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Potsdam Ein Stadtteilzentrum statt zwei Wohnhäusern?
Lokales Potsdam Ein Stadtteilzentrum statt zwei Wohnhäusern?
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18:57 20.07.2017
Über die Zukunft der Biosphäre in Potsdam wird gestritten.
Über die Zukunft der Biosphäre in Potsdam wird gestritten. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam/Bornstedter Feld

Im Streit um die Zukunft der Biosphären liegen die Nerven bei Politik, Verwaltung und kommunaler Immobilienwirtschaft blank. Symptomatisch war das Donnergrollen in der Halle, das Wortmeldungen der Fraktionschefs Peter Schüler (Grüne) und Matthias Finken (CDU/ANW) am Mittwochabend im Finanzausschuss begleitete, der erstmals vor Ort tagte.

Die Verwaltungsvorlage mit dem Ziel einer europaweiten Betreibersuche ist von einer Stadtverordnetenmehrheit mit den Stimmen von SPD, CDU/ANW und Grünen Anfang Juli quasi kassiert worden. Statt dessen wurde eine Reihe von Veranstaltungen sowie die Prüfung weiterer Nutzungen beschlossen. Siegfried Weise, Geschäftsstellenleiter Stadtentwicklung, kündigte für September einen „Vorschlag“ mit „Mischvarianten“ an: „Wir werden versuchen, das zueinander zu kriegen.“

Dass der SPD-Fraktionschef und Ausschussvorsitzende Pete Heuer die Runde am Mittwoch in einer „Ideensammlung“ zu weiteren Vorschlägen ermunterte, erboste Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke: „Man sieht ja vor lauter Prüfungen den Wald vor Bäumen nicht mehr.“ Aktuell wird die Biosphäre von einer Firma der städtischen Bauholding betrieben.

Weise bekräftigte, dass von allen geprüften Varianten der Betrieb der Halle als Biosphäre ergänzt mit Gastronomie und Veranstaltungsbetrieb am günstigsten sei, weil sie für diesen Zweck errichtet wurde. Jede weitere Ergänzung der Nutzungen und auch ein Teilabriss wäre mit „exorbitanten“ Kosten verbunden.

Angesichts des wachsenden Pakets von Prüfanregungen warnte Weise auch dort vor einer Kostenexplosion: „Sie müssen wissen, diese Planungskosten würden so exorbitant sein, dass es nicht mehr vertretbar wäre. Dann reden wir nicht mehr über 10 000 Euro, auch nicht über 100 000 Euro, dann reden wir über 500 000 Euro.“

Heuer kritisierte Widersprüche in der Systematik. So sei der weitere Betrieb als Biosphäre von der Verwaltung 2014 im Vergleich mit anderen Lösungen etwa als Schule oder Stadtteilzentrum als teuerste Variante dargestellt worden, während sie in der aktuellen Gegenüberstellung am günstigsten käme. Laut Nicke waren die anderen Varianten seinerzeit günstiger, weil dafür anstelle städtischen Geldes Mittel aus dem Treuhandvermögen des Entwicklungsträgers eingerechnet worden seien. Mittlerweile stünden diese Mittel nicht mehr für diese Zwecke zur Verfügung.

Horst Heinzel (CDU) mahnte, „dass die Biosphäre nicht zum Grab für den Kämmerer wird“. Ralf Jäkel (Linke) empfahl, die Diskussion über fehlende Angebote für den Stadtteil von der Debatte über die Biosphäre zu trennen. Dem Argument, dass es sonst keinen Platz mehr gäbe, hielt er entgegen, dass man den Bebauungsplan ändern könne: „Dann werden eben zwei Wohnhäuser weniger da hingebaut.“

Laut Entwicklungsträger gibt es auch ohne aufwendige B-Planänderung Manövriermöglichkeit. Sprecherin Anna Winkler verwies am Donnerstag auf 11 000 Quadratmeter Fläche an der Georg-Hermann-Allee, die derzeit teils von einer Grundschule in einem Containerprovisorium genutzt werden. Prinzipiell seien dort alle Nutzungen von der Kita über den Jugendclub bis zum Stadtteilzentrum möglich.

Von Volker Oelschläger

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