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Potsdam „Eine Skyline für Fahrland“
Lokales Potsdam „Eine Skyline für Fahrland“
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19:08 24.10.2017
Modell für das neue Stadtviertel am Krampnitzsee. Auf dem früheren Kasernengelände sollen künftig einmal 7000 Menschen wohnen.
Modell für das neue Stadtviertel am Krampnitzsee. Auf dem früheren Kasernengelände sollen künftig einmal 7000 Menschen wohnen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam/Fahrland

Der Potsdamer Ortsteil Fahrland steht vor einer Bevölkerungsexplosion. Denn mit der Entwicklung des Krampnitzer Kasenengeländes soll sich die Zahl der Einwohner von jetzt rund 5000 auf bis zu 12 000 mehr als verdoppeln.

Die Krampnitzer Kaserne liegt in der Fahrländer Gemarkung. Warum haben Sie sich nach dem Mauerfall nicht selbst darum gekümmert?

Claus Wartenberg: Wir hatten durchaus Überlegungen dazu angestellt. Aber in der Kaserne waren sowjetische Garderegimenter stationiert. Und da wir annahmen, sie würden als letzte das Licht ausschalten, haben wir eine Entwicklungsgesellschaft EGF gegründet und in Fahrland selbst für Wohnraum gesorgt. Und nun macht die Stadt Potsdam das, was Fahrland machen wollte. Nächstes Jahr soll es losgehen. Ich bin gespannt, wann die ersten Baugenehmigungen kommen.

Profitiert Fahrland?

Für Fahrland hat es den Charme, dass es Fahrland nun plötzlich doch gibt. Früher im Landkreis Potsdam-Mittelmark mit dem Kosmos um Belzig lagen wir ja wirklich am Rande der Welt. Jetzt rückt unser Ortsteil doch plötzlich irgendwie ins Blickfeld. Straßenbahnanbindung klingt schon mal gut.

Aber bei Ihnen ist doch nicht wenig gebaut worden.

Das war allen Widerständen zum Trotz die Macht des Faktischen: Wir haben zwei Bebauungspläne genehmigt bekommen und mit Blut, Schweiß und Tränen sind die jetzt umgesetzt. Wir haben keine 10 000 Einwohner, wie das mal in den Höhenflügen gedacht war. Wir haben jetzt rund 5000. Es ist uns gelungen, die Versorgung zu sichern. Der Bus fährt regelmäßig. Wir haben einen Kindergarten und eine Schule.

Auf den Grundstücken der Deutschen Wohnen als Großinvestor in Krampnitz soll es keine öffentliche soziale Infrastruktur geben, schreibt der Entwicklungsträger. Wiederholen sich die Fehler von Vierteln wie im Bornstedter Feld oder auch bei Ihnen in Fahrland, wo es erst einmal nichts außer neuen Wohnungen gab?

Im Aufsichtsrat ist man natürlich der Meinung: das passiert jetzt nicht mehr. Aber ich befürchte, dass es genau so kommt. Es sind ja noch ganz andere Funktionen nötig, die den gesamten Norden betreffen. Stichwort Grünflächenamt: Das braucht einen Stützpunkt, es kann ja nicht sein, dass der Norden von Rehbrücke aus versorgt wird. Stadtentsorgung: Heute fährt der Paarener Müll nach Rehbrücke, wird da abgekippt, sortiert und dann durch die ganze Stadt an Paaren vorbei nach Vorketzin gebracht. Und da wundert man sich, dass die Abfallentsorgung so teuer ist. Feuerwehr: Nun wird untersucht, ob im Norden vielleicht doch eine dritte Feuerwache installiert werden sollte. Die kann auch nur nach Krampnitz.

Ist in Krampnitz dafür überhaupt noch genug Platz?

Da ist Platz genug. Aber man muss die Flächen natürlich frei halten. Es sind ja städtische. Dann kann ich eben weniger verkaufen für den Wohnungsbau. Es wird immer von Gemeinwohl geredet in Potsdam. Aber was ist denn mit einem Ärztehaus, einem Zentrum für medizinische Versorgung, für Physiotherapie, für Altenpflege. Das sei angedacht, heißt es. Ich weiß nur nicht, in welchem Bauabschnitt sie das machen wollen. Und wo.

Der Nahversorger soll am Haupteingang direkt an der B2 platziert werden. Ist das ein guter Ort dafür?

Dieser Standort ist für die öffentliche Versorgung völlig daneben. Vielleicht lockt man die Spandauer zum Einkauf nach Krampnitz. Na toll. Eigentlich kann das alles nur da hin, wo die neueste Brandruine ist, nämlich in die Kurve beim Bauern Ruden. Da liegt es wirklich zentral. Für Krampnitz, aber auch für Fahrland, Marquardt und andere Ortsteile. Und wir würden keinen zusätzlichen Verkehr organisieren. Wenn die Fahrländer alle zum Arzt und zum Einkaufen an die B2 müssen, wie kommen sie denn da hin?

