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Lokales Potsdam Er ist da, wenn die Technik versagt
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14:29 27.06.2019
Arno Klingbeil muss einige Apps auf seinem Handy aktualisieren. Netzwerker und Telefonexperte Helge Berg hilft. Quelle: Foto: Rainer Schüler
Potsdam-West / Geltow

„Codes, Pins, Passwörter und, und, und.“ Wolfgang Lange (81) stöhnt. „Das macht mich wahnsinnig! Datenschutz – wenn ich das schon höre! Mir ist es am liebsten, wenn es von alleine geht.“ Doch genau das tut es meistens nicht. Dieses Mal hat der Potsdamer Ex-Kanu-Trainer in seiner Geltower Wohnung ein Problem mit der Sicherheit auf seinem Laptop. Das nötige Programm ist eigentlich kostenfrei und verlang plötzlich trotzdem Geld von Wolfgang Lange. Ein Fall für Helge Berg.

Der Netzwerker aus der Potsdamer Zeppelinstraße hat Lange das Programm auf seinem Computer installiert und muss nun helfen. Das Problem: Das Programm ist abgelaufen, will sich aktualisieren und verlangt Geld von Lange. Der hat wieder und wieder das X rechts oben gedrückt – vergeblich. Das Programm stellt seine Forderung ungerührt weiter.

Der Potsdamer löst Probleme aller Art

„Sag mir mal dein Passwort, Wolfgang!“, sagt der Telefon- und Computer-Fachmann. Lange grübelt, dann fällt es ihm ein, er sagt es Berg, der wissen will: „Vorne groß oder klein? Alles groß? Alles klein?“ Lange schüttelt den Kopf. „Das weiß ich doch nicht!“ Der Rentner ist genervt, aber Berg bekommt das Problem in den Griff. „Die Erweiterungen, die das System da machen möchte, brauchst du nicht.“ Nach ein paar Minuten ist das Anti-Viren-Programm wieder auf dem Niveau von vorher, und Berg lässt gleich noch die Virenprüfung laufen. „Wie lange dauert das?“, will Lange wissen: „Muss ich zu Hause bleiben?“ Berg beruhigt: „Musst du nicht, das macht der Rechner ganz allein.“ Lange bleibt skeptisch:„Wenn ich nicht da bin, bleibt der dann die ganze Zeit an?“ Berg gibt Entwarnung:“Tut er nicht. Du musst nicht bleiben.“

Netzwerker und Telefonexperte Helge Berg hilft Wolfgang Lange, der Probleme mit seinem Laptop hat. Quelle: Rainer Schüler

Ohne Helge Berg wäre Wolfgang Lang kommunikationstechnisch aufgeschmissen. „Wolfgang ist ein feiner Kerl“, sagt Berg über seinen Kunden: „Er hat nur ein komplettes Unverständnis für Technik, dafür aber eine absolute Affinität für Werbepost.“ Er habe immer wieder Sachen, die er gar nicht braucht, besuche auf Internetseiten, die ihn dann mit Spam-Mails fluteten, die er nicht stoppen kann. „Ohne uns hätte er schon vier Handyverträge zur selben Zeit.“

Kunden rufen ihn, wenn nichts mehr funktioniert

Handys und die Verträge dazu – das ist das Aushängeschild von Bergs kleiner Firma. Doch der Potsdamer macht noch viel mehr. Telefonanlagen, Netzwerke, Computer, Strom, Gas, Wasser – er verkauft sogar PCs, Laptops oder Fernseher. „Das Problem bei vielen Menschen ist, dass sie ganz einfach angefangen haben mit einem Festnetztelefon, einem Fernseher und einem Radio. Dann wurde es immer mehr, erst recht, wenn die Kinder größer wurden.“ Der Zweitfernseher kam dazu, das zweite Radio, eins mit DAB+ zum Beispiel, doch der Empfang ist mies in Potsdam. Besser wäre es, Radio im Internet zu hören. Streamingdienste für Musik, Filme, Serien sind irgendwann gewünscht, wenn das normale TV-Programm Langeweile atmet.

Außer dem Computer hat die Familie Laptops oder Tablets, Handys sowieso. „Der Bedarf wird immer größer“, sagt Berg. Und die Geräte sollen technisch miteinander verknüpft und internettauglich sein. Das überfordert häufig die Kapazität der Telefonleitung und des WLAN-Routers. Dann hakt das Fernsehbild, wird unscharf, pixelig, und die Rechner brauchen ewig, Daten zu laden, Mails abzurufen, Mails zu schicken, erst recht mit Bild- und Videoanhängen.

„So ab 40 geht es los“

Wenn irgendwann nichts mehr funktioniert, wie es soll, kommt Berg, ändert Einstellungen und Passwörter, verstärkt das System durch neue Komponenten, rät zum Kauf anderer Geräte, die miteinander kompatibel sind. Das kann teuer werden, aber er sagt das vorher, er berät die Menschen: „Die müssen wissen, was da auf sie zukommt.“

„Je älter die Nutzer sind, desto mehr Probleme gibt es“, sagt er: „So ab 40 geht es los und wird dann immer schlimmer.“ Die seien halt nicht mit der Technik aufgewachsen. Schon das Einrichten einer Mail-Adresse überfordert viele. Und wenn sie die Adresse haben, wissen sie oft nicht genau, wie sie die Mails abrufen, wie alle Mailprogramme auf dem Handy, dem Computer und dem Tablet synchronisieren, welche Einstellungen dafür am Computer ändern? „Die meisten“, sagt Helge Berg, „wissen nicht, wie man das ganz genau macht.“

Probleme mit der App-Aktualisierung

Arno Klingbeil (69) scheint es da einfacher zu haben: Er hat kein Festnetz, keinen Computer, keinen Internetanschluss. Sein Fernseher ist nur ein Fernseher. Er macht alles mit dem Handy, und wenn er etwas updaten will, macht er das in Bergs Laden, wo er ins Internet kommt. Ansonsten hat er eine Handy-Flatrate, auch fürs Ausland, denn er verreist sehr gern.

Auch Klingbeil ist kein Technik-Freak. Er ist in der DDR aufgewachsen, hat in der Forst gearbeitet, in den Sommer-Fahrzeugwerken, in einem Pharmazie- und Medizintechnikunternehmen. Das Handy braucht er ab und zu, aber er lässt es auch oft daheim, wenn er weggeht. „Die jungen Leute haben alle dauernd ihre Handys an, selbst am Essenstisch.“ Wenn auch er dabei ist, verlangt er: „Handys aus!“

An diesem Tag hat er Probleme, ein paar wichtige Apps zu aktualisieren, denn Klingbeil hat kein Internet. Berg kommt zu ihm, nutzt sein eigenes Smartphone als Hotspot und Internetzugang, erneuert die beiden Apps und sichert gleich noch Klingbeils Chats bei Whats-App: „Kann ja sein, er verliert das Handy mal oder schrottet es“, sagt Berg: „Dann kann er diese Inhalte auch von einem neuen Handy aus sehen.“ Klingbeil ist erleichtert, klopft Berg auf die Schulter: „Bis zum nächsten Mal.“

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Von Rainer Schüler

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