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Potsdam Fahrgäste sauer: Langes Warten auf den Bus
Lokales Potsdam Fahrgäste sauer: Langes Warten auf den Bus
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11:01 15.03.2018
Wenn der sofortige Umstieg von der Tram in den Bus nicht klappt, dann kann das Warten am Jungfernsee ganz schön frostig sein. Quelle: Christel Köster
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Potsdam

Ulrike Neuber ist sauer. Die 42-Jährige steht an der kürzlich eingeweihten Haltestelle Campus Jungfernsee und friert. Es ist kurz nach halb neun Uhr abends, dunkel und ziemlich ungemütlich. Der Wind steht genau so, dass der Regen in das offene Wartehäuschen eindringt. Ulrike Neuber zieht ihre Hände in die Ärmel ihrer Winterjacke zurück – ihr Anschluss-Bus kommt erst in 18 Minuten.

Einmal in der Woche besucht Neuber ihre Mutter bei Groß Glienicke. „Früher konnte ich mich am Hauptbahnhof einfach in den Bus setzen und fertig“, sagt die Dunkelhaarige. Nach der Verlängerung der Linie 96 und der Fahrplanänderung am Sonntag vor einer Woche muss sie nun mit der Tram bis zum Campus Jungfernsee fahren. Erst dort kann sie dann in den Bus einsteigen. Rund acht bis zehn Minuten braucht sie damit jeweils für Hin- und Rückweg länger – wenn sie die optimale Bahn erwischt. Wenn sie allerdings wie heute eine Bahn zu früh nimmt und nicht vorher daran denkt im warmen Hauptbahnhof eine Bahn abzuwarten, muss sie – bis ihr Bus kommt – rund zwanzig Minuten am tristen Campus Jungfernsee in der Kälte ausharren. „Ich gebe zu, dass ich heute selber in die App auf meinem Handy hätte gucken können“, sagt Neuber. „Meine Mutter zum Beispiel hat aber kein Handy. Ständig stehen hier Menschen in der Kälte und warten.“

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Tatsächlich war schon die Jungfernfahrt zur Einweihung der verlängerten Tram-Strecke in den Potsdamer Norden von Protesten begleitet. Rund zehn Teilnehmer hatten die erste Fahrt am Samstag vor einer Woche kurzzeitig blockiert und gegen den neuen Fahrplan demonstriert. Am Rande der Eröffnungsfeier hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs zur MAZ dazu gesagt: „Das waren ja nur ein paar wenige. Die Leute werden sich daran gewöhnen.“

Linie 96 fährt nun weiter

Am Sonntag vor einer Woche wurde die Erweiterung der Linie 96 in den Potsdamer Norden eingeweiht. Die Bahn, die vorher bis zur Haltestelle Vireckremise fuhr, fährt nun auch die neuen Stationen Rote Kaserne und Campus Jungfernstieg an.

Der Bau der Erweiterung wurde im Oktober vergangenen Jahres begonnen und hat rund 7,5 Millionen Euro gekostet. Damit blieb der Ausbau im zeitlich und finanziell gesteckten Rahmen.

Doch in Groß Glienicke sind es nicht nur ein paar wenige, die sich über den neuen Fahrplan ärgern. Andreas Menzel aus dem Ortsbeirat hatte im Vorfeld der Änderung eine Liste mit knapp 600 Unterschriften vorgelegt, die für weiterhin durchfahrende Busse nach Groß Glienicke plädiert. Immerhin zu den Stoßzeiten morgens und abends, wenn viele Schüler auf der Strecke unterwegs sind, fährt seitdem nun ein Bus bis zum Hauptbahnhof durch.

Das Argument, das gegen die Groß Glienicker spricht, ist die Vermeidung des sogenannten Doppelverkehrs. Warum sollte ein Bus auf der gleichen Strecke fahren, auf der auch eine Tram alle zehn Minuten fährt? Für den Verkehr in der Innenstadt sowie aus Umweltgründen sei es besser, wenn weniger Busse in der Innenstadt unterwegs sind, hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zur Eröffnung gesagt.

Für Ulrike Neuber, ihre Mutter und viele Groß Glienicker bedeutet das allerdings, dass sie auch zukünftig weiter in der Kälte ausharren müssen. „Wenigstens einen Kiosk könnten sie uns hier hinstellen“, sagt Neuber – und zieht die Kapuze ein Stückchen tiefer in die Stirn.

Von Ansgar Nehls

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