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Potsdam Der Hund aus dem Schlosspark Marquardt – und seine spektakuläre Rettung
Lokales Potsdam Der Hund aus dem Schlosspark Marquardt – und seine spektakuläre Rettung
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20:23 30.12.2019
Das gute Ende: Die Tierrettung trägt Mischling Balu aus dem Park Marquardt. Quelle: Tierrettung Potsdam
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Potsdam

Mehr als zwei Monate war Balu unterwegs. Mindestens 50 Kilometer hat er zurückgelegt und drei Landkreise durchstreift. Und das alles ohne einen Menschen an seiner Seite. Am Sonntag endete die Reise des schwarz-weißen Mischlings aus Oranienburg – im Schlosspark Marquardt. Seine Familie, Heike Riemer (54) und ihr Mann, konnte den Hund glücklich in ihre Arme schließen.

Am 21. Oktober war der Hund, der eineinhalb Jahre zuvor aus einem Tierheim zu den Riemers kam, mit der Tochter unterwegs. Sein Frauchen Heike Riemer war mit ihrem Mann im Urlaub in Griechenland. Balu und seine Sitterin waren gerade vor die Tür getreten, da riss sich der Hund von der Leine. „Der Karabiner-Haken war wahrscheinlich nicht richtig am Ring des Halsbandes befestigt“, sagt Heike Riemer. „Unsere Tochter rief uns an und wir brachen sofort den Urlaub ab.“

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Wieder zu Hause in Oranienburg machte sich die Familie intensiv auf die Suche. „Noch bis zum 25. Dezember hatte ich eine Futterstelle bei uns am Lehnitzsee, wo wir immer spazieren gehen, aufgefüllt“, erzählt Heike Riemer. „Wen ich da die ganze Zeit gefüttert habe, weiß ich bis heute nicht“, sagt sie weiter und lacht. Denn am 26. Dezember bekam sie einen Anruf aus Potsdam. Es war die Tierrettung der Landeshauptstadt. „Das konnte ich nicht glauben. Wie soll Balu denn bis nach Potsdam gekommen sein? Und die sagten auch, dass er schon lange dort beobachtet wurde. Ich fiel aus allen Wolken.“

Marquardter tun sich zusammen, um zu helfen

Zwei Tage später ist sie hingefahren. Was ihr Hund bis dahin erlebt hatte, konnte sie freilich nicht ahnen. Einen kleinen Einblick gaben ihr die Tierrettung Potsdam und Marquardter Anwohner, die sich zusammentaten und beobachteten, wie Balu sich im Schlosspark einrichtete. „Wir haben den Hund das erste Mal am 8. Dezember gesehen“, erzählt ein Marquardter Familienvater. Er geht mit seiner Frau, dem gemeinsamen Kind und ihrem Hund regelmäßig im Schlosspark spazieren. „Wir haben uns sofort gewundert. Wir haben nämlich seit drei Jahren selbst einen Tierschutz-Hund. Außerdem kennen wir hier alle Hundebesitzer und Hunde. Wir wussten sofort, dass dieser Hund hier normalerweise nicht hergehört.“ Sie taten sich mit anderen Marquardtern zusammen, versuchten, Kontakt zu Balu aufzunehmen. „Aber sobald sich ein Mensch ihm nähern wollte, lief das Tier weg“, erzählt der Familienvater.

Hund Balu muss nun erstmal ein wenig aufgepäppelt werden. Quelle: privat

Dreimal habe er Balu gesehen. Dann änderte sich plötzlich etwas. „Er fing an, nach Futter zu betteln, Kontakt zu suchen und sich mehr im Schlosspark aufzuhalten, wo viele Hundebesitzer spazieren gehen.“ Zuvor lief er in einem Gebiet umher, das sich bis nach Fahrland und Satzkorn erstreckte. Der Marquardter vermutet: Ein Verkehrsunfall, in den Balu verwickelt war, hinderte ihn an der erfolgreichen Jagd nach Futter.

Balu blieb extrem vorsichtig. Schnappte sich das von den Marquardtern gebrachte Futter und verschwand sofort wieder im Unterholz. „Die Anwohner haben das wirklich toll gemacht“, sagt Kath­leen Wiggert, zweite Vorsitzende des Vereins Tierrettung Potsdam. „Für mich ist das ein bisschen wie ein Weihnachtsmärchen, diese Geschichte. Die Anwohner haben sich teilweise an den Herd gestellt und die Gänseinnereien und Gänsehälse ihres Weihnachtsessens für Balu gekocht, damit er eine warme Mahlzeit hatte.“

Über Whatsapp verabreden sich die Helfer. Die Zeit drängt

Über WhatsApp haben sich die Tierfreunde, von denen einige nicht einmal selbst Hunde haben, verabredet, um Balu im Auge zu behalten. Auch als sich die Lage nach dem Unfall zuspitzte und die Zeit begann, zu drängen. Bald würde die Silvesterknallerei für Krach sorgen und Balu womöglich verschrecken.

Sie verabredeten sich, gemeinsam mit der Tierrettung, Balu im Schlosspark mithilfe eines Tierarztes zunächst zu betäuben, angelockt wurde er mit ein paar Cheeseburgern. Inzwischen waren auch die Besitzer ausfindig gemacht. Sie kamen am Samstag, 28. Dezember, aus Oranienburg angereist. Alle Helfer standen bereit. Sie wollten verhindern, dass Balu nach der Narkotisierung unkontrolliert aus dem Park läuft.

Der erste Fangversuch muss abgebrochen werden

„Doch der einzige der fehlte, war Balu“, erzählt Heike Riemer. Die Truppe von etwa 20 Leuten wartete und wartete. „Ein Café dort in der Nähe hatte extra für uns aufgemacht, damit wir uns aufwärmen konnten.“ Dann wurde es dunkel und die Aktion wurde abgebrochen. „Ich glaube, er hat Lunte gerochen. Er wollte sich einfach nicht einfangen lassen. Lebendfallen hatten zuvor ja auch nichts gebracht.“

Am Sonntagfrüh tauchte Balu wieder auf. Die Helfer rückten wieder an. Und alles lief nach Plan. Heike Riemer fuhr erneut nach Marquardt und konnte Balu endlich wieder in die Arme nehmen, wenn auch schlafend. „Ich war wahnsinnig erleichtert“, erzählt sie der MAZ am Montagabend. „Gerade sind wir vom Tierarzt gekommen. Und der meinte, es sei soweit alles in Ordnung. Balu muss jetzt nur wieder zu Kräften kommen.“ 30 Kilo wiegt er sonst. Im Moment zeigt die Waage 22 Kilo an.

Heute ist Balu beim Gassi gehen dreifach gesichert

Er sei sehr müde und kaputt, erzählt sie weiter. Deswegen schlafe er viel. Wenn er allerdings vor die Tür geht, trägt er ein Sicherheitsgeschirr. Und ein Halsband. Und an beidem ist jeweils eine Leine angebracht. Außerdem trägt er nun jedes Mal den GPS-Sender am Halsband. So sei er dreifach gesichert, sagt Heike Riemer. „Den GPS-Sender hatten wir vorher schon. An diesem einen Tag war er allerdings in der Ladestation.“

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Von Annika Jensen

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