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Potsdam Emeriti feiern 70 Jahre Gründung der Brandenburgischen Landeshochschule
Lokales Potsdam Emeriti feiern 70 Jahre Gründung der Brandenburgischen Landeshochschule
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17:49 18.10.2018
Gebäude des Auditorium Maximum der Universität Potsdam am Neuen Palais. Quelle: MAZ/Bernd Gartenschläger
Potsdam

„Viele gehen davon aus, dass es vor der Gründung der Universität Potsdam im Jahr 1991 hier nur ein Schwarzes Loch gab“, sagt der emeritierte Physiker Ludwig Brehmer. Dieser Eindruck sei völlig falsch. „Wir wollen deutlich machen, dass eine Hochschulstadt in Potsdam schon im Jahr 1948 gegründet wurde.“

70 Jahre Hochschulstandort Sanssouci werden gefeiert

Mit der Gründung der Brandenburgischen Landeshochschule (BLH) am 20. Oktober 1948 in Potsdam sei eine Einrichtung entstanden, die den Universitäten in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone in allen Belangen gleich gestellt gewesen sei. Es habe nicht nur mathematisch-naturwissenschaftliche Lehre, sondern Forschung auf internationalem Niveau gegeben. Da die Einrichtung nach der Wende fast vollständig in der Universität Potsdam aufging, schließt sich Brehmer der Auffassung des früheren Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) an. Der meinte, die heutige Universität sei „auf den starken Schultern“ der 1948 gegründeten BLH gebaut worden. Deshalb feiert das Kollegium der Ehemaligen an diesem Freitag mit einer Konferenz „70 Jahre Hochschulstadt in Sanssouci“.

„Es gab in der damaligen Zeit einen unglaublichen Bedarf nach einer Ausbildung von Lehrern“, sagt Brehmer. Das habe nicht nur für Potsdam oder die Sowjetische Besatzungszone, sondern für Deutschland überhaupt gegolten. Denn der Verlust an Lehrern war durch den Krieg enorm. Die damalige Provinzialregierung habe eine entsprechende Einrichtung unbedingt nach Potsdam holen wollen. „Es ging aber nicht nur um die Ausbildung von Lehrern.“ Ziel sei wissenschaftliches Personal überhaupt gewesen.

Hochschule in Schlösserlandschaft

Die Universität Potsdam hat heute 20500 Studierende an sechs Fakultäten und auf drei Standorten, darunter auch der Campus Am Neuen Palais. Die größte Fakultät ist die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät in Golm. Insgesamt forschen und lehren an der Uni 309 Professoren.

Die Feier „70 Jahre Hochschulstadt in Potsdam-Sanssouci“ beginnt heute um 9 Uhr Am Neuen Palais 10 in der Oberen Mensa. Die Vorträge handeln von der Schlösserlandschaft auf dem Areal und der Entstehung und dem Wachstum der früheren Landeshochschule. Zur Feier gehört auch eine Führung durch das Neue Palais.

Nach „harten Kämpfen“ habe man sich mit der sowjetischen Administration darauf verständigt, eine gleichsam universitäre Einrichtung mit einer Allgemeinwissenschaftlichen Fakultät und einer Pädagogische Fakultät zu schaffen. Als dritter Teil kam die Arbeiter- und Bauernfakultät hinzu. „Die Hochschule hatte die gleichen Rechte und Pflichten in Lehre und Forschung wie alle anderen Universitäten im Osten“, betont Brehmer.

Die im Theatersaal des Neuen Palais gegründete Hochschule hatte am Anfang 122 Studenten und ein ganz großes Problem: keine Räume im zerbombten Potsdam. Zunächst wich man auf Gebäude in der Dortustraße aus, dann erschloss man sich nach und nach Möglichkeiten im Park Sanssouci. Was für heutige Potsdam-Touristen Ausstellungsräume sind, waren damals Orte von Forschung und Lehre. Es wurde nicht nur wie heute beide Communs am Neuen Palais benutzt, es wurde zum Beispiel sogar im Keller des Heinrichflügels im Neuen Palais selbst ein chemisches Labor eingerichtet. Der ehemalige Leibreitstall des Kaisers wurde zum Hauptgebäude umgebaut. Die stählernen Träger für die neue Zwischendecke trugen einst eine Jagdvilla Hermann Görings nördlich von Berlin. Noch heute ist der Raum das Audimax der Universität Potsdam.

