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Potsdam Potsdam hat jetzt auch einen Tedx-Talk
Lokales Potsdam Potsdam hat jetzt auch einen Tedx-Talk
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01:16 28.01.2019
Julia Wagner (22) organisiert seit Juli in einem elfköpfigen Team den ersten Tedx-Talk in Brandenburg. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Innerhalb von drei Minuten waren die Tickets für den ersten Brandenburger Tedx-Talk ausverkauft. Der Nachschub war sogar schon nach fünf Sekunden weg. Dabei wird es am Montag im Filmmuseum Potsdam ungemütlich werden: Das Thema der sechs Vorträge der besonderen Veranstaltung ist nämlich „Seeking Discomfort“, die Suche nach Unbehagen.

„Wir wollen bei Leuten wirklich ein Unbehagen auslösen“, sagt die Mitorganisatorin des Tedx-Talks Julia Wagner. „Man muss aus seiner Komfortzone raus, um etwas Neues zu erleben und inspiriert zu werden“, so die 22-jährige Betriebswirtschafts- und Soziologie-Studentin weiter.

Gewollte Unbehaglichkeit

Sechs Sprecher werden am Montag ihre Ideen in maximal 18-minütigen Vorträgen zum digitalen Wandel und Gesundheit, zur Zukunft der Arbeit, aber auch zu moderner Sklaverei präsentieren. Die Themen sind wirklich unbehaglich, weil sie aktuell und die Sprecher lokal sind. Ohne zu viel zu verraten: Auch vor Ort soll es am Montag unbehaglich werden. „Die Veranstaltung soll eine Aufforderung sein, sich selbst zu hinterfragen. Wieso finden wir Situationen eigentlich unbehaglich?“, erklärt Wagner. Sie findet es wichtig, dass die Leute sich mit den ungemütlichen Themen beschäftigen und das am Besten zusammen.

Der Slogan der Tedx-Veranstaltungen ist nämlich „Ideen, die es wert sind, verbreitet zu werden“. Dass die Vorträge besonders bei jungen Studierenden beliebt sind, erklärt sich damit, dass es immer um lokale Ideen, Innovationen und Inspiration geht. Keiner der Vorträge aus den Bereichen Wissenschaft, Unternehmertum, Gesellschaft, Kultur und Kunst darf länger als 18 Minuten sein. „Obwohl es das schon seit 1984 gibt, ist es erst jetzt ein Trend und ein modernes Konzept“, sagt Julia Wagner. Es seien keine verstaubten Vorträge, sondern ansprechende Ideen.

Idee aus den USA

Ursprünglich stammt die Idee aus den USA. „TED“ steht für Technology, Entertainment und Design und „ist eigentlich eine riesige jährliche Innovationskonferenz in den USA, wo die Tickets 2000 Euro kosten“, erklärt Wagner. Sie werde von der gleichnamigen gemeinnützigen Organisation ausgerichtet, die immer wieder prominente Sprecher organisiert. 2007 hat der ehemalige US-Präsident Bill Clinton einen Vortrag gehalten.

2000 Euro teure Tickets, USA und alles in Englisch? Das scheint wenig mit Potsdam zu tun zu haben, hat es aber doch: Denn seit 2006 gibt es die Tedx-Veranstaltungen. Das X im Namen steht für eine unabhängige Ted-Veranstaltung, die überall, also nun auch in Potsdam stattfinden kann – sofern die Veranstalter eine Lizenz bekommen, auf die sie sich bewerben müssen.

Lizenz zum Weltverbessern

„Man ist nicht ganz frei, aber man kann sich ein eigenen Thema aussuchen und, wenn man das begründet, kann den Namen TED verwenden“, erklärt Wagner. Das hat drei Monate gedauert, aber ermöglicht den Namen zu benutzen, der wiederum Sponsoren anlockt. Anders kann sie sich nicht erklären, warum die erste Veranstaltung so schnell ausverkauft war. „Wir haben es nur auf Facebook und Twitter beworben“, sagt sie. Das hätte erst mal nur die Freunde des elfköpfigen Organisationsteams erreicht und sich dann verbreitet.

Für diejenigen, die kein Ticket bekommen haben, gibt es gute Nachrichten. Denn das Herzstück von Tedx ist die Internetseite, auf der tausende Vorträge veröffentlicht werden. Auch wenn am Montag einige Vorträge auf englisch sind, können sie in zwei Wochen mit deutschen Untertiteln angeschaut werden – oder auf dem gleichnamigen Youtube-Kanal „Tedx Talk“. So kommt man doch ganz komfortabel an „Seeking Discomfort“.

Lernen und Inspiration

So wird die Welt doch wieder etwas besser. Auch, weil „die Sprecher mit ihren Ideen wirklich schon versucht haben, die Welt besser zu machen“, erzählt Wagner. Das Lernen und die Inspiration sind das Wichtigste an den Vorträgen.

Vorträge des Tedx-Talks

Katja Jäger: „Gutes tun braucht Herz und Kopf“

Alexej Gornizki: „How to train your dragon“

Margaret Heckel: „Länger leben, besser arbeiten“

Dietmar Roller: „Moderne Sklaverei“

Doris Dede: „Women in Exile“

Lasse Kroll: „Arbeite, wo du willst“

Moderation: Wendy Husser

Am Montag sollen alle lernen. Nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Sprecher. „Sie sind alle nicht professionell und bekommen ein Coaching für den Vortrag von uns“, sagt Wagner. Dabei gehe es auch um die ansprechende Präsentation, für die Tedx-Events bekannt sind. Die Sprecher sind allerdings Experten auf ihren Gebieten. Alexej Gornizki ist zum Beispiel einer der Gründer des Berliner Start-Ups Fontane Labs, das sich mit der Prävention von psychischen Problemen befasst. Auch Katja Jäger arbeitet in ihren Themengebiet. Sie versucht die Digitalisierung zum Wohle der Menschheit zu nutzen.

Weitere Tedx-Talks

Ein Themengebiet in dem sich auch Julia Wagner auskennt. Sie schreibt eine Bachelorarbeit über die Wahrnehmung von Künstlichen Intelligenzen. „Ich bin ein Routinemensch und will Neues lernen“, sagt sie. Seit Juli vergangenen Jahres ist sie mit der Planung des Tedx-Talks beschäftigt. Sie weiß nun wie sie einen Verein gründet, denn das Team will auch in Zukunft Tedx-Events in Potsdam organisieren.

Etwa ein bis zwei Abende will der neue Verein „Engins“ (Engagieren und Inspirieren) im Jahr planen – je nachdem wie das Feedback von Ted ist. Es wird also später wieder die Möglichkeit geben, zu den Menschen zu gehören, die es schaffen in den ersten fünf Sekunden des Ticketverkaufs auf den „Kaufen“-Knopf zu drücken.

Von Jan Russezki

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