal wurden wir draußen vor der Tür abgefertigt. Wir fühlen uns alleingelassen von unserer Hausverwaltung."

Die hat immerhin ein Hausverbot ausgesprochen, ausgedruckt und im Flur angepinnt. Gerichtet ist es an "alle Personen, die in der Wohnung Elsner erotische und/oder sexuelle Dienstleistungen jeglicher Art in Anspruch nehmen wollen". Die Wirkung ist gleich null: Fremde Männer laufen treppauf, treppab. Freier, die nicht wissen, wo genau das Bordell zu finden ist, klingeln sich nachts durchs Haus. Benutzte Kondome liegen auf der Straße und im Treppenhaus... Dem Mieter der Bordell-Wohnung, das teilte der Verwalter der Nachbarschaft jetzt per Brief mit, sei bereits im Januar gekündigt worden. Weil er aber die Schlüssel nicht rausrückt, wurde eine Räumungsklage eingeleitet - man hoffe auf eine schnelle Entscheidung des Gerichts.

Zoff im Puff

  • Ein Mini-Bordell in einem Mehrfamilienhaus in der Heinrich-von-Kleist-Straße in Babelsberg beschäftigte im Frühjahr das Amtsgericht.
  • Wegen Körperverletzung musste sich ein 30-jähriger Bulgare verantworten, weil er einen 50-jährigen Freier geschlagen hatte. Der war zuvor mit einer Prostituierten nicht handelseinig geworden. Als er daraufhin versuchte, die Rotlicht-Wohnung zu verlassen, rückte der Angeklagte auf den Plan. Der Zuhälter stellte sich dem Freier in den Weg und verlangte eine „Aufwandsentschädigung“ von 50 Euro. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, soll er den Freier geschubst und ihm einen Schlag gegen den Kopf versetzt haben. Dem Freier gelang die Flucht – er alarmierte die Polizei.
  • Nach dem MAZ-Bericht über den Fall meldeten sich die Bewohner des Hauses. Mehrmals sollen auch Mieter vom Zuhälter bedroht worden sein, Türschlösser wurden zugeklebt, Briefkästen demoliert. Die Wohnung wurde am 31. März geräumt.

Von Nadine Fabian

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