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Potsdam Eine Künstlerkolonie für Potsdam
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08:06 28.10.2019
„Die Tänzerin“ von Georg Kolbe in der Ausstellung zum ersten Potsdamer Kunstsommer 1921 in der großen Orangerie von Sanssouci. Quelle: Potsdamer Kunstverein
Innenstadt

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg gab es Pläne, Potsdam zur Kunststadt zu entwickeln. Kern sollte eine Künstler- und Kunsthandwerkerkolonie sein, in der Künstler und andere Kreative unterschiedlichster Professionen gemeinsam wirken sollten.

Die Idee zu diesem Projekt stammte vom Architekten und Design-Pionier Peter Behrens (1868-1949), in dessen Babelsberger Atelier sich einige der späteren Bauhaus-Protagonisten ihre ersten Sporen verdient hatten. Entdeckt wurde Behrens’ Essay vom Mai 1919 erst vor kurzem von Jörg Limberg bei Recherchen in einem Hamburger Architekturarchiv.

Der Denkmalpfleger ist einer der Autoren einer Doppelausstellung zum 110. Jubiläum des Potsdamer Kunstvereins, die am Wochenende in der Galerie „Gute Stube“ in der Charlottenstraße 121 eröffnet wurde.

Entwurf von Heinrich L. Dietz für eine Künstlerkolonie auf Hermannswerder. Quelle: PKV

Behrens’ Essay gehörte für ihn zu den aufregendsten Entdeckungen bei der Vorbereitung dieser Ausstellung, sagt Limberg. Ergänzt wird dieser Beitrag durch Skizzen von dem Maler Wilhelm Schmid „für eine Künstler-Atelier-Kolonie in Potsdam“, der zeitweilig bei Behrens arbeitete, und einem späteren Entwurf vom Architekten Heinrich L. Dietz, der das Projekt auf Hermannswerder ansiedeln wollte.

Im Januar 1921 wurde eine Genossenschaft zum Bau einer Kunsthandwerker-Siedlung gegründet. Realisiert wurde das Projekt nie. Erst mit dem Kunst- und Kreativhaus im Rechenzentrum scheint mit einem Jahrhundert Verspätung eine Lösung gefunden.

Blick vom Alten Markt in die Schwertfegerstraße, rechts die Galerie Emil Heidkamps. Quelle: Sammlung GrussausPotsdam.de

Die Geburtsstunde des Potsdamer Kunstvereins schlug am 29. März 1909 zur Eröffnung einer Ausstellung von Potsdamer Künstlern in der Galerie Emil Heidkamps in der Schwertfegerstraße 4. Der 2003 neu gegründete Potsdamer Kunstverein fühle sich den progressiven Traditionen verbunden, sagt der Vereinsvorsitzende Andreas Hüneke.

Das betreffe nicht zuletzt den Einsatz für eine städtische Sammlung zeitgenössischer Kunst. Langfristiges Ziel sei die Verbesserung des Zustandes im Potsdam-Museum mit dem Gedanken, das es eine ständige Ausstellungsmöglichkeit für zeitgenössische Kunst geben müsse.

Andreas Hüneke vor der Tafel zum ersten Potsdamer Kunstsommer. Quelle: Bernd Gartenschläger

Deutschlandweite Beachtung sollte der Potsdamer Kunstverein 1921 mit der Ausrichtung des ersten Potsdamer Kunstsommers in der Orangerie von Sanssouci finden. Auch die Geschichte dieser und weiterer drei Kunstsommer findet sich in der Jubiläumsausstellung. Star des letzten Kunstsommers 1925 mit dem Schwerpunkt „50 Jahre Holländischer Malerei“ war Vincent van Gogh, der soeben mit einer Ausstellung von Stillleben im Palais Barberini quasi nach Potsdam zurück gekehrt ist.

Vereinsgeschichte im Treppenhaus

Die Geschichte des Kunstvereins von der Gründung bis zur Auflösung wird im Treppenhaus zur Galerie erzählt. Skandalös war die Eröffnung der Ausstellung Lovis Corinths 1911. „In diese Schweinerei“ könne man „ja gar nicht mit seinen Damen“, soll ein hoher Offizier geschimpft haben. Mehrere Gäste seien „empört“ gegangen, acht Vereinsmitglieder erklärten ihren Austritt.

