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Potsdam „Ihr braucht das Sterben nicht zu fürchten“ – Ex-Superintendent Zehner lebt im Hospiz
Lokales Potsdam „Ihr braucht das Sterben nicht zu fürchten“ – Ex-Superintendent Zehner lebt im Hospiz
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07:33 15.07.2019
Joachim Zehner erkrankte 2012 zum ersten Mal an einem Gehirntumor. Quelle: Friedrich Bungert
Templiner Vorstadt

Potsdams ehemaliger Superintendent Joachim Zehner hat sich in der vergangenen Woche im Beisein seiner Familie mit bewegenden Worten von den Mitgliedern der evangelischen Kirche verabschiedet. Nach einem Gottesdienst in der Friedenskirche, wo Zehner jahrelang eine Pfarrstelle inne hatte, sprach der Theologe über seine Krebserkrankung. Seit etwa zwei Wochen lebt der 62-Jährige im evangelischen Hospiz auf Hermannswerder. Seine Botschaft an die Kirchengemeinde: „Ihr braucht das Sterben nicht zu fürchten – Gott trägt uns bis zum Schluss.“

2012 entdeckte man bei Zehner einen Hirntumor; insgesamt wurde er fünf Mal operiert. „Durch unsere vorzüglichen Mediziner im Ernst-von-Bergmann-Klinikum habe ich noch sechseinhalb Jahre meinen Dienst tun können“, erzählt Zehner an diesem Wochenende im Gespräch mit der MAZ. Bis zum Ende seiner zehnjährigen Dienstzeit – also bis 2018 – blieb er in seinem Amt als Superintendent.

Nach der Wahl seiner Nachfolgerin Angelika Zädow setzte sich Zehner neue berufliche Ziele: Seit vergangenem Herbst widmete er sich dem Zukunftsprojekt im Potsdamer Norden: „Kirche in Krampnitz“ soll gemeinschaftliches Leben im Quartier mitgestalten. Dafür will man eine ehemalige Werkstatt nach einer millionenteuren Sanierung als Ort für Gottesdienste, als Bürgerhaus und für eine evangelische Kindertagesstätte nutzen. „Oh, wie gerne hätte ich dieses Projekt noch weiter begleitet“, sagt Zehner wehmütig.

Doch im Mai kam der Tumor zurück, der operativ nicht mehr zur Gänze entfernt werden konnte – mit massiven Auswirkungen. Mittlerweile ist die linke Körperseite gelähmt; eine Fortbewegung nur noch im Rollstuhl möglich. „Ich weiß nicht, was als nächstes kommt – natürlich fürchte ich mich davor, dass sich auch meine rechte Seite ,abmeldet’“, schildert Zehner offen seine Situation.

Joachim Zehner mit Hospiz-Leiterin Bettina Jacob. Quelle: Friedrich Bungert

Die Entscheidung für den Umzug ins Hospiz fiel, als klar wurde, dass seine Frau Christa die Betreuung nicht mehr alleine stemmen konnte. Nun wohnt er auf Hermannswerder in dem Flachbau mit acht Einzelzimmern. Der Raum ist klein, aber ruhig, mit Blick aufs Wasser. Der Leitsatz der 2011 eröffneten Einrichtung, die vom Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin und von der Hoffbauerstiftung getragen wird, lautet: So lange wie möglich ein gutes Leben ermöglichen. „Es geht nur noch nach den Wünschen unserer Gäste“, sagt Hospiz-Leiterin Bettina Jacob.

Pro Jahr werden zwischen 160 und 180 Gäste von 20 Mitarbeitern sowie Ehrenamtlichen betreut. Es gibt ein Angehörigencafé, Musiker kommen ins Haus, manchmal wird sogar ein Pony durchgeführt. Alles Dinge, von denen der frühere Superintendent mit leuchtenden Augen berichtet. „Ich bin hier regelrecht aufgeblüht“, sagt er – und tatsächlich strahlt Zehner Humor aus. Bei seiner Rede in der Friedenskirche scherzte er sogar: „Wenn ich dann hier im Sarg liege, werde ich nicht mehr so kommunikationsfähig sein wie jetzt.“

Joachim Zehner war von 2008 bis 2018 Superintendent im Kirchenkreis Potsdam. Quelle: Friedrich Bungert

Dass er überhaupt noch sprechen kann, empfindet Zehner als Geschenk. Eines, das er nutzen möchte: Einerseits um über die großen Leistungen der Hospiz-Mitarbeiter zu sprechen. Aber auch um den Menschen ein Stück weit die Furcht zu nehmen, über die letzten Dingen des Lebens – über das „Tabuthema Tod“ – zu reden. Denn: „Ich möchte, dass die Schweigeglocke aufgehoben wird.“

Ein Bild vom Apsis-Mosaik in der Friedenskirche schmückt das Zimmer. Quelle: Friedrich Bungert

Von Ildiko Röd

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