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Potsdam Kandidat für die Parteipiraten
Lokales Potsdam Kandidat für die Parteipiraten
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00:23 16.05.2019
Wahlplakat in Caputh für Ermyas Mulugeta. Quelle: Volker Oelschläger
Schwielowsee

Der aus Äthiopien stammende Umweltingenieur Ermyas Mulugeta (50) kandidiert im Wahlkreis III mit den Gemeinden Schwielowsee, Seddiner See und Werder/Havel für den Kreistag Potsdam-Mittelmark. Nominiert wurde er auf dem ersten Listenplatz von den Parteipiraten, einem von den Piraten, der Partei und der Partei der Sorben formierten Wahlbündnis.

Ermyas Mulugeta 2019 in Borkheide. Quelle: Johanna Uminski

Mulugeta, der zur Kommunalwahl außerdem für die Gemeindevertretung in seinem Wohnort Borkheide kandidiert, möchte in der Politik „dringend notwendige Brücken bauen“, wie er der MAZ sagte, „zwischen den Bürgern und der lokalen, kommunalen Entscheidungsebene“.

Mulugeta, der 1988 als Stipendiat in die damalige DDR gekommen war, arbeitete seit 2001 am Institut für Agrartechnik in Bornim. Eine dramatische Wende nahm sein Leben zu Ostern 2006 in Potsdam-West, als er Höhe des Bahnhofs Charlottenhof von Unbekannten ins Koma geprügelt wurde.

Ein von einer Mailbox aufgezeichnetes Schimpfwort war dringendes Indiz für einen rassistischen Überfall. Zwei wenig später verhaftete Tatverdächtige wurden mit dem Hubschrauber nach Karlsruhe ausgeflogen: Generalbundesanwalt Kay Nehm hatte die Ermittlungen zur Chefsache erklärt.

Der nächtliche Überfall sorgte schließlich bundesweit für Schlagzeilen. Kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 mit dem Motto „Die Welt bei Freunden“, die schließlich als „Sommermärchen“ in Erinnerung bleiben sollte, fürchtete die Bundesrepublik nicht weniger als einen nachhaltigen Imageschaden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte das „abscheuliche Verbrechen“, der frühere Regierungssprecher Uwe-Carsten Heye (SPD) erklärte Potsdam indirekt zur No-Go-Area. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) warf Nehm im Gegenzug vor, den Fall aufgebauscht und „zu einer Stigmatisierung Brandenburgs“ beigetragen zu haben.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte, der rechtsextreme Hintergrund der Tat sei keineswegs erwiesen. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf Schäuble „fahrlässige Verharmlosung“ vor, der Zentralrat der Juden mahnte, Schönbohm brauche „dringend Nachhilfeunterricht“, wenn er den rassistischen Hintergrund der Rat nicht erkenne.

Anders als üblich wird Mulugeta als Opfer in der Berichterstattung mit Klarnamen genannt, weil er noch vor dem Prozess in einer Talkshow auftritt und dort erklärt, „dass die Sache eindeutig einen rassistischen Hintergrund hatte“.

Das Mammut-Verfahren mit 80 Zeugen und Experten nimmt mehrfach unerwartete Wendungen. Aus Handymitschnitten und Augenzeugenberichten ergibt sich schließlich, das Opfer war angetrunken und hatte den Streit verbal und mit einem Tritt in den Hintern angefangen.

Das Verfahren endet schließlich mit Freispruch für die Angeklagten, einer Entscheidung, für die selbst Mulugetas Anwalt plädierte.

Letzte Zeitungsmeldungen in Potsdam gab es 2007 zu einem von Ermyas Mulugeta gegründeten Verein „Löwenherz“, der sich an Potsdamer Schulen dafür einsetzen wollte, dass fremde Kulturen besser verstanden werden.

An der Universität Rostock verteidigte Mulugeta 2010 seine Promotion zum Thema „Optimierung des Waschprozesses für Gemüse und Speisekartoffeln“, dann verlor sich seine Spur. Auf eine Mail-Anfrage der MAZ zehn Jahre nach jener Osternacht antwortete er: „Zur Wahrnehmung meiner Privatsphäre möchte ich die gestellten Fragen nicht beantworten.“

Mit der Kandidatur ist Ermyas Mulugeta in die Öffentlichkeit zurück gekehrt. „Ich wollte Ruhe finden, der Rest war Zufall“, sagt er über seinen Umzug nach Borkheide. Den rassistischen Überfall wolle er in einem Buch aufarbeiten. mit at und ju

Von Volker Oelschläger

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