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Potsdam Gassi gehen gegen Gauland
Lokales Potsdam Gassi gehen gegen Gauland
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12:05 03.12.2019
Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD, profiliert sich über seine Dackel-Krawatte. Quelle: Oliver Ziebe/WDR/dpa
Potsdam

In der Politik ist Mode ein Statement. Während Politikerinnen im Bundestag auch modisch immer wieder für Diversität sorgen, wirken die Anzüge der Männer oft wie Uniform. Ihre politische Identität ist nur an der Krawatte abzulesen. Olaf Scholz trägt SPD-rot, Markus Söder CSU-blau. Eine Posting der Facebook-Seite „Laut gegen Nazis“ lenkt die Aufmerksamkeit nun auf AfD-Parteichef Alexander Gauland.

Zwischen den beigen Revers seiner Tweet-Sakkos trägt dieser gerne eine dunkelgrüne Krawatte mit gelben Hundemotiven. Immer wieder präsentiert sich der umstrittene Politiker damit im Bundestag wie ein Jäger im Nadelwalde. Gibt man „Gauland Krawatte“ als Suchbegriff bei Google ein, landet man unter anderem bei dem Amazon-Angebot einer waldgrünen Krawatte mit Hundemotiv. Produktname: „Krawatte Alexander“.

Hundeschiss gegen Rechts

Modeexperten war spätestens im Juni 2018 klar, dass Alexander Gaulands Outfits zum Trend werden würden. Diesmal wurde dem Potsdamer aber nicht die Kleidung beim Baden geklaut, sondern nur seine Krawatte – oder zumindest das Hundemotiv darauf.

Die Facebookseite „Laut gegen Nazis“ postete am Mittwoch ein Foto, auf dem neben der umgestalteten Krawatte ein im AfD-Stil gestalteter Button am Revers steckt. Statt des roten AfD-Hakens ist darauf ein Hund zu sehen, der gerade beginnt, sein Revier zu markieren – auch der Hund auf der Krawatte hat seine Position verändert. Auf dem blauen Button steht „Gassi gegen Gauland“ und darunter der passende Hashtag #gassigegengauland.

Nazi-Vergleich löst Streit aus

In der symbolträchtigen Zeit von 19.33 Uhr am Freitag bis 19.45 Uhr am Sonntag will Raphael Brinkert aus Hamburg, von dem der Text zum Beitrag stammt, mit seinem Hund Gassi gehen. „Ich setze damit vor dem AFD-Parteitag ein Zeichen gegen Rechts“, schreibt er in dem Beitrag und fordert Nutzer zum Mitmachen auf. Unter dem Hashtag #gassigegengauland sollen Hundebesitzer es ihm nachmachen und Fotos posten. Er will damit „sein Revier markieren“.

Die Nutzer der Facebookseite „Laut gegen Nazis“ finden die Aktion lustig. Mehr als 719 positive Reaktionen und 79 Kommentare gab es zum Beitrag. Viele fragen nach dem blauen Ansteckbutton vom Foto, die „Laut gegen Nazis“ an diesem Wochenende nachproduzieren will.

In einer Potsdam-Gruppe auf Facebook fallen die Reaktionen zum Teil anders aus. „Peinliche Aktion“, findet Markus Korte. „Dümmer geht’s nicht“, schreibt Karin Müller. Auch Tobias Prietz ist gegen die Aktion. Er führt an, dass die AfD eine demokratisch gewählte Partei sei. „Demokratisch gewählt heißt noch lange nicht demokratisch sein“, entgegnet Patrick Parnow. Ria Zausibal sieht alle in der Verantwortung gegen „rechtsextreme Faschisten der AfD“ zu protestieren.

Auslöser für die Kritik könnte die von Raphael Brinkert gewählte Uhrzeit sein: Sie spielt auf den Zeitraum 1933 bis 1945 an und verpackt den Nationalsozialismus so in gewisser Weise in ein Wochenende. Der AfD-Parteichefs hatte diese Zeit einmal als „Vogelschiss“ in der Geschichte bezeichnet und damit einen Shitstorm provoziert.

Witz mit Geschmäckle

Ob Gaulands modische Identität als deutscher Nadelwaldjäger oder die Aktion der Werbeagentur lustig ist, liegt im Auge des Betrachters. Fakt ist allerdings: In dem Facebook-Beitrag von „Laut gegen Nazis“ wird suggeriert, dass die Idee zu der Aktion von einem Bürger an sie „herangetragen“ wurde. Dabei ist Brinkert kein Unbekannter.

Er arbeitete für die Werbegrößen Jung von Matt (Edeka-Werbung „Super Geil“) und Scholz & Friends und führte bis September gemeinsam mit Ex-Fußball-Profi Christoph Metzelder die Werbefirma BrinkertMetzelder. Brinkert produziert Kampagnen im Bereich Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Sport.

Auf seiner Webseite distanziert sich Brinkert von der Zusammenarbeit mit allen, „die gegen das Grundgesetz, die Menschenrechte, das Gemeinwohl und den United Nations Global Compact verstoßen“. Auch die AfD schließt er als Kunden explizit aus.

Die CDU allerdings nicht. Laut seiner Webseite gehört sie zu seinen Abnehmern – genau wie die Initiative „Laut gegen Nazis“.

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