Wie wird Fahrland in die Entwicklung von Krampnitz einbezogen?

Ich sitze im Aufsichtsrat der Entwicklungsgesellschaft, aber da habe ich eigentlich nichts zu melden. Wenn Einwohnerversammlungen sind und wir drängeln, kommt das natürlich auch aufs Tapet. Wir werden wie üblich an den B-Planverfahren beteiligt. Mehr aber nicht. Dass es unser Gemeindegebiet ist, naja, das hat so richtig noch keiner verinnerlicht.

Warum hat Fahrland keinen Sitz in der Jury für den städtebaulichen Wettbewerb?

Das ist irgendwie nach hinten losgegangen. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass wir eingeladen werden. Als die geplante Besetzung bei mir ankam, habe ich sofort reagiert. Aber meine Fraktion hatte sich schon verständigt, ohne an mich zu denken. Warum auch immer. Und nun ist das so. Als Ortsbeirat darf ich teilnehmen, aber ich kann keine Statements abgeben.

Ist in Fahrland selbst nach der Semmelhaack-Siedlung Am Upstall Süd eigentlich Schluss mit dem Bauen?

Er hätte noch 40 Häuser im Portfolio, bei denen ihm der Ortsbeirat aber mehrheitlich in die Suppe gespuckt hat. Doch das muss die Stadt händeln. Und daran hängt, ob er irgendwann weitermacht mit einer Einrichtung für Altenpflege und einem Kindergarten.

Könnte Krampnitz nach dem Ausbau der Kaserne als neuer Ortsteil aus Fahrland ausgegliedert werden?

Nein, das gehört alles zu Fahrland. Da spielt sich nichts ab. Der Bauer Ruden schwelgt ja schon, wenn wir 15 000 Einwohner haben, dann wollen wir autonom werden.

Die IHK lobt, dass der Flächenanteil für Gewerbe in Krampnitz auf 20 000 Quadratmeter verdoppelt wurde. Ist das der richtige Weg?

Auch da habe ich es aufgegeben, mir den Mund fusselig zu reden. Denn eine Chance hätte es gerade in diesen denkmalgeschützten Kasernenbauten gegeben: Das sind hochflexible Gebäude. Da könnte man doch ausschreiben für Start-ups aus Berlin, auf der einen Seite Wohnen, auf der anderen Arbeiten, in der Mitte die autonome Kita, wenn ihr wollt. Vernetzt seid ihr, Ökostrom habt ihr auch, schöner geht es doch nicht. Doch diese Mischung ist nicht gewollt. Sehen Sie sich doch an, was im Bornstedter Feld gebaut wurde. Das ist so gruselig. Da haben wir einen Gestaltungsrat. Was macht denn der eigentlich? Alles nur Wohnsilos. Die sollen sich mal nicht über den Plattenbau der DDR aufregen.

Was sagen Sie zur Option, dass in Krampnitz nun höher und dichter gebaut werden soll?

Jetzt bekommen wir von der Deutschen Wohnen erst mal die denkmalgerechte Sanierung der Kaserne. Aber dahinter in den Angerhöfen wird dann gepowert. Wer weiß: Vielleicht bekommen wir dann auch 16-Geschosser. Eine Skyline für Fahrland. Den Turm am Tor haben wir ja schon.

Kann Krampnitz zum Risiko für den Norden werden?

Wir haben auf jeden Fall unseren Lebensmittelladen gesichert, der jetzt wohl auch anbauen darf. Unsere Ärztin haben wir. Und wenn Semmelhaack sein Büro aufgibt, findet sich vielleicht doch noch ein Apotheker. Und dann können wir schön gemütlich in Fahrland auf den Balkons sitzen und nach Krampnitz gucken und uns teuflisch amüsieren, wie das da aussieht.

Stadtverordneter und Ortsvorsteher

Claus Wartenberg (67) wurde 1990 zum Bürgermeister von Fahrland gewählt. Seit dem Februar 1990 ist er Mitglied der SPD.

Mit der Eingemeindung Fahrlands nach Potsdam im Jahr 2003 wurde er Ortsbürgermeister. Seit 2008 ist er unter neuer Amtsbezeichnung Ortsvorsteher.

Mit der Neuwahl zur Eingemeindung wurde Wartenberg mit einem Direktmandat Stadtverordneter.

Als Stadtverordneter ist er stellvertretender Vorsitzender des Beschwerdeausschusses und Mitglied im Ausschuss für Klima, Ordnung,Umwelt und ländliche Entwicklung.

Von Volker Oelschläger

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