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Potsdam Kein Platz mehr für Großindustrie in Potsdam
Lokales Potsdam

Empfehlung der Verwaltung: Großindustrie in Potsdam unmöglich

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14:45 26.04.2021
Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Die Stadt Potsdam verabschiedet sich von ihrer größten Reservefläche für eine potenzielle industrielle Großansiedlung. Der sogenannte gewerblich-industrielle Vorhaltestandort nördlich von Marquardt und westlich der A10 soll aus dem Regionalplan „Havelland-Fläming“ und infolge auch aus der brandenburgischen Landesplanung gestrichen werden. Diese Empfehlung spricht die Verwaltung gegenüber den Stadtverordneten und der Regionalplanung aus. Seit 2007 galt die etwa 140 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche als „grundsätzlich gut geeignet für die Ansiedlung bedeutsamer Industrievorhaben auf Landesebene“ und war seit 2009 im Landesentwicklungsplan verankert. Ein vergleichbar großer Vorhaltestandort wird derzeit mit der Tesla-Autofabrik in Grünheide (Oder-Spree) bebaut. Eine solche Ansiedlung würde in Potsdam unmöglich werden, wenn die Stadtverordneten und die Regionalplanung der Rathaus-Empfehlung folgen und die Fläche im kommenden Regionalplan 3.0 nicht mehr aufgeführt wird. Weil in Brandenburg an der Havel und in Nuthe-Urstromtal weiterhin zwei große Flächen in der Region als geeignet gelten, würde die Regionalplanung dem Potsdamer Votum auch folgen, schätzt man in der Verwaltung.

Lärmschutz, Naturschutz, Überflutungsgefahr

Der Hauptgrund für die Ablehnung: Das Ergebnis des Landesgutachtens von 2007 berücksichtige „nicht in ausreichendem Maße die nötigen Abstandspuffer“. So gilt ein Mindestabstand von 500 Meter zur Ortslage Paaren und von 200 Meter zum Vogelschutzgebiet „Mittlere Havelniederung“. Weitere Flächen sind nicht nutzbar, weil sie statistisch gesehen alle 100 Jahre überflutet werden oder als Überflutungsfläche bereit stehen sollen. „Das ist bei der Standortprüfung anscheinend gar nicht berücksichtigt worden“, erklärte Erik Wolfram, Leiter der Stadtentwicklung, am Montag. „Im Ergebnis würde eine Flächengröße von maximal 65 bis 70 Hektar verbleiben, deutlich unterhalb der Richtgröße von 100 Hektar für Vorsorgestandorte“, erklärt die Bauverwaltung. 

Zugleich gebe es östlich der Autobahn im Gewerbegebiet Friedrichspark „noch umfangreiche Flächenreserven, die derzeit brachliegen bzw. durch Solaranlagen genutzt werden.“ Insgesamt können hier noch rund 50 Hektar Gewerbefläche aktiviert werden, die bereits durch Planung gesichert und teils erschlossen sind. Zumindest für die nah an der Autobahn gelegenen Flächen des Vorhaltestandorts will die Verwaltung zumindest prüfen, „ob eine temporäre Nutzung als Freiflächensolaranlage in Frage kommt.“ 

Eine Sorge weniger, aber...

Für die Anwohner der an die A 10 angrenzenden Potsdamer Dörfer Uetz, Paaren, Satzkorn, Kartzow und Marquardt würde damit zumindest ein mögliches Großprojekt im Potsdamer Norden dauerhaft entfallen. Beiderseits der Autobahn gibt es eine ganz Reihe weiterer Pläne. So soll nicht nur das Gewerbegebiet Friedrichspark entwickelt werden. Östlich der A 10 ist ein 76 Hektar großer Solarpark zwischen Kartzow und Satzkorn geplant. Auf der Westseite der Autobahn planen Land und Bund eine neue Autobahnraststätte „Havelseen“ auf rund 30 Hektar Fläche, die allerdings ebenfalls vom Rathaus abgelehnt wird. 

Von Peter Degener

26.04.2021
26.04.2021