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Potsdam Warum Gerit Kling der Weihnachtsengel von Sansibar ist
Lokales Potsdam Warum Gerit Kling der Weihnachtsengel von Sansibar ist
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11:04 23.12.2019
Schauspielerin Gerit Kling (2.v. r.), OB Mike Schubert (r.), Ex-OB Jann Jakobs (l.) und die frühere Kulturbeigeordnete Gabriele Fischer im Blauen Salon im Rathaus. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam/Sansibar-City

Die Wettervorhersage für den 24. Dezember? Voraussichtlich starke Gewitterschauer und Höchsttemperaturen von bis zu 30 Grad. Übliches Weihnachtswetter also – auf Sansibar. Die ostafrikanische Insel, deren Hauptstadt Sansibar Town seit 2017 eine von Potsdams Partnerkommunen ist, liegt knapp südlich des Äquators. O Palmenbaum statt o Tannenbaum. Was nicht heißt, dass es die Weihnachtstanne nicht auch im Tropenparadies gibt; allerdings meist in der Plastikversion. Bunte, festliche Glitzerkugeln verzieren die Dachterrassen der Hotels im Herzen der Altstadt, von wo aus man den perfekten Blick über die vielen alten Paläste aus Muschelkalk bis hin zum Blau des Indischen Ozeans hat.

Blick über das Gassengewirr in der Altstadt mit der katholischen Kathedrale im Hintergrund. Quelle: Ildiko Röd

Über dem Gassengewirr erheben sich weithin sichtbar auch Kirchtürme. Die mächtige anglikanische Kathedrale Christ Church ist ein bewegender Ort; Mahnmal an ein dunkles Kapitel der sansibarischen Geschichte: Die Insel war im 18. und 19. Jahrhundert der Hauptumschlagplatz für den ostafrikanischen Sklavenhandel. Die Kellergewölbe in denen die Sklaven für den Markt eingesperrt waren, sind noch heute zu sehen. Anstelle des einstigen grausamen Marktes, wo die Menschen wie Vieh gehandelt wurden, erhebt sich seit Ende des 19. Jahrhunderts die erste anglikanische Kirche Ostafrikas. Daneben erinnert ein ergreifendes Sklaven-Denkmal, das hoffnungslose Männer und Frauen in Ketten zeigt, an diese unmenschliche Zeit. Ebenfalls im Stadtzentrum steht die katholische Sankt-Josephs-Kathedrale, deren zwei schlanke Türme von einer fast ebenso hohen Palme flankiert werden. Zu Weihnachten wird hier in der Landessprache Swahili die Christmette gehalten – was gut und gerne bis zu zwei Stunden dauern kann. Obwohl sich in Sansibar City also Moscheen und Kirchen im Stadtbild vereinen, sind Christen nur eine kleine Minderheit. „Stille Nacht, heilige Nacht“ ist somit beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Die anglikanische Kirche in Sansibar-City. Quelle: Privat

Doch egal, ob Hindus, Christen, Moslems – das Leben auf der ehemaligen Zuckerrohrinsel ist für die meisten kein Zuckerschlecken. Genau da setzt auch das Engagement der Potsdamer Schauspielerin Gerit Kling an, die bislang bereits etliche Male für die Städtepartnerschaft gespendet hat – aus Mitteln einer Golf-Charity, bei der deutsche Stars regelmäßig Gelder für karitative Projekte „erspielen“ (MAZ berichtete). Und so gab es für Sansibar am Freitag im festlich geschmückten Potsdamer Rathaus ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art. Einen Spendenscheck über 10 000 Euro überreichte Gerit Kling diesmal im Blauen Salon an Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Insgesamt hat die Schauspielerin und Regisseurin seit 2017 somit 40 000 Euro für die Partnerschaft gegeben. Gedacht ist das Geld für das, was ihr besonders am Herzen liegt: Bildung und Verbesserung der schulischen Ausstattung, weil es oft am Nötigsten fehlt. Ebenfalls mit dabei im Blauen Salon: Ex-Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der die Sansibar-Partnerschaft vor drei Jahren mit aus der Taufe gehoben hat und die Probleme auf der Insel aus eigener Anschauung kennt. Weshalb er sich vor einigen Monaten entschlossen hat, sich aktiv für diese jüngste Städtepartnerschaft der Landeshauptstadt zu engagieren – konkret: im Freundeskreis Potsdam-Sansibar.

