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Potsdam „Ecstatic Dance“-Trend kommt nach Potsdam
Lokales Potsdam „Ecstatic Dance“-Trend kommt nach Potsdam
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00:23 12.04.2019
Den eigenen Takt finden: Beim „Ecstatic Dance“ können sich alle ganz auf die Musik konzentrieren. Quelle: Scott McCourt
Innenstadt

Eine Schrittfolge wie beim Walzer oder Tango gibt es nicht. Es geht ums Lösen von Blockaden und ums Loslassen – von Gedanken, von Schritten, von Wertungen. Wer mitmacht, kann so tanzen, als ob keiner zusieht. „Ecstatic Dance“ (übersetzt ekstatischer Tanz) heißt der neue Trend, den Kristina Tschesch (39) gemeinsam mit dem Musiker und DJ Ben Pavlidis (42) nun nach Potsdam holen möchte. Am heutigen Dienstagabend startet im T-Werk in der Schiffbauergasse die erste Veranstaltung. Wobei Veranstaltung das falsche Wort ist. Es ist mehr ein Tanzritual, eine Bewegungsform.

„Wenn man dazu kommen würde, könnte man denken, es ist einfach ein guter Club-Abend“, erklärt Kristina Tschesch. Dabei gibt es wesentliche Unterschiede: Denn alle Teilnehmer treffen vor der Veranstaltung eine Art Vereinbarung. Beim gemeinsamen Tanzen bleibt das Handy aus, getanzt wird auf der Tanzfläche barfuß, ohne miteinander zu sprechen. Wer sprechen möchte, gibt seinem Gegenüber ein Handzeichen und verlässt die Tanzfläche. „So entsteht ein sicherer Raum“, sagt sie. Auch Alkohol als Stimmungs-Bringer fällt an einem solchen Abend weg.

Konzept kommt aus Hawaii

Das Konzept geht zurück auf Tom Fathorn, der 2001 in Hawaii elektronische Musik mit spirituellen Tanzelementen verbunden hat. Inspiriert davon schwappte es nach und nach ins amerikanische Kalifornien, wo Donna Carroll begann, professionell Leute auf der ganzen Welt auszubilden.

Jeder kann selbst entscheiden, inwieweit er sich auf das Konzept einlässt. Ecstatic Dance schafft das, was sonst im Alltag oft auf der Strecke bleibt. Durch die Nicht-Kommunikation auf allen Ebenen ähnelt es einer Art Meditation. „Wir haben kaum mehr Inseln, wo das Handy aus ist. Ecstatic Dance lässt dich wirklich mal zwei Stunden sein. Die Gedanken kommen und gehen.“

Kristina Tschesch aus dem Rechenzentrum brachte den „Ecstatic Dance“ nach Potsam. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Wenn man über die erste Angst gegangen ist, spürt man, dass Endorphine freigesetzt werden“, erklärt Kristina Tschesch. Aber auch andere Emotionen wie Trauer können hochkommen. „Ich habe schon Leute auf der Tanzfläche weinen sehen. Wenn man in die freie Bewegung kommt, kann so etwas freigesetzt werden.“

Berliner Dj sorgt für richtige Musik

Für die passende Musik sorgt dabei Ben Pavlidis. Der 42-Jährige ist bekannt von der Berliner Band „Ohrbooten“. Er ist Singer, Songwriter, Rapper und seit drei Jahren DJ für Ecstatic Dance. Ein spezielles Musik-Genre für das Tanzritual gibt es nicht, sagt er. „Du kannst jede Musik spielen“ Jeder Dj bringt seinen eigenen Stil rein.“ Ben Pavlidis verbindet urbane und ethnische Musik mit Afro House. „Aber es ist immer tanzbar.“ Jeder Ecstatic Dance-Dj baut im Laufe des circa zweistündigen Abends eine Art Welle auf. Das heißt, Kristina beginnt zur Einleitung mit einer Art Meditation, einem langsamen „Reinkommen“, dann wird dann ekstatisch zu den Beats getanzt. Schließlich klingt der Abend langsam aus. Dabei muss Ben Pavlidis auch immer die Stimmung der Tanzenden im Blick behalten. „Ich versuche, es so zu gestalten, dass immer Inseln von Gefühlen entstehen“, erklärt er.

Der Musiker ist zugleich der Initiator des allerersten Ecstatic Dance Festivals in Deutschland, das in diesem Jahr vom 7. bis zum 11. Juni in Thüringen stattfinden soll. Alle Initiatoren aus den Städten sollen dann zusammenkommen. „Ich kann mir vorstellen, dass es in 40 Jahren jeder kennt – so wie Yoga“, sagt er.

Mehr als ein Workout

Kristina hat ihn über den Berliner Ecstatic Dance kennengelernt, gemeinsam hatten sie die Idee, einen Ableger in Potsdam zu gründen. Kristina Tschesch ist als freie Filmemacherin im Rechenzentrum tätig –unter anderem hat sie schon Dokus über das Rechenzentrum und die Fachhochschule gedreht. Sie hat das Netzwerken mit den Akteuren und die Raumsuche übernommen. Als Partner hat sie das T-Werk in der Schiffbauergasse an Land gezogen.

Der Berliner DJ, Sänger und Liederschreiber Ben Pavlidis sorgt für die richtige Musik. Quelle: Scott McCourt

Ecstatic Dance ist dabei nicht nur ein Workout – es geht auch um Gemeinschaft. Das sei auch einer der Gründe, warum der Hype in Berlin gerade so erfolgreich ist, erklärt Kristina. „Dieser Wunsch nach Gemeinschaft ist stark, gerade für die, die früher in einem Dorf gelebt haben“. Ecstatic Dance in Potsdam ist für das Duo ein Versuch, vom dem es sich gut vorstellen kann, das es aufgeht.

Los geht es am heutigen Dienstag in der Schiffbauergasse 4E im T-Werk. Einlass ist ab 19 Uhr, der Eröffnungskreis beginnt um 19.50 Uhr. Insgesamt soll es bis Juli sechs Termine geben. Karten bekommt man vor Ort, 12 Euro regulär, 10 Euro ermäßigt.Wer sicher reinkommen will, meldet sich vorab per Mail an unter ticket@t-werk.deGetanzt wird ohne Schuhe, Alkohol, Drogen, Kameras, Handys oder Gespräche.Weitere Infos sowie Termine finden Sie unter www.t-werk.de oder auf der Facebook-Seite EcstaticDancePotsdam.

Von Anne Knappe

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