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Potsdam Berufswahl mit allen Sinnen
Lokales Potsdam Berufswahl mit allen Sinnen
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23:17 26.10.2019
Helena Starke (19), Auszubildende zur Hotelfachfrau im Kongresshotel Potsdam, serviert beim Azubi-Dinner. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Jannes Reichert blickt sich im Saal um. Der 15-jährige Schüler aus Ketzin lauscht gerade den Worten des Redners, als ein Duft von frischem Essen durch den Raum weht. Just erscheint ein Kellner neben ihm und tischt den ersten Gang auf: Gelbflossenthunfisch mit Sesam und Avocado. Das Berufswahl-Dinner ist eröffnet.

Es ist Freitagabend. Etwa 20 junge Menschen sind mit ihren Begleitpersonen im Bayrischen Haus im Wildpark erschienen. Es ist ein besonderer Abend: Heute werden sie die Gelegenheit haben, acht Hotel- und Gaststättenunternehmen aus der Region kennen zu lernen.

Jannes Reichert (15) aus Ketzin war unter den Gästen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Man nehme acht Tische, an welchen jeweils ein Vertreter der jeweiligen Betriebe sitzt. Dazu kommen Jugendliche und ihre Begleitung, die ebenfalls an den Tafeln Platz nehmen. Während eines 4-Gänge-Menüs lernt man sich gegenseitig kennen. Etwa nach der Hälfte rotieren die Vertreter der Betriebe und das Prozedere beginnt von Neuem. Dazwischen werden in den Pausen vier Berufswege vorgestellt. Fertig ist das Rezept für ein Azubi-Dinner.

Noch während Jannes den Thunfisch probiert, kann er erste Fragen loswerden. An seinem Tisch sitzt Benjamin Schätzle, Direktor des Hotels „Brandenburger Tor“. Jannes, der eine Lehre zum Koch anstrebt, interessiert sich besonders für Details zur Küche des Hauses.

Wie Olaf Lücke, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Brandenburgs (Gehoga), in seiner Eingangsrede betonte, können sich die Jugendlichen im Laufe des Abends über vier Karrierewege informieren: Hotelfachmann/-frau, Restaurantfachmann/-frau, Koch/Köchin und Veranstaltungskaufmann/-frau.

Gastgeber und Sternekoch Alexander Dressel stand selbst in der Küche. Quelle: Bernd Gartenschläger

Zusammen mit Marco Lindemann, Ausbildungsberater bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam, führt er durch den Abend. Gehoga und IHK hatten zu der Veranstaltung geladen. Bereits zum dritten Jahr in Folge findet das Azubi-Dinner statt. Premiere dieses Jahr: Zum ersten Mal ist das Bayrische Haus Gastgeber.

Dessen Direktor und Küchenchef Alexander Dressel ist ebenfalls anwesend. Er gehört wie die sieben anderen Vertreter zum „Who is Who der Potsdamer Hotelerie“, so Lücke.

Mittlerweile sind die Gespräche in vollem Gange. À propos Gang: Eine Kürbiscremesuppe mit Riesengarnele steht nun auf dem Tisch. Auch Jannes’ Mutter hat Fragen. Wann Ausbildungsbeginn sei oder wie Azubis mit der Angst vor Fehlern umgehen können.

Mit diesen Fragen ist sie nicht allein: Zahlreiche Eltern löchern die Hoteliers und Gastronomen an diesem Abend. Das ist auch so gewollt. Dehoga-Chef Lücke erklärt: „Studien zeigen, dass Eltern bei der Berufswahl wichtig sind.“ Sie würden die Berufsorientierung, wenn auch nicht immer direkt, doch beeinflussen.

Beim Azubi-Dinner im Bayrischen Haus. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch Jannes’ Mutter Manja ist in der Branche tätig. Dadurch, erklärt sie, sei die Familie auf das Azubi-Dinner gekommen. Doch auch abgesehen davon will der Zehntklässler Koch werden.

Laut Olaf Lücke eine gute Wahl: „Ich bin überzeugt, dass dies in den nächsten Jahren einer der bestbezahlten Berufe wird“.

Dann kommt Jannes’ Chance: Zum dritten Gang, Roastbeef mit Kerbelwurzel und einer Miso-Hollandaise, setzt sich Alexander Dressel an den Tisch. Der Sternekoch gratuliert zur „guten Entscheidung“, als er vom Berufswunsch hört. Nun kann der Schüler ihm seine Fragen stellen.

Doch nicht nur die Jugendlichen haben etwas von dem Abend. Alexander Dressel: „Wir brauchen Fachkräfte, wir müssen ausbilden.“

Der Abend neigt sich dem Ende zu. Der vierte Gang, komponiert aus Vanille, Nougat und Birne, ist verputzt. Auch noch nach den Schlussworten Lückes bleibt Jannes mit seiner Familie sitzen. Zu groß ist das Interesse am Sternekoch, der bereitwillig weiter Fragen beantwortet.

Wie fand Jannes den Abend? „Es hat Spaß gemacht und war sehr informativ.“ Es sei besonders schön gewesen, mit „einem Profi zu reden“. Der nächste Schritt sei nun ein Praktikum im Bayrischen Haus. Und danach? So viel kann Jannes nun sagen: „Ich will einen Ausbildungsplatz.“

Fachkräftemangel in Brandenburg

Fachkräfte werden laut der IHK Potsdamverzweifelt gesuch
t“.

Noch im Juni gab es vor Ausbildungsbeginn 2500 freie Ausbildungsstellen in Brandenburg.

Vor allem imHotel- und Gaststättengewerbe herrscht großer Bedarf.

Tilo Schneider (IHK): „Jedes Jahr bleiben etliche Ausbildungsplätze in der Branche unbesetzt

Dehoga-Chef Lücke: Immer weniger junge Menschen können sich vorstellen, im Gastgewerbe zu arbeiten. Über 70 Prozent aller Schüler, Bewerber und Azubis wollenkeine Schichtarbeit.

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