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Potsdam Ex-Chefdenkmalpfleger warnt: Neue Hochhäuser bedrohen Potsdams Welterbe-Status
Lokales Potsdam Ex-Chefdenkmalpfleger warnt: Neue Hochhäuser bedrohen Potsdams Welterbe-Status
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01:16 18.04.2019
Hochhäuser in der Neustädter Havelbucht in Potsdam. Quelle: Varvara Smirnova
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Potsdam

Die Landeshauptstadt wächst wieder in die Höhe. Es gibt Pläne für neun Hochhäuser in den kommenden zehn Jahren. Doch diese Entwicklung in Potsdam hat nicht nur Freunde, sondern auch erbitterte Gegner. So warnt frühere Chefdenkmalpfleger der Stadt, Andreas Kalesse, warnt vor einem Verlust des Status als Unesco-Weltkulturerbe.

Hochhäuser stören die historischen Sichtachsen

Potsdam gerät offenbar aus den Fugen!“, empört sich Kalesse, „nach der Wende hatten wir uns darauf geeinigt, dass die maximale Bauhöhe unter der Baumwipfelhöhe bleiben muss.“ Er beruft sich dabei auf die historische Gestaltung der Stadtlandschaft. Architekten der preußischen Könige hätten ein „einmaliges Sichtengefüge zwischen Aussichtspunkten wie den Brauhausberg, den Klausberg, den Pfingstberg, das Orangerieschloss, den Flatowturm und nicht zuletzt das Weinbergschloss geschaffen“.

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Andreas Kalesse leitete einst den städtischen Denkmalschutz in Potsdam und kritisiert Hochhauspläne. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auf dieser Grundlage sei Potsdams Kulturlandschaft 1991 als Welterbe anerkannt worden. „Inzwischen stellte die Unesco immer mehr Kulturlandschaften und Naturzeugnisse weltweit unter Schutz, weil man verstanden hat, dass der Einzelbautenschutz nicht mehr zeitgemäß ist“, erläutert Kalesse, „schaut man von diesen Höhepunkten in die Stadt, fallen die zahlreiche Hochhäuser unangenehm auf.“ Immerhin hätten viele hohe Wohnblöcke inzwischen Fassadenfarben, die sie „nicht so brutal hervortreten“ ließen.

Geschütze Landschaft: Konflikt mit Hochhäusern

Auch der Naturschutz gerät in Konflikt mit Hochhaus-Vorhaben. Dazu führt Kalesse die Döberitzer Heide an, die im Norden der Stadt „das uferlose Auswachsen der Stadt“ begrenze. „Das kann doch aber nicht bedeuten, dass in unmittelbarer Nachbarschaft dieses kostbaren Auswilderungsgebietes für vom Aussterben bedrohte Großwildarten Hochhäuser entstehen, die nachts in das Schutzgebiet hineinleuchten“, so Kalesse weiter.

Unesco kann Potsdam auf die „Rote Liste“ setzen

Über die Hochhauspläne war vorige Woche beim „Stadt Forum“ diskutiert worden, das mehrmals im Jahr Themen der Stadtentwicklung öffentlich diskutiert. Im kommenden Jahrzehnt entstehen Hochhäuser in Waldstadt II, im Kirchsteigfeld und in Krampnitz. Es geht um Wohn- und Geschäftsflächen. Kalesse aber meint: „Potsdam ist nicht dazu berufen, das Problem von bezahlbarem Wohnraum landesweit zu lösen.“ Wenn die Landeshauptstadt das Konflikt-Problem mit der Kulturlandschaft „nicht begreifen will, dann sollte die Unesco endlich den Hammer schwingen und Potsdam auf die ,Rote Liste’ setzen“, fordert der ehemalige städtische Chefdenkmalpfleger.

Von Alexander Engels

MAZ-Service: MAZImmo

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