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Potsdam E-Scooter in Potsdam: Keine Unfälle, aber fragwürdige Ökobilanz
Lokales Potsdam E-Scooter in Potsdam: Keine Unfälle, aber fragwürdige Ökobilanz
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19:57 09.07.2019
Der Grünstreifen in der Schloßstraße hinter dem Filmmuseum hat sich als Standort für die Mietroller der Firma Voi etabliert. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Zum Sommeranfang waren die Elektro-Tretroller des schwedischen Sharing-Dienstes Voi plötzlich an vielen prominenten Orten in Potsdam präsent. Knapp drei Wochen später sind die E-Scooter weniger sichtbar und im ganzen Stadtgebiet verteilt.

Während in Berlin schwere Unfälle von Rollerfahrern mit Autos Schlagzeilen machten, sind Potsdamer Nutzer davon bislang verschont geblieben. „Uns sind keine Unfälle oder andere Zwischenfälle bekannt“, erklärt Polizeisprecher Heiko Schmidt von der Polizeidirektion West, „auch mit privaten E-Rollern gab es in Potsdam bislang keine Vorfälle.“

Bislang kein Vandalismus und Diebstahl festgestellt

In Sozialen Medien wurde mehrfach geschildert, wie die Roller achtlos am Straßenrand lagen, unter Brücken abgestellt wurden oder gar aus der Havel gefischt werden mussten.

Mietroller der Firma "Voi." auf dem stehen Johan-Bouman-Platz im Bornstedter Feld. Quelle: Friedrich Bungert

Dieses düstere Szenario von Elektroschrott im Stadtraum hat sich laut Ordnungsamt und Hersteller aber bislang nicht entwickelt. „Noch gab es keine Beschwerden in der Einsatzzentrale des Ordnungsamts. Es gab nur eine Info, dass ein E-Roller auf einem Radweg abgestellt worden sei. Das hat sich aber nicht bestätigt“, erklärt Stadtsprecher Markus Klier.

Voi-Chef: „Keine negativen Erfahrungen in Deutschland

Auch das Sharing-Unternehmen selbst äußert sich so: „Wir haben Gott sei Dank noch keine negativen Erfahrungen in Deutschland gemacht. Natürlich wissen wir aber, dass es immer wieder zu Fällen von Vandalismus kommt und sind auch darauf vorbereitet“, sagt Claus Unterkircher, der die Voi-Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz managt, auf MAZ-Anfrage. Anderswo habe man dagegen „schon einiges an Erfahrungen gesammelt.“

Claus Unterkircher ist Geschäftsführer von Voi für die Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz Quelle: Nadine Studeny

Tabuzonen fürs Abstellen werden mit der Stadt vereinbart

Die Stadtverwaltung und das Unternehmen handeln gerade eine Vereinbarung aus, damit die Roller auch nach dem ersten Hype nicht zum Störfaktor im Stadtbild und Problem für andere Verkehrsteilnehmer werden. Darin sollen beispielsweise „Tabuzonen für das Abstellen“ konkret festgelegt werden – etwa private Grundstücke, öffentliche Grünanlagen, Flucht- und Rettungswege, Feuerwehraufstellflächen oder Treppen und Rampen.

Außerdem soll vereinbart werden, dass „unbewegte E-Scooter umzuverteilen sind“, damit sie nicht längere Zeit ungenutzt bleiben, und dass umgestürzte Geräte schnellstmöglich aufgestellt werden. Schon heute hat die Verwaltung einen direkten Ansprechpartner für Probleme vor Ort bei dem Anbieter.

Vier bis zehnmal pro Tag wird jeder Roller im Schnitt bewegt

Erstmals gab Voi jetzt auch nähere Informationen zum Nutzungsverhalten der Mietroller in Potsdam preis. Rund 50 Geräte stehen in der Stadt bereit, die Zahl soll schrittweise aufgestockt werden. „Im Durchschnitt werden die Roller rund vier- bis zehnmal am Tag verwendet, was über unseren Erwartungen liegt“, erklärt Unterkircher. Es wurden bereits „mehrere Tausend Kilometer“ in Potsdam zurückgelegt.

MAZ-Reporter Ansgar Nehls testet die Roller auf dem Alten Markt Quelle: © Stefan Gloede

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Die E-Scooter im MAZ-Test

Offen ist allerdings noch, ob dieser Erfolg auch umweltfreundlich ist. Einer repräsentativen Umfrage von YouGov zufolge, die am Dienstag veröffentlicht wurde, sehen 53 Prozent der Befragten in Deutschland das neue Fortbewegungsmittel eher oder ausschließlich als Vergnügen an. Die Ökobilanz der Roller ist deshalb fragwürdig.

Sie werden kaum als Ersatz zum Autofahren genutzt

„Ein positiver Effekt ergibt sich bei einer Verlagerung von Autofahrten. Werden Fußwege durch den E-Roller ersetzt, verbessert das die Umweltbilanz nicht“, erklärt Anja Hänel vom ökologischen Verkehrsclub VCD. Gerade beim Sharing-Geschäft sei die Wahrscheinlichkeit „sehr viel höher, dass auch Wege, die sonst zu Fuß zurück gelegt würden, aus Bequemlichkeit mit dem Roller gefahren werden.“ Nach Untersuchungen in der amerikanischen Stadt Portland und in Frankreich ersetzen die Roller Autofahrten „nur in geringem Maße.“

Statistik spricht von kurzer Lebensdauer – Hersteller erwartet 18 Monate

Der zweite Faktor für die Ökobilanz ist die Herstellung und Lebensdauer der Roller. Diese ist für den VCD schwer abzuschätzen. „Im Moment gehen Fachleute bei den Leihrollern von einer Lebensdauer von etwa vier Monaten aus, was keine große Nachhaltigkeit bedeuten würde“, sagt Hänel. Diese Zahl wird auch von Statistiken aus anderen Ländern gestützt, wonach einzelne Geräte im Schnitt nach vier Monaten ersetzt werden müssen.

Wie haltbar sind die Mietroller? Die Firma Voi hat mit dem für den deutschen Markt entwickelten Modell „Voiager I“ noch wenige Erfahrungen. Quelle: Friedrich Bungert

Voi äußert sich in dieser Frage zurückhaltend. Man habe das Roller-Modell „Voiager 1“ eigens für den deutschen Markt entworfen. Da es erst seit wenigen Wochen im Einsatz ist „haben wir noch nicht genügend Daten, um eine sichere Prognose über seine Lebensdauer treffen zu können“, so Claus Unterkircher.

Er gehe von einer „längeren Lebenszeit“ aus, die „eher Jahre als Monate“ betrage. Zugleich kündigt er den Nachfolger „Voiager 2“ an, der bald zum Einsatz kommen soll. „Dieses Modell soll zumindest 18 Monate einsetzbar sein“, sagt er. Das entspricht anderthalb Jahren.

Reparaturen erfolgen in Potsdam und Berlin

Ein Pluspunkt des Nachfolgemodells soll sein austauschbarer Akku sein, der Reparaturen erleichtern werde. In Potsdam habe Voi einen „lokalen Partner, der sich um das Aufladen und kleine Reparaturen kümmert“. In Berlin betreibt Voi eine Werkstatt für größere Schäden an den Geräten.

Von Peter Degener

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