Auch zur Eröffnungsfeier der Ausstellung „Der Sturm“ um 1917 soll es bei den Mitgliedern einen „Sturm der Entrüstung“ gegeben haben, Vereinschef Karl Röhrig habe die Runde „nur mit Mühe und Not“ besänftigen können.

Beitrag der Potsdamer Tageszeitung zum Potsdamer Kunstverein. Quelle: Bernd Gartenschläger

Zum 25. Jubiläum 1934 folgte die Gleichschaltung. Oberbürgermeister Hans Friedrichs äußerte in seinem Glückwunsch die Erwartung, dass „alle berufenen Kulturträger treu mit der Stadt und der NS-Kulturgemeinde zusammengehen“. Die „Darbietungen“ des Kunstvereins, schrieb Veteran Carl Kayser-Eichberg später, „galten nicht mehr der Gegenwartskunst, sondern der Kunstgeschichte“.

Der Verein wurde der Organisation „Kraft durch Freude“ und der Reichskulturkammer unterstellt. Zunächst wurden die jüdischen Künstler ausgeschlossen, später auch die Mitglieder, die unter ihren Großeltern Juden hatten.

Das formale Ende des Vereins sei 1950 gewesen, sagt Andreas Hüneke: „Da wurde er aus dem Vereinsregister ausgetragen.“ Aber die letzte überlieferte Veranstaltung sein ein Vortrag im Jahr 1940 gewesen: „Danach gab es keine Aktivitäten mehr.“

Mehr zum Potsdamer Kunstverein

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Die Dokumentation „Der Potsdamer Kunstverein des 20. Jahrhunderts“ ist in der „Guten Stube“ bis zum 25. November zu sehen. Vom 30. November bis zum 27. Januar 2020 folgt in einem zweiten Teil die Ausstellung von Malerei und Grafik von Veinsmitgliedern wie Gerhard Augustin, Heinrich Basedow senior und junior, Walter Bullert, Otto Heinrich, Rudolf Hengstenberg, Egon Kameke und anderen.

Spendensammlung für Gemäldeankauf

Viele der Leihgaben aus Privatbesitz werden laut Hüneke in dieser Ausstellung erstmals öffentlich gezeigt. Nach der Doppelausstellung ist eine Publikation zum Thema geplant: „Wir hoffen, dass sich im Laufe der Ausstellung der eine oder andere meldet, der noch etwas zum Kunstverein hat“, sagt Hüneke.

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Am Eingang werden Spenden für den Erwerb eines Bildes der Potsdamer Künstlerin Barbara Raetsch gesammelt, das der Verein dem Potsdam-Museum schenken will.

Barbara Raetsch: „Roter Bauzaun 6“, 2018, Öl auf Leinwand, 70 mal 140 Zentimeter. Quelle: Michael Lüder

„Roter Bauzaun 6“ ist Teil einer zwischen 2014 und 2018 entstandenen Werkreihe, in der sich die Malerin mit den Veränderungen am Alten Markt auseinandersetzte. Im Entree zur Ausstellung sind beginnend mit Stefan Eisermanns „Adam und Eva“ zwölf Kunstwerke dokumentiert, die der Verein über Spenden seit 2003 für das Potsdam-Museum erwerben konnte.

Der Alte Markt ist für den Potsdamer Kunstverein von einer speziellen Bedeutung. Denn möglicherweise gibt es die Chance für eine Rückkehr an den Ort des Vereins-Ursprungs.

Noch ist nicht festgelegt, ob und in welcher Form sich die Vorgeschichte beim Wiederaufbau des Hauses Schwertfegergasse 4 mit der Heidkampschen Kunsthandlung wiederfindet. „Vielleicht gibt es die Chance, das in der Ausschreibung zu berücksichtigen“, sagt Limberg.

Info Galerie „Gute Stube“, Charlottenstraße 121, geöffnet Sa, So 15-18 Uhr, Mo 10-14 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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