Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Dürre: Potsdam verbietet, Wasser aus Havel und Nuthe abzupumpen
Lokales Potsdam Dürre: Potsdam verbietet, Wasser aus Havel und Nuthe abzupumpen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:08 09.08.2019
Die Gewässer leiden aktuell unter Wassermangel.
Die Gewässer leiden aktuell unter Wassermangel. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Anzeige
Potsdam

Ab sofort dürfen Potsdamer kein Wasser mehr aus Flüssen, Gräben oder Seen abpumpen. Als Grund dafür führt die städtische Wasserbehörde den anhaltende Trockenheit an. Die sogenannte Allgemeinverfügung gilt bis zum 30. September, wenn das Rathaus sie nicht vorher widerruft. Wer trotzdem Wasser etwa zum Gießen im Garten abzweigt und dabei erwischt wird, muss mit einer Anzeige und einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro rechnen.

Alarmsignale von den Pegelmessstellen

Wegen der geringen Niederschläge bei hohen Temperaturen und starker Verdunstung sind die Wasserstände der Potsdamer Gewässer erheblich gesunken. Aktuell sind die Durchflussmengen an den wichtigsten überwachten Pegel der Havel und der Nuthe seit mehreren Wochen stark unter dem Durchschnittswert für Perioden mit wenig Wasser. Das Regulieren auf einen höheren Wasserstand ist nicht mehr möglich, da es zu wenig regnet.

Extremes Niedrigwasser in der Nuthe in Potsdam. Quelle: Peter Degener

Die im Bereich der Landeshauptstadt Potsdam relevanten mittleren Niedrigwasserabflüsse – also das niedrigste Soll – betragen in der Havel (Pegel Ketzin) 20,4 Kubikmeter je Sekunde sowie in der Nuthe (Pegel Babelsberg) 1,84 Kubikmeter je Sekunde. Doch hat das Landesumweltamt in der vorigen Woche nur 5,2 Kubikmeter pro Sekunde für die Havel und 0,31 Kubikmeter für die Nuthe gemessen. Ein Vergleich: Normalerweise fließen 136 Badewannenfüllungen Wasser durch die Havel, derzeit sind es nur 35.

Gefahr: Algenwachstum und Fischsterben

Gerade in warmen Monaten bewässern viele Potsdamer ihre Grundstücke mit Oberflächenwasser. Auch wenn die einzelnen Wasserentnahmen meist nicht sehr groß sind, so summieren sie sich auf hohe Wassermengen. Dadurch sind die Gewässer zusätzlichem Stress ausgesetzt. Die Folgen: sinkende Pegel, verstärktes Algenwachstum und örtliches Fischsterben. Daher wird die Wasserentnahme nun untersagt.

In diesem Zusammenhang weist die Stadt darauf hin, dass auch durch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes keine Wasserentnahmen aus Bundeswasserstraßen mehr genehmigt werden.

Weitere Gefahr: Blaualgen wachsen

Vor einer weiteren Folge von Hitze, Sonne und Trockenheit warnt die Stadt jetzt schon: In allen Havelgewässern breitet sich die Blaualge aus. Für den Fahrländer See gilt bereits seit 26. Juli ein Badeverbot. Blaualgen bilden Giftstoffe, die bei Kindern und empfindlichen Menschen allergische Reaktionen sowie Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Hautreizungen hervorrufen können.

Blaualgen sind an grünen Schlieren im Wasser erkennbar. Quelle: Stefan Sauer

Vor allem Kleinkinder sollten bei Verdacht auf Blaualgen nicht im Uferbereich spielen. Auch Hunde sind gefährdet. Ein starker Blaualgenwuchs ist an grünen Schlieren zu erkennen – im knietiefen Wasser sind die Füße nicht mehr sichtbar. Hinzu kann ein leicht muffiger Geruch des Wassers komme.

Von Alexander Engels