Studenten an der Pädagogische Hochschule „Karl Liebknecht“ im September 1988. Quelle: MV/Christel Köster

1953, als die Landeshochschule schon seit gut zwei Jahre Pädagogische Hochschule „Karl Liebknecht“ hieß, hatte die Einrichtung nicht nur 31 Gebäude in und um Park Sanssouci in eigener Trägerschaft, es waren jetzt auch schon 1550 Studierende. „In den ersten Jahren der Pädagogischen Hochschule waren es zum großen Teil noch Diplomanden“, sagt Brehmer. Obwohl der Schwerpunkt der Einrichtung mit der Umbenennung 1951 in Richtung Lehrerbildung verschoben werden sollte, wollten die meisten noch keine Lehrer werden, sondern eine wissenschaftliche Ausbildung als Physiker, Mathematiker, Chemiker und Geologen. Erst mit den Jahren gab es mehr Abschlüsse junger Lehrer.

Streit um Kontinuität der universitären Geschichte

Als am 15. Juli 1991 die ein Jahr zuvor wieder in Brandenburgische Landeshochschule umgewandelte Hochschule in die Universität Potsdam eingegliedert wurde, hatte sie 2500 Studierende und 1500 Mitarbeiter. Auch der Gründungsrektor der neuen Universität, der Physiker Rolf Mitzner, war schon Professor an der BLH gewesen. Brehmers Folgerung daraus: „Es gab 1991 keinen Urknall.“ Eine funktionierende universitäre Hochschullandschaft habe es in Potsdam schon vor der Wende gegeben. Brehmer führt seine eigene Promotion an der Pädagogischen Hochschule im Potsdam im Jahr 1972 an. Brehmer arbeitete mit ihr später nicht nur an der Akademie der Wissenschaften der DDR, er wurde auf der Grundlage seiner Forschung auch zum Professor an der neuen Universität Potsdam berufen und dort Leiter der Abteilung Festkörperphysik.

Bei seiner der Einschätzung, es habe von 1948 bis in die Gegenwart am Standort Potsdam Sanssouci praktisch eine Kontinuität universitärer Forschung und Lehre gegeben, erntet Brehmer freilich auch Widerspruch von prominenter Seite. Der Zeithistoriker Manfred Görtemaker hatte zum 25. Uni-Jubiläum 2016 die Personalpolitik an der neu gegründeten Universität beklagt. Gerade der von der BLH übernommene Mittelbau sei eher eine Art Hilfsteam für die dortige Lehre und keineswegs eine Gruppe eifriger Nachwuchsforscher gewesen. Diese Mitarbeiter hätten die Forschungsstärke der jungen Universität über Jahre beeinträchtigt.

2200 Promotionen zu DDR-Zeiten

Brehmer hält dem die insgesamt 2220 Promotionen und 220 Habilitationen und über 200 Patente, aber auch die spätere Einschätzung des Fakultätsrats der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät entgegen. Der hatte den Aussagen Görtemakers widersprochen und auf die Forschungsstärke der Fakultät von Anfang an verwiesen. Brehmer ist sicher: Die 43 Jahre vor der Universität Potsdam gegründete BLH bildete rund um Sanssouci den Grundstock für eine erfolgreiche Universitätsstadt nach der Wende. Das sei Grund genug, den Gründungsakt vom 20. Oktober 1948 zu feiern. Er sagt: „Wir sind stolz darauf, dass wir sowohl am Aufbau der Landeshochschulen wie auch der neuen Universität Potsdam mitwirken konnten.“

Von Rüdiger Braun

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