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Elias Ein Geständnis ohne jedes Bedauern
Lokales Potsdam Elias Ein Geständnis ohne jedes Bedauern
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18:47 05.07.2016
Silvio S. muss sich vor dem Landgericht Potsdam wegen des Mordes an den Jungen Elias (6) und Mohamed (4) verantworten. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Silvio S. redet im Verhör, ihm scheint das gut zu tun. Klare Worte, nüchterner Ton. Als wäre es etwas Alltägliches, grausame Verbrechen in allen Einzelheiten zu schildern. Silvio S. hat gerade gestanden, den vierjährigen Mohamed entführt und missbraucht zu haben. Der Junge ist tot, erdrosselt, genauso wie der sechsjährige Elias, auch das hat er zugegeben. Ausführlich beantwortet er die Fragen der Kriminalpolizisten, mit zunehmender Verhördauer gewinnt er an Sicherheit. Minutiös schildert er die Szenen des Missbrauchs, in seinem Gesicht macht sich ein Grinsen breit. Nur bei der Frage, wie es ihm gehe, steigen ihm Tränen in die Augen: „Nicht so gut – weil man das nicht macht.“

Der siebente Verhandlungstag im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Mohamed und Elias hat sich am Dienstag um das Geständnis gedreht, das Silvio S. am 29. Oktober 2015 zu Protokoll gab. Es war der Tag seiner Festnahme – die zwei Beamten der Berliner Mordkommission, die damals zum Verhör auf die Polizeiwache nach Luckenwalde (Teltow-Fläming) gekommen waren, erinnern sich gut an die mehr als dreistündige Einlassung.

„Herr S. hat es genossen, im Mittelpunkt zu stehen“, schließlich habe man ihm genau zugehört, sagt ein 31 Jahre alter Kriminalbeamter, der den mutmaßlichen Kindermörder als „gefühlskalt“ und „sehr sachlich“ in Erinnerung hat. Ein Geständnis „ohne Wimmern in der Stimme“, keine Spur des Bedauerns. Silvio S., das ist der Eindruck, koste es aus, dass man ihm Beachtung schenkt, umringt von den beiden Polizisten und seinem Anwalt. Bei Nachfragen lehnt er sich zurück und legt eine künstliche Pause ein. Und dann dieses Grinsen.

Es ist 21.04 Uhr, als das Verhör abrupt endet. Sein Mandant sei ermüdet, meint Verteidiger Mathias Noll. Bei den Polizisten löst das Unverständnis aus. Alles andere als müde habe Silvio S. gewirkt, beteuern sie vor Gericht. Doch es sollten die bislang letzten Worte sein, die der Angeklagte über die ihm zur Last gelegten Taten verlor. Seither schweigt er – auf Anraten seiner beiden Anwälte. Im Gerichtssaal ist genau zu spüren, welches Unbehagen das in Staatsanwalt Peter Petersen auslöst.

Immer wieder wirft er fordernde Blicke in Richtung der Anklagebank, so wie am Dienstag, als die Prozessbeteiligten Pornosequenzen begutachten, die auf Silvio S.’ Rechner gefunden wurden, darunter auch täuschend echt wirkende Vergewaltigungsszenen, die sich jedoch als Schauspiel herausstellen. Als Petersen zu einer kindsgroßen Puppe greift, sie auszieht und rabiat wieder beiseite stellt, scheint es für einen Moment, als wäre in Silvio S.’ Augen eine Gefühlsregung zu erkennen.

An der Puppe soll er den Missbrauch geübt haben. Gibt es weitere Opfer? Staatsanwalt Petersen hält das für möglich. 1546 fremde DNA-Spuren hat man bei dem Angeklagten gefunden, aber nicht alle waren Elias und Mohamed zuzuordnen.

Als die Nebenklage nach der Verteidigungsstrategie von S.’ Anwälten fragt, kann Petersen ein süffisantes Lächeln nicht verbergen. Auch die Berliner Kripobeamten werden daraus nicht schlau: Vor dem ersten Verhör hieß es zunächst, der Beschuldigte werde sich nicht äußern. Gut eine Stunde darauf erklärte Noll ihn sogar für „augenscheinlich schuldunfähig“, um keine 30 Minuten später damit zu überraschen, dass Silvio S. nicht nur Mohamed, sondern auch den damals seit Monaten vermissten Elias auf dem Gewissen habe. Silvio S. schien bereit, sich alles von der Seele zu reden. Bis ihn seine Anwälte stoppten.

Der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter hat am Dienstag seinen Appell an den Angeklagten erneuert, sich doch noch zu den Vorwürfen zu äußern – besser früher als später.

Von Bastian Pauly

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