Schulklasse auf Sansibar im Jahr 2017. Die Kinder müssen auch auf dem Boden sitzen. Quelle: Ildiko Röd

Auch Gerit Kling freut sich, mit Jakobs in dieser Sache „künftig an einem Strang ziehen zu können“. Ihr Augenmerk möchte die Potsdamerin, die Sansibar bereits von ihrer Hochzeitsreise kennt, vermehrt auf Einzelprojekte legen, etwa indem einzelne Schulen intensiver gefördert werden. Sprich: Die Verteilung der Spenden soll nicht nach dem Gießkannenprinzip laufen. „Es brennt ja an vielen Ecken, aber irgendwann muss man das gezielt machen“, sagte Kling bei der feierlichen Übergabe im Rathaus, an der auch zahlreiche Akteure der Städtepartnerschaft teilnahmen. Die Schauspielerin überlegt sogar eine neuerliche Reise nach Sansibar. Vorausgesetzt, ihr Zeitplan erlaubt es, denn auch 2020 ist schon ziemlich voll. So erscheint zum Beispiel im Frühjahr ein neues Buch, das Gerit gemeinsam mit ihrer Schwester Anja – ebenfalls erfolgreiche Schauspielerin – geschrieben hat. Apropos Pläne: Rathauschef Schubert wird seinen ursprünglich für das nächste Frühjahr ins Auge gefassten Antrittsbesuch in Sansibar-City wohl wegen anderer anstehender Termine in Potsdam vorerst verschieben müssen.

Ein Strand auf Sansibar direkt in der Hauptstadt . Quelle: Ildiko Röd

Dennoch liegt die Partnerschaft deshalb nicht brach. Im Gegenteil. Die frühere Kulturdezernentin Gabriele Fischer sitzt bereits auf gepackten Koffern – sie fährt zu Silvester Richtung Süden. „Diesmal bleibe ich drei Monate“, erzählte Fischer bei der Spenden-Übergabe. In den vergangenen zwei Jahren war sie schon mehrere Male dort, um das Partnerschaftsprojekt ehrenamtlich voranzutreiben. Ihre Aufenthalte – immer aus eigener Tasche gezahlt – haben ihr bereits ein dichtes Netzwerk beschert und einen Blick fürs Wesentliche. Neuestes Projekt, das mit Hilfe des Rotary-Clubs von Sansibar und der Potsdamer Rotarier gestemmt werden soll: die Förderung der Brustkrebsbehandlung und -früherkennung auf Sansibar. Ziel der Initiative „Hands On“ ist es, Frauen die Möglichkeit zu geben, kostenlos untersucht, behandelt und betreut zu werden, und Basiswissen zu erwerben: So soll den Frauen die monatliche Selbstuntersuchung mit dem Abtasten der Brust beigebracht werden. Ebenfalls wichtig: die Einführung von Brustkrebssprechstunden. Außerdem soll medizinisches Fachpersonal ausgebildet werden. Jenny Bouraima, eine deutsche Ärztin mit afrikanischen Wurzeln, hat bei dem Projekt vor Ort den Hut auf. „Derzeit läuft der Antrag bei Global Grants – der internationalen Rotary-Ebene“, erläuterte Fischer. Auch Jakobs – selbst Rotarier – befördert das Vorhaben.

Abseits von den paradiesischen Stränden herrscht viel Elend auf der Insel. Quelle: Ildiko Röd

Fakt ist: Zweiieinhalb Jahre nach der Begründung der Städtepartnerschaft zwischen beiden so weit von einander entfernten Partnerkommunen ist ein tragfähiger Brückenschlag erfolgt. Vieles ist auf einem guten Weg. So konnte der historisch zwar wertvolle, aber völlig heruntergewirtschaftete Botanische Garten von Sansibar Town wieder zu neuer Blüte gebracht werden, nicht zuletzt mit Unterstützung der Wissenschaftler des Potsdamer Botanischen Gartens. In wenigen Monaten soll die feierliche Übergabe erfolgen. Ein noch zartes, aber vielversprechendes Pflänzchen ist zudem die Erweiterung des Unterstützerkreises für die Städtepartnerschaft. So gibt es derzeit Gespräche mit Superintendentin Angelika Zädow über eine mögliche Einbindung des Kirchenkreises in die Aktivitäten. Heißt: Auch wenn es in Sansibar zu Weihnachten mutmaßlich wie aus Kübeln schütten wird, so sind die Gesamtaussichten für die märkisch-sansibarische Freundschaft doch insgesamt sehr sonnig.

Kinder in den Straßen der Altstadt von Sasn Quelle: Röd

Von Ildiko Röd und Johanna Apel

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